Geilenkirchen - Wanderausstellung: Reformation „keine alte Kiste“

Wanderausstellung: Reformation „keine alte Kiste“

Von: Annika Wunsch
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Umringt von den Pappaufstellern von Argula von Grumbach, Ilse Härter und der Theologin Dorothee Sölle eröffnet Claudia Eliass die Ausstellung über die Rolle der Frauen in der Reformation. Foto: Annika Wunsch

Geilenkirchen. „Ich habe euch kein Frauengeschwätz geschrieben, sondern das Wort Gottes als ein Glied der evangelischen Kirche.“ So endet der Brief der adeligen Argula von Grumbach, geschrieben 1523 zur Verteidigung eines Studenten, der wegen Verbreitung von Martin Luthers Ideen von der Universität ins Kloster verbannt wurde.

Von Grumbach war nur eine von vielen Frauen, die von den Ideen der Reformation ermutigt wurde, die evangelische Kirche voranzubringen, ob als als Pfarrfrauen, Liedermacherinnen, Predigerinnen, Theologinnen oder Fürstinnen. Doch heute sind die meisten von ihnen völlig unbekannt. Die Wanderausstellung „Reformatorinnen. Seit 1517“ der evangelischen Kirche im Rheinland, derzeit zu sehen in der evangelischen Kirche Geilenkirchen-Hünshoven, versucht einige der vergessenen oder noch nie beachteten Geschichten dieser Frauen wieder ans Licht zu bringen.

Mehr als nur Martin Luther

Gleich mit zwei Irrtümern über das Thema Reformation wollte die promovierte Theologin Claudia Eliass bei der Eröffnung der Ausstellung aufräumen: Erstens sei die Reformation keine „One-Man-Show“ Martin Luthers gewesen. Und zweitens sei „Reformation nicht nur die alte Kiste im 16. Jahrhundert, sondern geht bis heute“.

Argula von Grumbach ist zum geheimen Liebling der promovierten Theologin Eliass geworden. Eliass bezeichnete sie als „intellektuelle Streiterin“. Die Adelige aus Bayern wurde von Luthers Ideen begeistert und begann, die Bibel zu studieren. Von diesem Wissen machte sie in ihrem Brief an die Gelehrten der Universität zu Ingolstadt Gebrauch und argumentierte selbstbewusst auf Basis der Bibel.

So wie es bei von Grumbach gewesen sei, so hätten Luthers Ideen vielen Frauen religiöses und auch soziales Selbstbewusstsein verschafft, referierte Eliass. Zum einen wurden sie durch die Abschaffung der Priesterweihe im Protestantismus in der Theorie zu gleichwertigen Glaubensmitgliedern. Zum anderen habe Luthers Prinzip „sol scriptura“, das dem Glauben allein die Bibel zugrunde liege, und seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche allen Gläubigen ermöglicht, sich selbst mit den Grundsätzen des christlichen Glaubens zu beschäftigen.

Genau dort liege der Zusammenhang von Reformation und Bildung. Auch Mädchen wurde es möglich, Lesen und Schreiben zu lernen. Es beschränkte sich zunächst allerdings nur auf eine Grundbildung, und die völlige Gleichberechtigung der Geschlechter in der Kirche blieb nur Theorie.

Nicht nur Frauen aus Luthers Zeit stehen im Zentrum der Ausstellung, sondern auch moderne „Reformatorinnen“. Eine dieser Frauen war Ilse Härter. Sie war schon zur Zeit des Nationalsozialismus für eine Kirche auf Basis christlicher biblischer Werte aktiv und kämpfte für kirchliche Ämter für beide Geschlechter.

Geschichte geht weiter

Die Geschichte der Reformatorinnen „geht weiter in die Zukunft“, so Eliass. Immer noch seien viel weniger Frauen in den Leitungsämtern der evangelischen Kirche vertreten. Sie behauptet: „Frauen haben die Kirche getragen und bewegt und bewegen und tragen sie bis heute.“ Eine These, die die Pfarrerin Tanja Bodewig aus Geilenkirchen unterstützen kann: Etwa 90 Prozent der Ehrenamtler, die sich in ihrer Gemeinde engagierten, seien Frauen.

Die Ausstellung zeigt neben den Informationstexten auf den Roll-Ups auch lebensgroße Aufsteller der Frauen im Altarraum. Sie führen den Besuchern vor Augen, dass sich hinter den Namen einst lebendige Menschen befanden. Um mehr Authentizität zu bekommen, liegen MP3-Player sowie Kopfhörer bereit.

Noch bis zum 22. Juni ist die Wanderausstellung „Reformatorinnen. Seit 1517“ werktags von zehn bis sechzehn Uhr in der evangelischen Kirche Geilenkirchen-Hünshoven zu sehen und zu hören, bevor sie zu einem neuen Standort weiterwandert.

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