Geilenkirchen-Waurichen - „Walderych 27“: Nur der Name ist passiv

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„Walderych 27“: Nur der Name ist passiv

Von: Jan Mönch
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Ist stolz auf sein Passivhaus: Bauleiter Markus Kandziora vom Unternehmen Rongen Architekten.
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Verfügt über Eisspeicher und Wärmetauscher: Die Wohnanlage Walderych 27 in Waurichen. Fotos (2): Jan Mönch Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen-Waurichen. Viel erinnert nicht mehr an den alten Hof. Und aus Sicht von Markus Kandziora ist das auch nicht tragisch. „Die alte Bausubstanz war nicht mehr erhaltenswert“, sagt er. Nur einige Stücke Mauer ließ man stehen und integrierte sie in den neuen Reitstall, sie sind so ziemlich das einzige an der Wohnanlage „Walderych 27“ im Geilenkirchener Ortsteil Waurichen, das nicht auf einem sehr aktuellen Stand der Technik ist.

Bei der Wohnanlage handelt es sich um ein Passivhaus, also um ein Gebäude, das keine eigene Heizung benötigt – jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne. Passivhäuser sind keine ganz neue Idee, jedoch eine, die immer beliebter und von der Architektenzunft immer weiter verbessert wird.

Kandziora: „Je mehr die Energiekosten steigen, desto interessanter werden Passivhäuser für Investoren.“ Zu diesem Schluss kamen offenbar auch die Besitzer der einstigen Hofanlage. Für eine Erfindung, die das Wort „passiv“ im Namen fürt, ist das Ergebnis höchst aktiv.

Interessant – dem Objekt, das das Wassenberger Büro Rongen Architekten in Waurichen gebaut hat, ist dieses Prädikat sozusagen von offizieller Stelle verliehen worden. Denn die Architektenkammer NRW wählte „Walderych 27“ – der Name ist zugleich die Adresse – für den Ende Juni stattfindenden Tag der Architektur aus. Dann kann es besichtigt werden – als eines von 418 Objekten in NRW, aber als einziges im Bereich Geilenkirchen, Übach-Palenberg und Gangelt.

Der Pferdestall wird auch jetzt noch als Pferdestall verwendet. Doch „Walderych 27“ wurde natürlich vor allem für menschliche Bewohner gebaut. Es verfügt über drei Maisonette- und zwei Penthouse-Wohnungen mit einer Größe von 75 bis 184 Quadratmeter. Sie sind alle längt bezogen. Die Bewohner wissen, dass ihre vier Wände etwas Besonderes sind.

Denn schon vor dem Tag der Architektur kommt es immer wieder vor, dass Führungen über die Anlage stattfinden. Zuletzt im Rahmen der Aachener Passivhaus-Tagung. Wesentlich für das Passivhaus sind beispielsweise Wärmetauscher und Eisspeicher. Ersterer leitet die verbrauchte Luft nach draußen und sorgt dafür, dass dessen Wärme auf die Frischluft übertragen wird. Laut Bauleiter Kandziora gelingt dies mit einer Effizienz von 85 Prozent. Man kann also lüften, ohne das Fenster zu öffnen.

Der Eisspeicher hingegen liegt unter der Grünfläche hinter Haus und Pferdestall. Dem Wasser wird Wärme entzogen, die zum Heizen des Hauses genutzt wird. Im Sommer kann der irgendwann entstandene Eisklotz zum Kühlen des Hauses genutzt werden.

Auch setzt das Gefrieren und Auftauen Energie frei. Anlagen wie diese kosten natürlich eine Stange Geld, werden jedoch vom Land großzügig gefördert. „Auch ohne Förderung hätten die Mehrkosten sich nach fünf bis zehn Jahren amortisiert“, weiß Kandziora. Auch eine Grauwasseranlage gibt es. Das ist ein großer Tank am Rande der Tiefgarage, in die Abwasser aus Waschbecken und Dusche geleitet wird. „Das Wasser wird durch die Anlage so gut aufbereitet, dass man es in Spanien als Trinkwasser verwenden dürfte“, so Kandziora.

Wobei nicht ganz klar wird, ob dies ein Argument für die Sauberkeit des Wassers ist oder gegen südeuropäische Trinkwasserrichtlinien. Für die Klospülung und Waschmaschine jedenfalls sollte es gut genug sein – und da geht es vor dem endgültigen Gang in die Kananisation hin.

Walderych 27 ist auch auf Zukunftsthemen vorbereitet. Zum Beispiel auf Elektroautos. Die notwendige Technik ist zwar noch nicht eingebaut, doch sollte Bedarf auftreten, kann leicht aufgerüstet werden: Über die Photovoltaikanlage auf dem Dach werden die Autos in der Tiefgarage aufgeladen.

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