Vorgezogene Bescherung bei den drei Tafeln

Von: Markus Bienwald und Georg Schmitz
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Drei Generationen freuen sich über die Paketaktion in Übach-Palenberg (von links): Großmutter Henriette Loeffler, Enkel Niklas und Mutter Sabine Kinzius. Foto: Bienwald
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Bianca Ohlenforst (l.) nimmt ein Paket mit Lebensmitteln von Naomi Becker entgegen. Foto: Bienwald
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Dankbar nehmen diese beiden Frauen die Pakete von Rita Henz und Kirsten Kurzweg (2. und 3. von links) entgegen. Foto: Schmitz

Geilenkirchen. Niklas Kinzius weiß genau, was er sich zu Weihnachten wünscht: „Was Süßes und was zum Spielen“, sagt er und grinst. Von einem Ohr zum anderen, denn der Elfjährige, der am Mittwoch gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Oma zur Paketausgabe der Übach-Palenberger Tafel gekommen ist, weiß ganz genau, dass er sich gleich etwas vom großen Spielzeugtisch aussuchen darf.

Seine Großmutter Henriette Loeffler freut sich, dass sie mal wieder richtig für die Familie kochen kann. Und warum das so ist, weiß Mutter Sabine Kinzius ganz genau: „Die Aktion ist hilfreich, einfach ein schönes und familiäres gemeinsames Essen zu haben“, sagt die 35-Jährige aus Übach-Palenberg, die im Paket für ihre Familie ein komplettes Weihnachtsmenü gefunden hat.

„Es geht nicht nur um Geschenke“

Dass andere Menschen an sie denken, ist ihr wichtig. Vor allem ihren Kindern werde vermittelt, nicht den Sinn des Weihnachtsfestes aus den Augen zu verlieren. „Es soll nicht nur um große Geschenke gehen“, sagt sie und in ihren Augen ist ein ganz kleines feuchtes Glitzern zu erkennen. 218 Menschen waren es am Mittwoch, die in der ehemaligen Zechengemeinde ihre Pakete erhalten haben.

Viele von ihnen waren fast noch schneller weg, als sie kamen. Nicht jeder will, dass man ihn hier sieht. Aber diejenigen, die keine Scheu hatten, ein wenig länger zu bleiben, sahen, wie schön die Gemeinschaft hier bei der Tafel sein kann. Flinke Hände servierten nicht nur einen köstlichen Kaffee und packten Gebäck dazu, auch die Ohren der Fleißigen waren offen.

Kleine Briefchen schrieben auch die Schüler, die hinter den Spendenaktionen standen und die in beinahe jedem Paket als kleiner Weihnachtsbrief zu finden waren. „Ohne die Hilfe von drei Schulen hätten wir zu wenig Ware gehabt“, unterstreicht Roswitha Bischhaus-Trotnow von der Tafel, und macht damit auf ein generelles Problem der Tafeln aufmerksam: Es scheint nicht mehr so en vogue zu sein, etwas zu geben, wenn es bei der Tafel weiterhelfen kann. „Wenn wir das Carolus-Magnus-Gymnasium, die Lindenschule in Boscheln und die Willy-Brandt-Gesamtschule mit ihren Spenden nicht gehabt hätten, wäre es knapp geworden“, sagt Vorstandsmitglied Bischhaus-Trotnow weiter.

In Gangelt haben Uwe Kunau und seine Helfer auch damit zu kämpfen, dass immer weniger Waren zur Verfügung stehen. Dennoch freute er sich über gleich 90 Pakete, die hier an die Kunden verteilt wurden. Kunden wie Bianca Ohlenforst aus dem Selfkant. „Es herrscht schon Vorfreude auf die Paketausgabe“, sagt die 35-Jährige, „man hat ja nicht mehr so viel“.

Wer wie sie drei Kinder hat, muss schon genau schauen, wie viel Geld für den täglichen Bedarf und die Geschenke eingeplant werden kann, „da muss man einen Mittelweg finden“. Natürlich freut sich auch Naomi Becker aus Schalbruch, dass sie hier Pakete ausgeben kann. „Man sieht den Menschen die Freude an, und sie sprechen schon Wochen vorher darüber“, sagt sie strahlend. Und Uwe Kunau, der tags zuvor befürchtet hatte, es würde sich eine große Menschentraube bilden, war glücklich, dass sich das nicht bewahrheitet hat. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt er.

Vor dem Pfarrsaal in Bauchem warteten die ersten Familien schon um 10 Uhr vor dem Pfarrsaal. Am Mittwochmorgen öffnete die Geilenkirchener Tafel hier ihre Türe für die Ausgabe der Weihnachtspakete. Das Tafelteam um Kirsten Kurzweg stand bereit, um die prall gefüllten Pakete zu verteilen. Einen Tag zuvor waren die schön geschmückten Weihnachtspakete bei der Tafel abgegeben worden.

Feinkost, Obst und Wein

Im Vorfeld hatte das Tafel-Team die berechtigten Einzelpersonen und Bedarfsgemeinschaften beim Jobcenter ermittelt und diesen Abholern über den Tag verteilt Termine vorgegeben. Die Helfer zeigten sich flexibel und berücksichtigten sogar „Sonderwünsche“ der Kinder und Jugendlichen, die sich Bücher oder Spielzeug aussuchen durften. Diese wurden zu dem Weihnachtspaket ausgegeben.

Die in die Kategorien Klein, Mittel und Groß unterteilten Pakete beinhalteten Lebensmittel, Feinkost, Obst, Wein, Kaffee, Säfte und Dosenware. Das Tafelteam hatte auch Angehörige muslimischen Glaubens berücksichtigt und schweinefleischfreie Pakete zusammengestellt. Dankbar und voller Freude nahmen die Einzelpersonen und Familien das „weihnachtliche Geschenk“ entgegen – 193 Pakete waren es in Bauchem.

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