Übach-Palenberg - Wenn die Kommunikation aus dem Leben verschwindet

Wenn die Kommunikation aus dem Leben verschwindet

Von: mabie
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Norma Kuhlmey (3.v.l.) freut sich mit Jaqueline Nafzger-Maasen (r.), Hannelore Viehöver-Braun (2.v.r.) und weiteren Gästen über die Gründung der Selbsthilfegruppe für Menschen mit einer Aphasie. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Welch tiefer Einschnitt ins Leben ein Schlaganfall sein kann, erfuhr Norma Kuhlmey in diesem Jahr am eigenen Leib. Es war der 15. März, und sie fand zum Glück schnelle Hilfe, so dass die nicht abschätzbaren Folgen dieser schweren Erkrankung vergleichsweise gering ausfielen. Was aber bis heute noch vorhanden ist, sind Probleme mit der Sprache, die sogenannte Aphasie.

Nach der Reha, die sie als sehr positiv empfunden hat, wurde Norma Kuhlmey schnell von der Realität eingeholt, in der Menschen nach einem Schlaganfall leben. „Ich habe schnell wieder abgebaut, ich habe Wortfindungsschwierigkeiten, und wenn ich aufgeregt bin, dann kommen schon mal die Worte durcheinander“, sagt sie. Aus der Reha sei sie „mit guten Worten für die Zukunft“ verabschiedet worden, „aber damit hat es sich.“ Sie findet, dass Menschen mit einer Sprachstörung nach einem Anfall größtenteils auf sich alleine gestellt seien.

Nun ist Norma Kuhlmey niemand, der die Hände in den Schoß legt oder darauf wartet, dass sich von alleine etwas ändert. Statt sich mit ihren Problemen alleingelassen zu fühlen, wuchs in ihr schnell der Wunsch, eine lokale Selbsthilfegruppe zu gründen. „In meiner Reha konnte ich ermitteln, dass es im Kreis Heinsberg keine solche Gruppe gibt“, sagt sie. Mit Therapeutin Jaqueline Nafzger-Maassen im Hintergrund, die als Logopädin weiß, was zu tun ist, gründete sie nun die erste Gruppe dieser Art im Kreis Heinsberg. „Bisher waren die nächsten Gruppen in Eschweiler oder im Aachener Klinikum zu finden“, weiß Kuhlmey. Das ist zu weit für viele Betroffene, und sie fühlen sich durch eine solche räumliche Entfernung zur nächsten Selbsthilfegruppe auch einsamer. „Gerade in der heutigen Zeit wird es immer wichtiger, den Menschen auch außerhalb medizinischer Leistungen Hilfe und Geborgenheit zu vermitteln“, weiß Jaqueline Nafzger-Maassen. Denn Aphasie verändert vieles, die Kommunikation verschwindet aus dem Leben. „Ohne Sprache fühle ich mich, als würde ich um Hilfe schreien, aber keiner hört mich“, beschreibt die Fachfrau das, was Menschen mit Aphasie empfinden.

Die Selbsthilfegruppe, die sich ab sofort an jedem ersten Donnerstag im Monat von 15 bis 16 Uhr in der Praxis der Therapeutin am Rathausplatz trifft, soll hier Hilfen bieten. „Unser Ziel ist es, sich auszutauschen, das Gefühl der Gemeinsamkeit zu vermitteln und sich verstanden und akzeptiert zu fühlen“, sagt Jaqueline Nafzger-Maassen.

Unterstützt wird die Gruppe auch von der Stadt Übach-Palenberg, die nicht nur als Partner für Informationsmaterial bereitstand. „Menschen brauchen Rückhalt, sie brauchen einen Kreis, in dem sie auch ohne lange Erklärungen verstanden werden“, meinte Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch bei der Gründungsveranstaltung. Weitere Unterstützung kommt vom Selbsthilfe- und Freiwilligenzentrum (SFZ) im Kreis Heinsberg. Deren Vertreterin Hannelore Vie-höver-Braun freute sich, dass nun auch im Südkreis Heinsberg eine solche Gruppe existiert.

Mehr Informationen zur Gruppe gibt es bei Norma Kuhlmey, Telefon 0177/7748889, oder bei Jaqueline Nafzger-Maassen, Telefon 02451/9127939, und beim SFZ, Hochstraße 24, in Heinsberg, Telefon 02452/156790.

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