Wenn der „Fahrrad-Mann” wichtiger ist als der Frisör

Von: Danielle Schippers
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Annette Birschel, Buchautorin
Annette Birschel, Buchautorin und Journalistin, hat ihre Erfahrungen mit den Niederländern in ihrem heiteren Buch „Mordsgouda” verarbeitet. Seit über zehn Jahren lebt sie in Amsterdam. Foto: Danielle Schippers

Geilenkirchen. Gerade hier im Grenzgebiet fallen die teils sonderbaren - kleinen aber feinen - Unterschiede zwischen dem hiesigen und dem Alltag der Niederländer auf. Annette Birschel, Autorin und freie Journalistin, hat ihre Erfahrungen darüber in ihrem heiteren Buch „Mordsgouda” verarbeitet.

Seit mehr als zehn Jahren lebt die gebürtige Bremerin in Amsterdam. „Wegen der Liebe” zog sie in die Niederlande und vergleicht seitdem humorvoll Mentalität und Gepflogenheiten der beiden benachbarten Länder. Schmecken die berühmten Bitterballen wirklich bitter? Warum mögen Holländer keine Gardinen? Trägt Prinz Willem-Alexander auch Unterhosen aus dem Hema-Kaufhaus?

Während ihrer gutbesuchten Lesung in der Buchhandlung Fürkötter durfte das Publikum gerne Fragen stellen und diskutieren, der Abend gestaltete sich recht gesellig. So muss es nämlich auch bei den Holländern immer sein.

„Hier an der Grenze ist es etwas ganz Besonderes, aus dem Buch zu lesen. Viele Zuhörer haben selber in Holland gelebt oder haben Freunde und Verwandte dort. Hier muss ich die niederländischen Begriffe nicht erst erklären, und die Leute verstehen die Witze ganz anders”, resümierte Annette Birschel nach der Lesung. Tatsächlich ergaben sich lebhafte Diskussionen, zum Beispiel über die Bedeutung des Ehrenamts und die bessere Integration von Menschen mit Behinderung. Die Gäste mit niederländischen Wurzeln erkannten sich im Lauf des Abends in den Kapiteln wieder.

In dem witzigen Buch geht es auch um die grenzüberschreitende Liebe. Darum, warum in Amsterdam der „Fahrrad-Mann” der beste Freund ist und um viele andere alltägliche Unterscheide zum deutschen Leben, beobachtet vor der Autorin während ihrer Zeit unter Niederländern. „In Holland ist ein guter ,Fahrrad-Mann weitaus wichtiger als jeder Frisör.”

Mit feinem Charme und Sprachwitz spielt Annette Birschel in „Mordsgouda” mit Klischees und Vorurteilen über Holländer, aber auch über Deutsche, ohne wertend oder beleidigend zu werden. „Was ich aus Deutschland wirklich vermisse, ist der gute Service in den Geschäften”, ist Annette Birschels überraschende Antwort auf die Frage nach Heimweh. „Deutsche denken immer, sie leben in einer Service-Wüste, dabei lieben uns die Holländer gerade wegen unserer Freundlichkeit.” Die Gäste des Abends wissen jetzt auch, dass Niederländer keine Kreislaufbeschwerden kennen, dafür aber häufiger „überspannt” sind als Deutsche. Lachen kann über die Geschichten in dem heiteren Buch jeder, der auch nur ein bisschen mit Holland oder den Bewohner zu tun hat.

Annette Birschel liebt ihre Wahlheimat trotz einigen skurrilen Gewohnheiten dort. Sie hat sogar die steifen Geburtstagsfeiern, die nach festen Regeln zelebriert werden, schätzen gelernt. „Die glauben da nie, dass es auf Partys etwas zu Essen gibt.” Und sie verrät zu ihrem Buch: „Das Ende wird vor allem den Frauen gefallen.”
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