Wettbewerb: Hoven befindet sich in einer Sackgasse. Doch nur wortwörtlich.

Von: Dettmar Fischer
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Die alte Kapelle im Ort Hoven wäre fast abgerissen worden, da baute man schnell eine neue. Foto: Dettmar Fischer
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Zwei Männer auf dem Weg nach Hoven. Wenn Markus Westphal (r.) und Ortsvorsteher Uwe Jöris es langsam angehen lassen, sind sie in fünf Minuten am Ortsende angelangt. Foto: Dettmar Fischer

Geilenkirchen. Gegen Hoven hat eigentlich kein Mitbewerber im Wettstreit „Unser Dorf hat Zukunft“ eine Chance – zumindest nicht, wenn der Juror die Verweildauer der Einwohner des kleinen Ortes zu Grunde legt. Hoven hat eine Straße. Gut, es handelt sich genau genommen um eine Sackgasse.

So muss der Bus, der Hoven anfährt, am Ortseingang eine Kehrtwende machen, um nach dem Stop am frisch gestrichenen Wartehäuschen den Rückweg nach Kraudorf anzutreten.

Aber Straße ist Straße, und rechts und links der Asphaltstrecke stehen 14 Häuser. Das könnten ganz Pingelige anders zählen, aber Doppelhaushälften werden nun mal von zwei Parteien bewohnt, und so kommt das schon hin mit der Anzahl 14.

32 Menschen leben in diesen Häusern, ältere und jüngere und sogar sechs von unter zwölf Jahren. Diese Menschen bleiben in Hoven, wenn sie denn erst einmal den Weg nach Hoven gefunden haben. Das Dorf liegt umgeben von Feld und Wald ganz am Rand des Geilenkirchener Stadtgebietes. Am Ende der Hauptstraße, die in einen Wirtschaftsweg mündet, der natürlich nicht weiter befahren wird, um schneller nach Uetterath zu gelangen, beginnt schon Heinsberg.

Viele sind Zugezogene

Gleich am Ortsrand von Hoven liegt der Hover Busch. Von wegen Busch! Es ist der zweitgrößte Wald im Geilenkirchener Stadtgebiet gleich nach der Teverener Heide, weiß Markus Westphal. Westphal ist einer der 32 Hovener, ein Zugezogener wie etwa ein Drittel der Einwohner. Vor 13 Jahren fand er den Weg von Düsseldorf hierher und will auch nicht mehr weg. Vor ein paar Jahren zog mal eine ältere Dame fort ins Altenheim; eine Scheidung im Dorf zog ebenfalls einen Wegzug nach sich. Das war es denn aber auch schon. An mehr Abwanderung kann sich Markus Westphal nicht erinnern.

Westphal ist Archäologe, im Fußballverein aktiv und fast sicher, dass Hoven schon zur Jungsteinzeit, also vor 6000 Jahren besiedelt war. Am Hover Busch gibt es ein Bodendenkmal, Wall und Graben, eine richtige Befestigung, die von einer Römerstraße durchbrochen wird. Ob dieses Bodendenkmal tatsächlich der sogenannten Michelsberger Kultur zuzuordnen ist, ist zwar noch nicht endgültig geklärt. Aber einiges spricht dafür, dass Hoven auch schon vor sehr langer Zeit den Menschen eine Heimat bot – wie heute. Wenn das keine fundierte Zukunftsperspektive ist!

zwei Kapellen auf 32 Einwohner

Um den geistigen Beistand beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ braucht man sich in Hoven auch keine Sorgen zu machen. Hoven ist das Dorf mit der größten Kapellendichte weit und breit: zwei Kapellen auf 32 Einwohner. Das war so zwar nicht geplant, müsste aber doch trotzdem Pluspunkte im Wettbewerb bringen. Kapelle eins war alt und stand auf einem Privatgrundstück.

Der neue Besitzer, so wurde in Hoven vermutet, werde die Kapelle, die direkt vor seinem Haus stand, sicherlich abreißen. Also entschied die Interessengemeinschaft Hoven, Kogenbroich, Nirm und Kraudorf sich für einen Kapellenneubau. Da es sich der neue Besitzer des alten Kapellengrundstücks aber nicht mit denen droben im Himmel verderben wollte, entfiel der Abriss. Und so hat Hoven heute zwei Kapellen. Und last but not least den Pluspunkt par excellence: eine funktionierende Dorfgemeinschaft. Markus Westphal: „Hier im Ort hilft jeder jedem, ohne dass wir jetzt ständig zusammen Grillen.“

Westphals Haus hat Schallschutzfenster. „Je nach Jahreszeit ist hier ganz schön was los“, sagt er ohne jedes Bedauern in Bezug auf die aktive Landwirtschaft im Ort. Ganz schnell in der Welt unterwegs sind die Hovener übers Glasfaserkabel; genau wie die neue Kapelle ein Gemeinschaftsprojekt. Zwar wurde der Kabelstrang nicht selber durchs Erdreich gezogen, aber da alle Hovener an einem Strang zogen, wurde der schnelle Zugang zum Internet auch für ein kleines Dorf möglich.

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