Vorschläge für Burg Trips: Vom Feinschmecker-Restaurant bis zum Hostel

Von: Udo stüßer
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Die Geilenkirchener lieben ihre Burg Trips. In idyllischer Lage ist die Burg aus dem 14. Jahrhundert Ziel vieler Spaziergänger. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Soll in Burg Trips ein Feinschmecker-Restaurant eingerichtet werden? Mit Gästezimmern der gehobenen Klasse? Oder soll hinter den altehrwürdigen Mauern ein Hostel für junge Menschen mit schmalem Geldbeutel entstehen? Ausstellungen, Weinverkostungen, Lesungen, Kammerkonzerte und Trauungen sind weitere Vorschläge für die Nutzung der Hauptburg.

Um eines vorwegzunehmen: Ein tragfähiges Nutzungskonzept für Burg Trips gibt es auch nach dem interdisziplinären Studentenworkshop des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz in Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland nicht. Doch der Familie Davids als Eigentümerin der Burg dienen die Vorschläge als Grundlage bei der Suche nach einem zukunftsfähigen Konzept.

Eine Woche lang haben 20 Studenten der Fachrichtungen Kunstgeschichte, Archäologie, Bauingenieurwesen, Architektur, Restaurierung und Konservierung auf der Burg verbracht, um deren Baugeschichte zu analysieren und Konzepte für die zukünftige Nutzung zu entwickeln. Geleitet wurde dieser Workshop von Kunst- und Bauhistorikern der Universität Köln und Denkmalpflegern des Landschaftsverbandes.

Das Ergebnis liegt jetzt in Form einer 95 Seiten starken Dokumentation vor, die im Rathaus der Stadt Geilenkirchen kostenlos erhältlich ist. „In solchen Workshops können wir dem Nachwuchs die Chance geben, am lebenden Objekt zu zeigen, was Denkmalpflege bedeutet. Burg Trips ist dafür ein hervorragendes Objekt“, erklärte Dr. Andrea Pufke, Landeskonservatorin beim Landschaftsverband Rheinland.

Bürgermeister Thomas Fiedler lobte nicht nur den Workshop, sondern auch die eindrucksvolle Publikation mit vielen Bildern und Grafiken: Wir sind eine Region der Burgen und Herrensitze und ständig bemüht, unsere touristischen Asse auszuspielen. Dabei fragen wir auch nach unseren Wurzeln. Das Interesse an Historischem ist groß.“

Franz Davids, Inhaber der Burg, hat noch keine Vision zur Nutzung der Hauptburg. Da die Franziskusheim gGmbH Vorburg I als Altenheim nutzt und in Vorburg II 20 Seniorenwohnungen entstanden sind, schließt Davids eine Diskothek kategorisch aus. Derweil macht sein Sohn Willy Davids deutlich, mit welchen Problemen eine Nutzung verbunden ist. „Die Burg liegt am Rande des Landschaftsschutzgebietes, auf der anderen Seite befindet sich der Park. Parkplätze können nicht gebaut werden. Weitere Themen sind Barrierefreiheit und Brandschutz, da müssten viele Institutionen über ihren Schatten springen, denn Barrierefreiheit ist hier nie zu gewährleisten.“

Professor Dr. Norbert Nußbaum vom Kunsthistorischen Institut der Universität Köln lobte den „musealen Charakter der Burg“: „Wie immer man die Burg nutzt, dieser Charakter soll erhalten bleiben.“

Dass die Instandhaltung der Burg nicht nur mit hohen Kosten verbunden ist – Franz Davids investiert hier eigenen Angaben nach Jahr für Jahr 100.000 Euro – sondern auch mit Komplikationen, zeigt Davids am Beispiel eines Zimmers im oberen Stockwerk der Hauptburg. Hier ist Tischlermeister Clemens Grund dabei, die Wände mit historischen Eichenpaneelen zu verkleiden. Die Paneelen aus dem Jahr 1733 stammen aus einem Jülicher Damenstift und wurden von der Familie Davids in einem Antiquariat erworben. In das historische Gemäuer darf allerdings kein Nagel geschlagen werden, und die Paneelen müssen durch Türen zu öffnen sein, so dass dem interessierten Betrachter jederzeit ein Blick auf die historischen Mauern gewährleistet werden kann.

Derweil freut sich Gästeführerin Berti Davids-Heinrichs, die im Jahr rund 3000 an Geschichte interessierte Menschen durch Geilenkirchen führt, über neue Erkenntnisse nach dem Workshop. „Man ist immer davon ausgegangen, dass die Burg vom Beginn des 15. Jahrhunderts stammt. Sie muss aber aus dem 14. Jahrhundert stammen, da man Hinweise auf Schießschachten für Armbrüste erhalten hat. Im 15. Jahrhundert gab es schon Gewehre im Rheinland, Schießschachten für Armbrüste wären also überflüssig gewesen.“

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