Wenn der Frühling Winterschlaf hält

Von: Markus Bienwald
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Blätter vom letzten Jahr, Enten, die im Formationsschwimmen wieder abdrehen und leere Boote auf dem eiskalten Wasser: der Kahnweiher in Gangelt atmet zurzeit noch die Ruhe des ausklingenden Winters. Fotos (6): Markus Bienwald Foto: Markus Bienwald

Gangelt/Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Na, auch Lust auf Eis? Brrr, muss nicht sein. Einen eiskalten Cocktail? Auch nicht. Ein Päuschen auf der Parkbank? Lass mal gut sein. Aber was machen die Menschen, die bei dieser kalendermäßigen Frühlingswitterung davon und damit leben, dass die Freizeit auch draußen verbracht wird?

„Wir haben mehr Glühwein und Heißgetränke verkauft als Bier“, sagt Gastronom Willi Jabusch aus Geilenkirchen im Rückblick auf die Autoschau am Wochenende. Und während er sich ebenso wie Mitarbeiterin Veronique Hallmann in eine Decke einwickelt, um es auf der Terrasse im Herzen von Geilenkirchen aushalten zu können, blickt er zurück auf die vergangenen Jahre: „Wir öffnen eigentlich immer eine Woche vor der Autoschau unsere Terrasse“, so Jabusch, „und meistens ist es so, dass die Menschen schon beim Aufbauen Platz nehmen“. So ein Wetter wie dieses Jahr sei nicht geschäftsfördernd. „Ich hab schon überlegt, ob ich die Markise ausfahre und die Heizstrahler anmache, aber bei dem eisigen Wind weht die so produzierte Wärme gleich weg“, schließt der erfahrene Gastwirt.

Die Hoffnung auf einen schnellen Frühling treibt auch Giovanni Madeo vom Eiscafé „Dolce Vita“ in Birgden um. Er hat seinen Familienbetrieb zwar erst am Samstag geöffnet, dennoch blickt er auf volle Eisbehälter und leere Tische in und vor allem vor seinem Eiscafé. „Heute hoffe ich auf den Nachmittag“, sagt er. „Normalerweise, wenn es ein harter Winter war, muss ein guter Sommer kommen“, gibt der Eisspezialist aus Italien an. Und dabei hat er über den Winter viel Arbeit in den Eissalon und seinen mobilen Verkaufswagen gesteckt.

Viel zu tun gibt es derzeit auch für die Mitarbeiter des Technischen Betriebshofes von Übach-Palenberg. Sie haben ein „Frühlingserwachen“ der besonderen Art. „Mit dem Grünschnitt sind wir gerade fertig“, sagt Leiter Gottfried Mannheims. Da wird also schon mal ein Haken drangemacht. Aber es gibt noch andere Felder, die bestellt sein müssen, wenn die Menschen vor die Tür treten. „Wir haben aktuell über 200 gemeldete lose Gehwegplatten“, berichtet er, und auch Schlaglöcher seien nach diesem kalten frostreichen Winter nicht weniger geworden. Bei „seinen“ Gärtnern im Team ist natürlich – auch ungeachtet der Temperaturen – schon Frühling. Da wird gemacht, was derzeit bei dieser Witterung schon zu machen ist.

Zurück in Gangelt fällt nicht nur der Blick auf einen derzeit noch von Menschen unbehelligten Kahnweiher. Ein paar Enten nähern sich im Formationsschwimmen. Aber statt Brotkrumen schwimmen auch nur Blätter vom vergangenen Jahr im Wasser.

Sonne macht die Leute glücklich

Ein paar Passanten bekunden am Infocenter tatsächlich Interesse an einer Runde Minigolf. Immerhin. Möglich wäre es, geben die Mitarbeiter zurück, doch bei den Temperaturen überlegen es sich die Passanten dann doch anders und drehen lieber einen eiskalten Kilometer rund um den Weiher.

Wo sind denn nun die Frühlingsboten hin? Michael Stahl, Gärtner aus Geilenkirchen, musste in diesem Jahr bisher auf eine Frühlingssaison verzichten. „Die Sonne macht die Leute glücklich, nicht der Schnee“, sagt er. Wie seine Berufskollegen blieb er größtenteils auf seiner Saisonware „sitzen“, die wetterbedingt, aber auch wegen eines sehr lichtarmen ersten Jahresquartals nicht verkauft wurde. „Ich gehe davon aus, dass die meisten Gärtner 30 bis 50 Prozent weniger Umsatz gemacht haben“, rechnet er hoch.

Ein Problem, das noch größer wird: Denn die Pflanzen stehen noch da, die kommenden Saisonpflanzen sind schon bereit, können aber nicht verarbeitet werden, weil die Frühjahrsware noch steht. Am Gangelter Freibad wird zumindest schon gearbeitet, damit alles fertig ist, wenn Ende April hier die ersten Schwimmer an den Start gehen. Und der Frühling lässt auch im Wartezimmer von Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Stephan Imm aus Geilenkirchen auf sich warten.

„Derzeit – das ist aber nur meine subjektive Wahrnehmung – werden die Allergiker noch relativ von Pollen verschont“, so der Facharzt. Doch in der einen Woche, die schon einen Hauch von Frühling auch zu uns getragen habe, sei es gleich zu einem Anstieg von Beschwerden bei Patienten gekommen, die ihre Probleme mit Erle und Haselnuss haben.

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