Geilenkirchen-Beeck - Was passiert im Brandfall, wenn die Schranke unten ist?

Was passiert im Brandfall, wenn die Schranke unten ist?

Von: Jan Mönch
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Die Linderner Bahnübergänge sind für den örtlichen Verkehr ohnehin nicht ganz unproblematisch. Geht von ihnen eine konkrete Gefahr aus, wenn es um den Brandschutz geht? Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen-Beeck. Spricht man dieser Tage Vertreter des Geilenkirchener Rates auf die Löscheinheit Beeck an, dann bekommt man mit ziemlich großer Zuverlässigkeit zwei Sätze zu hören. Der erste lautet: Wir haben noch keine Entscheidung gefällt. Und der zweite: Wir nehmen das Thema ernst.

Und zwar so ernst, dass hinter den Kulissen ein Gespräch nach dem anderen geführt wird. Wie in den vergangenen Wochen mehrfach berichtet, soll die Einheit geschlossen werden, aus Kostengründen.

Nur noch auf dem Papier

Mittlerweile deutet einiges darauf hin, dass das heikle Thema sich gar nicht primär an Beeck entscheiden könnte – sondern an Lindern. Lindern verfügt über keine eigene Löscheinheit, ist aber laut Brandschutzbedarfsplan ab dem Zeitpunkt der Alarmierung sowohl von Würm als auch von Beeck aus innerhalb von acht Minuten zu erreichen.

Mit einem feinen Unterschied: Von Beeck aus gibt es, wenn die Feuerwehr über die Felder in Richtung Kreisstraße fährt, kein nennenswertes Hindernis zu bewältigen. Von Würm aus hingegen müssen zwei Bahnübergänge gekreuzt werden.

Jeder, der schon einmal mit dem Auto im Geilenkirchener Raum unterwegs war, ahnt, welcher Gedanke sich nun aufdrängt: Was passiert, wenn die Schranke gerade unten ist? Die Frage stellt sich auch ganz aktuell schon, denn die Beecker Löscheinheit hat kein Fahrzeug mehr, existiert also, was ihre Relevanz für Einsätze betrifft, nur noch auf dem Papier.

Stadtbrandmeister Michael Meyer sieht das Problem nicht. Eigentlich solle die Feuerwehr ohnehin die Wirtschaftswege nicht nutzen. Tue sie es doch, dann erreiche Würm Lindern ebenso wie Beeck – ohne Bahnübergänge queren zu müssen.

Anfang dieser Woche erst waren Max Weiler und Christoph Grundmann, die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, zu einem gemeinsamen Gespräch bei Vertretern der Löscheinheit. Grundmann hat seinen Wahlkreis in Lindern, deshalb kennt er sich am östlichen Ende des Stadtgebietes gut aus. Ihm liegt es fern, Panik zu verbreiten.

Jedoch nimmt er den Aspekt mit den Bahnübergängen so ernst, dass er eine eindeutige Klärung von der Stadtverwaltung erwartet. Denn erstens sei die Verkehrsregelung an dem „großen“ Übergang gleich am Bahnhof schon für den Autoverkehr nicht unproblematisch. Und was den „kleinen“ Übergang etwas weiter westlich betrifft, wo die Züge nach Heinsberg entlangfahren, sei es in der Vergangenheit zu Defekten gekommen.

Nicht gründlich gelesen?

Dass aus Verwaltungskreisen bisweilen gereizt auf das Thema reagiert wird, ist in gewisser Weise nachvollziehbar. Es hat damit zu tun, dass der Brandschutzbedarfsplan eigentlich längst beschlossene Sache ist. Inklusive der Schließung der Löscheinheit Beeck. Der Punkt steht zwar nicht unbedingt da, wo man ihn vermuten würde, sondern unter dem Abschnitt „Feuerwehrfahrzeuge“.

Dafür aber lässt er an Klarheit eigentlich wenig zu wünschen übrig. Es sei eine „Fusion der personalschwachen Löscheinheit Beeck mit der Löscheinheit Würm am Standort Würm anzustreben“, heißt es da. Ein Vertreter der Geilenkirchener Kommunalpolitik gestand jüngst gegenüber unserer Zeitung ein, dass ihm und seinen Parteifreunden dies zum Zeitpunkt der Beschlussfassung „nicht bewusst“ gewesen sei.

Unabhängig davon, wie gründlich der 174-seitige Plan nun von jedem einzelnen gelesen wurde, hätte man auf den Aspekt mit dem Bahnübergang schon von alleine kommen müssen. Denn er wird im Zusammenhang mit Beeck mit keiner Silbe erwähnt. Dafür steht in dem Brandschutzbedarfsplan, dass die bisherigen Fusionen sich positiv auf Schlagkraft, Effektivität und Motivation ausgeübt hätten. Weitere Fusionen seien in Zukunft aber nicht mehr möglich.

Auch Hans-Josef Benend (CDU), Ortsvorsteher von Beeck, hält die Bahnübergänge für äußerst problematisch. „Wenn man Pech hat, steht man da zehn, 15 Minuten“, sagt er. Und überhaupt: „Aus dem Brandschutzbedarfsplan kann ich die Überflüssigkeit unserer Löscheinheit nicht erkennen.“

Er begrüßt es, dass das Thema von den Beteiligten ernst genommen werde, und schließt da ausdrücklich auch das Rathaus ein. „Ich bin froh, dass die Verwaltung sich dem Dialog mit uns stellt“, sagt er. „Die Gespräche haben alle in einer sehr ruhigen und entspannten Atmosphäre stattgefunden, es wurde nüchtern argumentiert.“

Übrigens ist Würm natürlich nicht die einzige Einheit, die Bahngleise passieren muss. Für Süggerath etwa gilt dies ebenso. Bloß ist dies weniger heikel, weil sämtliche Orte auch aus anderer Richtung innerhalb kurzer Zeit erreicht werden können (oder über eine eigene Löscheinheit verfügen).

Dennoch lenkt die aktuelle Diskussion so auch den Blick darauf, welche Probleme es für eine Stadt mit sich bringt, wenn ihre Verkehrsinfrastruktur von Gleisen förmlich durchschnitten wird.

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