Vorfreude auf 2017 beginnt bereits mit dem letzten Ton

Von: Johannes Gottwald
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Sparkassen-Filialleiter Michael Kämpgen, Veranstaltungsleiterin Xin Wang, die Preisträger Rosemarie Skowronski und Leon Xu, stellvertretender Bürgermeister Leonhard Kuhn und Preisträgerin Ekaterina Solomatina (vorne v.l.) sowie Veranstalter Florian Koltun (hinten) freuen sich bereits auf das Jahr 2017. Foto: J. Gottwald

Geilenkirchen. Mit stehenden Ovationen und „Bravo“-Rufen endet der Geilenkirchener Musiksommer. Mehr als 150 Fans klassischer Musik waren mit von der Partie.

Auch im fünften Jahr seines Bestehens bleibt der Klaviersommer ein großer Magnet für alle Freunde klassischer Musik von Nah und Fern. Wieder einmal bildete ein hochkarätiges Gala-Konzert in der Hauptfiliale der Kreissparkasse den glanzvollen Ausklang der Veranstaltung.

Nicht weniger als 120 junge Pianistinnen und Pianisten aus 30 Nationen hatten an den verschiedenen Wettbewerben teilgenommen und der Jury, zu der neben den beiden Veranstaltungsleitern Florian Koltun und Xin Wang (China) auch Nati Ballarin (Spanien), Francesco Monopoli (Italien), Dr. Dorian Leljak (Serbien) und Alexander Zolotarev (Russland) gehörten, eine wahre Marathonarbeit abverlangt. Die wichtigsten Preisträger der Wettbewerbe durften dann im Galakonzert ihre Kunst auch öffentlich präsentieren.

„Das künstlerische Niveau lässt sich kaum noch steigern“ – dieser Kommentar eines versierten Kenners aus Prummern sprach Bände. Mehr als 150 Klassik-Fans hatten sich eingefunden – und sie erlebten virtuose Spielkunst der Superlative.

Vor den einzelnen Vorträgen stand jedoch die jeweilige Preisverleihung: In der Kategorie A (bis 13 Jahre) hatte man zwar keinen dritten Preis vergeben, wohl aber zwei Mal den zweiten Preis: Rosemarie Skowronski (Österreich) und Leon Xu (China) waren die glücklichen Gewinner.

Den ersten Preis bekam Ekaterina Solomatina (Russland) zugesprochen – völlig zu Recht, denn das kurze, aber hoch anspruchsvolle Prélude in cis-moll von Sergej Rachmaninow, mit dem sie das Konzert eröffnete, stellte eine bereits musikhochschulreife Leistung dar.

Wesentlich höher schon lag die Messlatte beim Wettbewerb der Kategorie B (14 bis 17 Jahre). Hier bekam Shi Yao Wang (China) den dritten Preis, während der zweite Rang gleich auf vier Teilnehmer verteilt wurde: Letizia Palmieri (Italien), Emily Hermann (Deutschland), Aidan Chan (Irland) und Tom Pauls (Deutschland). Diplome erhielten außerdem Yu Tong Wu (China) und Lu Xin Zhang (China).

Beim ersten Preis hatte sich die Jury für Hsi Yun Wu aus Taiwan entschieden. Sie hatte sich für eine horrend schwere Aufgabe entschieden, was Florian Koltun bereits in seiner Vorankündigung für den nächsten Programmpunkt andeutete: „Der erste und vierte Satz der Sonate Nr. 2 op. 14 von Sergej Prokofiew gehört an den Musikhochschulen zum Examens-Repertoire.“

Die junge Preisträgerin meisterte beide Sätze auf souveräne Weise – sowohl den eher verhaltenen, noch teilweise spätromantisch gefärbten ersten Teil als auch das rasante, von schräger Akkordik durchsetzte Finale.

Dann folgte die Kategorie C (über 18 Jahre). Hier wurden Diplome an Laura Zybura (Polen), Yu Han Wang (China), Rui Rong Wang (China), Lilian Phan (Deutschland) und Yuki Takeno (Japan) verliehen. Der dritte Preis ging an Zi Hao Zhang (China), der zweite an Jing Xu (China) und Tian Tain Gao (China).

Die Gewinnerin des ersten Preises, King Yi Foong aus Malaysia, präsentierte dem Publikum die Sonate Nr. 1 aus der Feder des zeitgenössischen Komponisten Charles Vine. Das sehr moderne und hoch komplizierte Werk zeigt nicht mehr die traditionelle Sonatenform, sondern entfaltet sich als freie einsätzige Fantasie. Vielschichtige, aber durchaus wohlklingende Dissonanzen wechseln mit nervöser, unruhiger Chromatik ab.

Insgesamt ein überaus farbiges Stück, das bei den Zuhörern großen Anklang fand. Der erste Preis war jedoch noch ein weiteres Mal vergeben worden: Murad Abasov aus Aserbaidschan hatte sich die Ballade Nr. 1 g-moll von Chopin ausgesucht und heimste ebenfalls großen Beifall ein.

Nach der Pause wurde es dann Zeit für die Preisverleihung des großen Wettbewerbes der Kategorie „Euregio Piano Award“. Hier erhielten Jonas Stark (Deutschland), Soo Young Kang (Südkorea), Sooejong Choi (Südkorea), Jaroslav Bykh (Ukraine), Antonio Fiumara (Italien), Uglescha Brkljae (Serbien), José Silberstein (Bolivien), Joshua Vapley (USA) und Alexandre Lory (Frankreich) Diplome sowie Konstantin Zyvagin und Yumi Tanizaki (Japan) Auszeichnungen für den Vorstoß bis in die Finalrunde.

Die Preisträger durften danach allesamt ihr Können zeigen: Den Anfang machte der dritte Preisträger Georgy Voylochnikov (Russland) mit der mystisch entrückten Etüde op. 42 Nr. 5 von Alexander Skrjabin. Unwirklich zarte, aber auch zauberhaft brillante Klänge waren bei „La Campanella“ von Franz Liszt zu hören, womit sich Alexander Bernstein (USA) als zweiter Preisträger vorstellte.

Das Nonplusultra an technischer Virtuosität wurde jedoch von den beiden Gewinnern des ersten Preises geboten. Zunächst war Se-Hyeong Yoo aus Südkorea mit dem eigentümlich verhangenen Walzer op. 38 von Skrjabin und dem stürmisch bewegten Etude-Tableau op. 39 Nr. 5 von Rachmaninow an der Reihe. Hier ertönten erstmals spontane „Bravo“-Rufe aus den Publikumsreihen.

Und nachdem die Klänge des bei den Pianisten berühmt-berüchtigten „Mephisto-Walzers“ von Franz Liszt verklungen waren, erhielt der Slowene Nejc Kamplet sogar stehende Ovationen.

Den Klaviersommer 2017 sollten sich also alle Musikfreunde schon jetzt im Kalender vormerken.

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