Wenn Angst übermächtig wird: 40.000 Betroffene im Kreis Heinsberg

Von: Udo Stüßer
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Mit 16,2 Prozent nehmen die Angststörungen unter den psychiatrischen Erkrankungen einen Spitzenplatz ein. Im Kreis Heinsberg wären das statistisch gesehen 40 000 Bürger. Foto: stock/westend 61

Gangelt. „Hier gibt es jetzt viel Luft, viel Licht. Und auch das Umfeld in Gangelt ist schön. Hier kann man gesund werden“, stellt Dr. Michael Plum fest. Der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Katharina Kasper ViaNobis GmbH, weiß aber auch: „Die psychisch kranken Menschen hatten es in diesem Jahr nicht gut.“

In den vergangenen eineinhalb Jahren nämlich wurde die Gangelter Fachklinik saniert und modernisiert. Brandschutz, technische Ausstattung und energetischer Zustand wurden auf den neuesten Stand gebracht, die Zimmer wurden hell und freundlich gestaltet, alle Stationen erhielten Sonnendecks. Die Sanierung der insgesamt 4000 Quadratmeter großen Fläche hat 5,5 Millionen Euro gekostet. „Unsere Klinik stammt aus den 70er-Jahren. Die letzte große Sanierung wurde vor zwölf Jahren vorgenommen“, berichtet Kaufmännischer Direktor Martin Fuchs. Jetzt habe man die Bettenzahl auf zwei bis drei pro Zimmer senken können, in der Gerontopsychiatrie seien neue Laufwege geschaffen worden.

„Die psychischen Erkrankungen nehmen immer weiter zu“, erklärt Chefarzt Michael Plum und nennt Stress und fehlende Haltesysteme, wie beispielweise Unterstützung durch die Familie, als Ursache. Alarmierend sind auch die Zahlen, die Plum bei der Gelegenheit nennt: Laut einer Studie des Robert Koch Institutes seien in jedem Jahr 33,3 Prozent der Bevölkerung von mindestens einer psychischen Störung betroffen.

Mit 16,2 Prozent nähmen die Angststörungen den Spitzenplatz ein. Statistisch betrachtet würden über 40.000 Bürger des Kreises Heinsberg unter dieser Erkrankung leiden. Auf dem zweiten Platz folge die Alkoholstörung mit 11,2 Prozent, entsprechend fast 30 000 Bürgern im Kreis Heinsberg. „Schon auf dem dritten Platz folgt die Depression mit 8,2 Prozent, das sind im Kreis Heinsberg 21.000 Bürger.“

„Wir operieren mit Worten“: Unter dieser Überschrift behandelt die ViaNobis Fachklinik die Menschen im Kreis Heinsberg, die am schwersten psychisch erkrankt sind. 133 Betten stehen auf acht Stationen in der Gangelter Fachklinik zur Verfügung.

1600 Patienten werden an insgesamt 46.720 Pflegetagen stationär behandelt. Eine teilstationäre Pflege erfolgt in den Tageskliniken in Heinsberg, Erkelenz und Gangelt mit jeweils 15 und 20 Plätzen. 13.500 Pflegetage in diesen Einrichtungen entsprechen etwa 430 Patienten im Jahr. Hinzu kommt noch die ambulante Behandlung von 3300 Patienten in der psychiatrischen Institutsambulanz.

Der Bedarf an psychiatrischen Versorgungsplätzen wird immer größer, viele Patienten müssen abgewiesen werden und stehen auf einer Warteliste. „Unsere Einrichtung wurde jetzt um 15 stationäre Plätze und zehn Plätze in der Tagesklinik erweitert. Das ist zwar ein positives Signal, löst aber das Problem nicht“, sagt Martin Minten, Geschäftsführer der Katharia Kasper ViaNobis GmbH.

Künftig strebt die Leitung von ViaNobis eine engere Zusammenarbeit der Fachklinik und der Eingliederungshilfe an. Politisch gewollt, so betont Minten, sei auch eine stärkere dezentrale Unterbringung von körperlich, geistig und psychisch behinderten Menschen. 120 von ViaNobis betreuten Bewohnern leben laut Minten in den Wohnstätten Hückelhoven, Geilenkirchen und Erkelenz.

Im ganzen Kreis Heinsberg, besonders in Hückelhoven, Geilenkirchen und Übach-Palenberg, sucht ViaNobis weitere Grundstücke. Denn: „Von den 280 Bewohnern in der Eingliederungshilfe in Gangelt sollen in den nächsten vier Jahren 150 dezentral untergebracht werden. „Wir müssen die Menschen mit Behinderung zu einem selbstständigen Leben bringen“, sagt Martin Fuchs.

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