Gangelt - „Von wegen Schluss mit lustig!“: Das Thema Trauer mit Humor gesehen

„Von wegen Schluss mit lustig!“: Das Thema Trauer mit Humor gesehen

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Der Informationsabend des Katharina-Kasper-Heims zum Thema „Das Letzte: von wegen Schluss mit Lustig!“ gab wichtige Impulse für einen gelasseneren Umgang mit dem Tabuthema Tod. Besonders in der Bestattungskultur hat sich heute viel geändert. Foto: Oliver Lang/dapd

Gangelt. Auf hohe Resonanz stieß eine Abendveranstaltung zum Thema „Das Letzte: von wegen Schluss mit lustig!“ im Rahmen der Reihe „Miteinander im Quartier“. Rund 50 Interessierte waren der Einladung des Katharina Kasper-Heims nach Gangelt gefolgt.

Der November ist eng mit dem Tod verbunden. Allein vier religiöse Feiertage laden dazu ein, sich zu besinnen und der Verstorbenen zu gedenken. Und dennoch bleibt das Thema angstbesetzt und findet in unserem Alltag häufig nicht mehr statt. „Es ist ein Tabuthema, obwohl wir alle betroffen sind“, bekräftigte Josef Aretz, Einrichtungsleiter des Katharina Kasper-Heims, in seiner Begrüßungsansprache. Umso freudiger überrascht zeigte er sich über die hohe Teilnehmerzahl.

Einführend gab Sabine Nordhausen, Bestattungsunternehmerin in Gangelt, einen Überblick über die Bestattungskultur im Wandel der Zeit. Die gesellschaftlichen Veränderungen machte die gelernte Krankenschwester dabei insbesondere an vier Faktoren fest: 1. Privatisierung der Lebensverhältnisse, 2. zunehmende Mobilität, 3. wachsende Geldknappheit, 4. schwindende Religiosität.

Die Bestattungskultur habe sich an die „jeweiligen gesellschaftlichen Strömungen“ angepasst, sagte Nordhausen. Die Erdbestattung sei nur noch eine von vielen Bestattungsmöglichkeiten. Alternative Bestattungsformen boomten mit zunehmender Individualisierung. Angefangen von der Almwiesenbestattung über Baum- und Seebestattung bis hin zur Weltraumbestattung habe man heute die „Qual der Wahl“, so Nordhausen.

Gleichzeitig beobachtet sie vor allem in den Großstädten einen Trend zur anonymen Bestattung. Immer mehr Menschen entscheiden sich für diese Bestattungsform – entweder weil sie ihren Angehörigen keine Mühe bereiten wollen, oder es schlicht keine Hinterbliebenen gibt. Dem stellt Sabine Nordhausen, die auch als Trauerbegleiterin tätig ist, das Anrecht auf einen würdevollen Tod und einen angemessenen Raum für Trauer entgegen.

Sie selbst erlebt ihren Beruf als erfüllend. Das Schöne daran sei, „dass man sich immer wieder neu auf Menschen einlassen muss“. Jeder Trauernde brauche eine individuell andere Hilfestellung.

Für fantasievolle Momente und kleine Verschnaufpausen sorgte Stefan Güsgen, Coach, Trainer und Künstler aus Köln. Unter dem Motto „Musik, Humor & Du sind besser als Tabu“ präsentierte er eine gelungene Mischung aus Gesang, Magie und Illusion. Dabei gab er den Besuchern so ganz nebenbei auch kleine Lebensweisheiten mit auf den Weg und lud dazu ein, sich die Frage zu stellen: „Was kann ich anderen geben, wenn ich gehe?“

Andere Länder, andere Sitten

Diesen Aspekt griff Thomas Hoff, Diakon und Ordensvertreter der ViaNobis, in seinem Vortrag „Neue Seiten nach dem letzten Blatt – Der Versuch eines Ausblicks auf das ‚Danach‘“ sogleich auf. Er stellte die rhetorische Frage in den Raum, wie jeder Einzelne seine Angehörigen auf die „Rolle als Hinterbliebene“ vorbereiten könne.

Der Ordensvertreter warb darum, eine neue Sichtweise auf die „wundervolle Welt danach“ zu entwickeln und das Eigene für sich „mutig in den Blick“ zu nehmen. Dazu spannte Hoff einen weiten Bogen von eigenen Erfahrungen aus Kindheit und Beruf über die Welt der griechischen Philosophie bis hin zu Einblicken in andere Kulturen, Religionen und Weltanschauungen.

So werden in Ghana beispielsweise die Toten mit Gesang und Tanz zu Grabe gebracht, und im Buddhismus gilt der sich ständig wiederholende Kreislauf des Lebens als Hindernisgrund, um zu Gott zu kommen.

Hoffs Vortrag war mit einer Reihe von Anekdoten gespickt, so dass – bei aller Ernsthaftigkeit – das Lachen und der Humor nicht zu kurz kamen. Mit dem augenzwinkernden Verweis auf das „rheinische Grundgesetz“ (Artikel 2 „Et kütt wie et kütt“) hatte der Ordensvertreter die Lacher vollends auf seiner Seite.

„Insgesamt gab die Veranstaltung wichtige Impulse und Anregungen für einen gelasseneren Umgang mit dem Tabuthema Tod. Das Publikum honorierte die Botschaften mit großem Applaus und stimmte am Ende gemeinsam mit Stefan Güsgen in das Lied von Trude Herr „Niemals geht man so ganz“ ein.

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