Geilenkirchen - Vortrag im St. Ursula: Wie sinnvoll ist Leistungsdruck?

Vortrag im St. Ursula: Wie sinnvoll ist Leistungsdruck?

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Geilenkirchen. „Leistung ohne Druck!? – Im Spagat zwischen Fordern und Fördern“: Zu diesem Thema referierte der Kölner Lehrer und Autor Michael Felten vor über 100 Eltern und Lehrern im Rahmen einer pädagogischen Vortragsreihe des Ursula-Gymnasiums.

Immer häufiger sind Kinder angeblich von Angst- und Erschöpfungszuständen betroffen – weil die Belastung durch Schule stark zugenommen habe. Andererseits wirken viele Jugendliche durch Schule offensichtlich nicht ausgelastet, schöpfen ihre Potenziale erkennbar nicht aus. Eltern wie Lehrer schwanken deshalb nicht selten zwischen Härte und Vernachlässigung. Worin unterscheiden sich sinnvoller und ungesunder Leistungsdruck? Lassen sich Erziehung und Bildung unserer Kinder so gestalten, dass sie glücklich und erfolgreich sind? Wie könnte eine Lernkultur in Schule und Familie aussehen, die das einzelne Kind nachhaltig stärkt, bildet und sozialisiert?

Felten nahm sich zunächst die Eltern vor. Sie würden oft unterschätzen, wie wichtig es für die Lernentwicklung auch älterer Kinder sei, dass sie sich in der Familie aufgehoben fühlten und dass sich Mutter und Vater für ihren Beruf – das schulische Lernen – ernsthaft interessierten. Eine besondere Schwierigkeit sei heutzutage, dass Eltern ihren Kindern den Weg ins Leben möglichst leicht und angenehm gestalten wollten.

Wer als Kind aber nicht schon früh ganz selbstverständlich an der Hausarbeit beteiligt werde, entwickle zu rosige Erwartungen ans Leben. Und wem die Eltern bei Klagen über Anstrengungen oder Enttäuschungen in der Schule allzu schnell recht gäben, der entwickle eben auch wenig Belastbarkeit. Den Lehrern präsentierte Felten eine erleichternde Nachricht. Er erläuterte die XXL-Metastudie des australischen Lernforschers John Hattie, die die immense Bedeutung des Lehrerhandelns für den Lernerfolg von Schülern unterstreicht.

Nicht auf Schulprogramme oder Strukturreformen, sondern auf die Lehrer komme es demnach an – so die Botschaft aus der Forschung, so auch der Titel eines Buches des Referenten. Ein guter Lehrer – so Felten – zeichne sich weder durch ständiges Methodenfeuerwerk noch durch ausufernde Selbstlernphasen aus. Vielmehr wirke Unterricht umso lernwirksamer, je präziser das Vorwissen der Schüler aktiviert, je sorgsamer die Aufgaben ausgewählt, je ermutigender auf Lernprobleme eingegangen, je souveräner auf Störungen reagiert werde.

Das Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern sei ja nicht immer ungetrübt: Beide Seiten hätten mit demselben Kind zu tun, säßen aber nicht im gleichen Boot, hätten andere Aufgaben. Dem Wohl des Kindes sei am ehesten gedient, wenn jede Seite versuche, ihren „Job“ möglichst gut zu machen – und der anderen Seite mit viel Wertschätzung und Interesse zu begegnen. Elterngespräche könnten für Lehrer einerseits eine Fundgrube sein, ihre Schüler besser zu verstehen, andererseits böten sie eine Gelegenheit, die Eltern als emotionale Mitspieler im Reifungsprozess des Kindes zu gewinnen.

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