Von „null auf 100” nach dem langen Winter

Von: Benjamin Jansen
Letzte Aktualisierung:
winter5-bu1
Fehlende Sonnenstunden: Michael Stahl musste aufgrund der Dunkelheit in den langen Wintermonaten viel Geld investieren, um seine Primeln am Leben zu halten. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen/Übach-Palenberg/Gangelt. Die Zeit der Wintermäntel und Handschuhe neigt sich langsam dem Ende entgegen. Die ersten Sonnenstrahlen kämpfen sich Schritt für Schritt durch das graue Wolkenmeer - und darüber freuen sich die außen arbeitenden Betriebe der Region ganz besonders.

„Im Januar und Februar konnte nur punktuell gearbeitet werden. Mehr war aufgrund der Witterung nicht möglich”, sagt Roman Contzen vom Zaunbauunternehmen Waliczek & Contzen in Übach-Palenberg. Aufträge, die Ende des vergangenen Jahres angenommen wurden, mussten verschoben werden, da Schnee und Bodenfrost die Arbeiten behinderten. „Da 95 Prozent unserer Arbeit unter freiem Himmel stattfindet, mussten unsere Monteure unfreiwillig von ihren Schlechtwetterstunden und ihrem Urlaub Gebrauch machen. Wir sind im Moment dabei, die Altlasten aufzuarbeiten”, berichtet der Geschäftsführer.

Entlassungen gab es trotz der finanziellen Einbußen nicht, die Möglichkeit der Kurzarbeit schloss der Betrieb aus. Mittlerweile hat sich die Situation entspannt. „Seit Sturmtief Xynthia steht das Telefon nicht mehr still. Wir gehen jetzt von null auf 100”, so Contzen.

Die Ausgangslage „null” hat der Dachdeckerbetrieb Karl Jansen in Geilenkirchen ebenfalls schmerzlich kennengelernt. „Wir hatten 39 Schlechtwettertage, an denen nicht gearbeitet werden konnte. Das waren zwei schwierige Monate, weil die Kosten weiter gelaufen sind und gleichzeitig keine Dächer gedeckt werden konnten”, schaut Inhaber und Geschäftsführer Lars Ratzer mit Unbehagen auf die vergangenen Wochen. Einen Verlust von 50.000 Euro hat der Betrieb in dieser Zeit verzeichnet. „Daran werden wir bestimmt noch ein halbes Jahr zu knabbern haben”, vermutet Ratzer.

Zum Vergleich: 2009 lag der Arbeitsausfall „nur” bei der Hälfte. „Dementsprechend groß ist jetzt die Freude, dass man endlich wieder arbeiten darf”, hat der Inhaber seinen Optimismus nicht verloren.

Optimistisch ist Jörg Barkowski ohnehin - denn seine Pflanzen sind gut durch den Winter gekommen. „Wir haben keine Verluste auf den Containerfeldern. Im vergangenen Jahr war die Situation viel schlimmer, weil wir damals Temperaturen von bis zu minus 24 Grad hatten. In den letzten Wochen stand die Anzeige nur bei minus 15 Grad”, berichtet der Geschäftsführer der Baumschule Barkowski in Gangelt.

Für die Belegschaft war die Situation nicht so erfreulich, da die Witterung im Januar kein Bepflanzen zuließ. „Der Winter war unter dem Strich vier Wochen zu lang. Der Februar ging dafür aber gut los. Wir haben einige Pflanzen an die Betreiber einer Messe verkauft”, sagt Barkowski.

Heizen rund um die Uhr

Für Michael Stahl waren die vergangenen Wochen nicht so rentabel. „Wir mussten rund um die Uhr heizen, damit unsere Pflanzen nicht kaputt gehen. Außerdem hatten wir 30 Prozent weniger Licht”, hat der Geschäftsführer des Gartenbaubetriebs Stahl in Geilenkirchen festgestellt.

Da es früher dunkel wurde, fehlten den Pflanzen einige Sonnenstunden, was wiederum zu erneuten Kosten führte. „Der Winter ging eigentlich schon am 10. Dezember los. Das war viel zu früh”, sagt Stahl.

Die Hoffnung, dass sich die Frühlingslust in den nächsten Wochen auch auf den Blumenverkauf niederschlägt, hat er nicht aufgegeben. „Eine Bilanz können wir aber erst um Ostern ziehen, wenn wir wissen, wie die Nachfrage nach Frühlingsprodukten ist.” Die Zeit der Winterblumen ist nämlich ebenfalls abgelaufen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert