Was ein guter Ingenieur über Kaffeetassen weiß

Von: defi
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Gregor Janßen blättert auf der heimischen Terrasse noch gerne in der Fachzeitschrift „Der Eisenbahningenieur“, die über viele Jahre auch von seiner Art zu schreiben geprägt war. Foto: Dettmar Fischer

Geilenkirchen-Gillrath. Wenn ein Ingenieur über eine Kaffeetasse schreibt, muss das nicht zwingend lustig sein. Wenn der Ingenieur dann auch noch ein Eisenbahnbeamter ist, ein Bundesbahn-Direktor sogar, ist die Aussicht auf eine vergnügliche Lektüre eher trübe. Diplom-Ingenieur Gregor Janßen widerspricht aber der Erwartungshaltung. Janßen genießt inzwischen den wohlverdienten Ruhestand.

Im Eigenheim in Gillrath pflegt er den Garten. Er reist gerne mit der Gattin ins schöne Spanien. Die Gattin freut’s, denn bis zur Pensionierung vor acht Jahren und auch noch darüber hinaus gehörten die „gemeinsamen“ Wochenenden der Fachzeitschrift „Der Eisenbahningenieur“.

Zwölfmal im Jahr erscheint dieses Heft in 123 Ländern dieser Erde. Es wird vom Verband Deutscher Eisenbahn-Ingenieure, dessen Bundesvorsitzender Janßen war, herausgegeben und liefert Berichte rund um die Eisenbahn. Vor allem solche, die Ingenieure interessieren, also Technisches zu Gleisanlagen, Brückenbau und Stützwänden entlang der Trasse, füllt die Seiten.

Viele Interviews führte Gregor Janßen mit den Verantwortlichen im Eisenbahnwesen und über die Jahre mit sechs Verkehrsministern. Als Leiter der Infrastrukturabteilung war Gregor Janßen zuletzt in Duisburg tätig. Die Beiträge im „Eisenbahningenieur“ verfasste er stets ehrenamtlich. Sein Einsatz wurde mit der „Goldenen Schiene“ gewürdigt.

Eines Tages vor einigen Jahren kam Gregor Janßen auf die Idee, dem fachlichen Teil des „Eisenbahningenieurs“ ein Editorial hinzuzufügen. Diese kleinen Glossen widmete Gregor Janßen dem beruflichen und gesellschaftlichen Alltag des Eisenbahningenieurs und unter anderem eben auch besagter Kaffeetasse. Janßen traf mit seinem Blick auf die kleinen Besonderheiten im Alltäglichen ins Schwarze. Unter dem schönen Titel „Gregor Janßen – Die gesammelten Worte des Bundesvorsitzenden des VDEI“ sind seine gesammelten Werke in mittlerweile zwei Ausgaben erschienen.

Heft 1 enthält die Editorials der Jahre 1998 bis 2004, Heft 2 die der Jahre 2007 bis 2016. 2016 legte Gregor Janßen den Stift nieder, der Abstand zum Berufsleben war nach der Pensionierung zu groß geworden. Es gab keine Kaffetasse mehr auf dem Büroschreibtisch, und auch die Kekse aus dem Aachener Werksverkauf, die am Arbeitsplatz als kleine Wegzehrung für die Kollegen bereit gehalten und dann auch gerne mal von bestimmten Kollegen gleich tütenweise abgeschleppt wurden, damit man nicht so oft laufen müsste, gehörten der Vergangenheit an.

Das Editorial zur Kaffeetasse jedenfalls ist typisch Gregor Janßen. Er beobachtet den Alltag: „Wer Anfang 2016 immer noch aus Tassen mit Diddl-Mäusen oder Ottifanten trinkt, der ist offenbar den 1980er Jahren verfallen und auch das ein oder andere Bekenntnis wie ‚Genie bei der Arbeit‘, ‚Cheftasse‘ oder ähnliches befremdet Kolleginnen und Kollegen sehr.“ Und für ein paar gute Ratschläge waren seine Editorials auch immer gut. So riet er einmal, Ziele positiv zu formulieren. Nicht „Ich will mich nicht länger überarbeiten“ laute die Erfolgsformel, sondern: „Arbeiten, die mich von meinem Konzept abhalten, lehne ich ab.“

Auch über den eigenen Berufsstand machte sich Janßen Gedanken. „Der Optimist sagt: Das Glas ist halb voll. Der Pessimist: Das Glas ist halb leer. Und der Ingenieur sagt: Das Glas ist doppelt so groß wie nötig.“ Gregor Janßen ist jetzt 72 Jahre alt und pflegt im Ruhestand nicht nur seinen Garten, sondern auch seinen unaufdringlichen Humor.

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