Wann kamen die Ritter nach Frelenberg?

Von: Markus Bienwald
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Der Frelenberger Heimatforscher Herbert Simons hat Beweise gefunden, dass die „Weiße Kirche“, das Wahrzeichen von Frelenberg, einen noch älteren Vorgänger haben muss. Foto: Markus Bienwald
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Ein Foto aus der Zeit der Restaurierung im Jahr 1967 zeigt die Kirche ohne Dach: Hier sind wiederverwendete Steine erkennbar. Foto: Archiv Herbert Simons

Übach-Palenberg. Für den Frelenberger Heimatforscher Herbert Simons ist es eine Sensation: „Die alte Frelenberger Pfarrkirche ist auf Fundamenten einer Vorgängerkirche erbaut worden“, sagt er. Und zum Beweis holt er Akten heraus, die nach seinen Worten bislang noch nirgendwo wirkliche Beachtung gefunden haben.

„Archäologische Ausgrabungen und Funde von Februar bis April 1962 in der alten Pfarrkirche von Frelenberg bestätigen eine Vorgängerkirche“, so Simons. Diese sei frühestens im neunten Jahrhundert erbaut worden, ist er sich sicher.

Bislang konnte man davon ausgehen, dass der Bau der Kirche auf die Zeit um 1400 datiert werden kann. Und der Ort Frelenberg kann noch älter sein, als gedacht. „Die erste erhaltene schriftliche Nachricht ist eine Urkunde von 1217“, legt Simons dar, „diese Urkunde zeigt auch, dass der Ort Frelenberg wesentlich älter sein muss, auch wenn unklar bleibt, seit wann die Ritter von Frelenberg am Ort ansässig waren“.

Für ihn macht die Anwesenheit eines Adelsgeschlechts eine Kapelle oder Kirche wahrscheinlich. Und da das Wurmtal mit der „Via Belgica“ schon in römischer Zeit bewohnt war, was beispielsweise das bei Ausgrabungen gefundene römische Badehaus im heutigen Naherholungsgebiet beweist, mutmaßt Simons, dass der Ort viel älter sein könne, als bisher angenommen.

Dazu trägt natürlich auch der Fund einer Vorgängerkirche bei. „Bei intensiven Recherchen wurde ich in Bonn beim Landesamt für Denkmalpflege fündig, obwohl über Ergebnisse archäologischer Ausgrabungen in Frelenberg nie berichtet worden ist“, sagt er. Sicher ist, dass eine archäologische Ausgrabung und Untersuchung in der alten Pfarrkirche stattgefunden hat.

So begann nach der Einweihung der neuen Pfarrkirche 1960 an der Ägidiusstraße der damalige Pfarrer Jäger aus eigenem Interesse mit Ausgrabungen in der alten Pfarrkirche. „Hierbei hat er vieles zerstört, was später archäologisch nicht mehr untersucht werden konnte“, bedauert Simons. Erst 1962 informierte der damalige Dombaumeister von Aachen, Felix Kreusch, das Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn über die Grabungsversuche des Pfarrers.

Die Archäologen wurden dann sofort tätig, um größeren Schaden zu verhindern. Am 8. Februar 1962 begann ein Team unter der Leitung von Prof. Dr. Hugo Borger und dem örtlichen Leiter Dr. do Paco umfangreiche Ausgrabungen in der alten Pfarrkirche. „Die Archäologen fanden mehrere Gruben mit so genannten ‚Grablegen‘ mit zum Teil gut erhaltenen Skeletten“, berichtet Simons. Die von den Archäologen gefundenen Holzfaserreste der Grablegen deuten eindeutig auf Holzsargbestattungen ohne weitere Grabbeigaben hin, was bei einer christlichen Bestattung auch nicht üblich war.

Des Weiteren wurden die Reste eines römischen Steinsargdeckels aus Liedberger Sandstein und einer Bodenplatte aus dem gleichen Material sichergestellt. „Dieser Sandstein wurde bereits von den Römern als Baumaterial genutzt“, sagt Simons.

Auch Scherben aus Pingsdorfer Fertigung wurden sichergestellt: dieses spezielle Tonmaterial wurde vom neunten bis elften Jahrhundert zur Fertigung von Gegenständen genutzt und auch der Zeit entsprechend dekoriert. „Sie sind daher gut zu datieren“, erklärt der Heimatforscher. Was heute bei genauerer Betrachtung des im Volksmund gerne „Weiße Kirche“ genannten Sakralbaus gut zu erkennen ist, sind die unterschiedlichen Steine, die zum Bau verwendet wurden.

Und das deckt sich auch mit den Ausgrabungsergebnissen, wie Simons ergänzt. „Die freigelegten Außenfundamente der Vorgängerkirche ergaben einen Grundriss von etwa neun mal acht Metern“, ein früher ganz üblicher Grundriss für Kirchen. Sicher ist, dass die Fundamentsteine aus unterschiedlichen Materialien sind, die ohne sichtbare Vermauerung in den Boden eingebracht waren. „Das Fundament der Südseite war außerdem mit reichlich römischem Altmaterial und römischem Mauermörtel verfüllt“, berichtet er.

Das Ganze bleibt für die Ortsgeschichte von Frelenberg von großer Tragweite. „Denn die sichergestellten Funde in der Frelenberger Kirche deuten auf eine steinerne Vorgängerkirche, frühestens aus dem neunten Jahrhundert hin“, erläutert Simons. Wie die Vorgängerkirche nun ausgesehen hat, weiß natürlich niemand, aber Simons gibt aufgrund seiner Recherchen eindeutige Hinweise. „Die aus Stein gemauerte Vorgängerkirche dürfte wohl als einfacher Saalbau ohne Chor und Turm aus dem neunten bis elften Jahrhundert stammen“, erklärt er. Sie war aller Wahrscheinlichkeit nach zugleich Pfarrkirche für Frelenberg.

Kein Abschlussbericht

Beim Bau der bis heute bekannten Kirche um 1400 sind viele Steine in Zweit- oder in Mehrfachverwendung genutzt worden, wie man heute noch sehen kann. Die Gräber im Kircheninneren datieren allerdings aus der Zeit zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert. Warum bislang niemand auf diese für Frelenberg historische Entdeckung aufmerksam geworden ist, bleibt für Herbert Simons ein Rätsel. „Leider ist von den Archäologen kein Abschlussbericht in der einschlägigen Fachliteratur oder Presse veröffentlicht worden“, sagt er. Auch beim Bistum liegt kein Abschlussbericht vor.

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