Geilenkirchen/Köln - Von Jenny Böken bleibt ein großes Stück Nächstenliebe

Von Jenny Böken bleibt ein großes Stück Nächstenliebe

Von: Georg Schmitz
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Unvergessen: Jenny Böken, Opfer eines tragischen Unfalls während ihres Dienstes bei der Bundesmarine. In ihrem Namen hat Mutter Marlis Böken eine Stiftung gegründet, deren Erträge die Not anderer Dienstzeitopfer lindern soll. Die Urkunde dazu übergaben in Köln Regierungspräsident Hans Peter Lindlar (l.) und der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Reinhold Robbe. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen/Köln. „In der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 endete Jennys junges Leben durch einen tragischen Unfall auf dem Segelschulschiff Gorch Fock, einen Tag vor ihrem 19. Geburtstag.” So erinnerte Marlis Böken mit von Tränen erstickter Stimme an den Tod ihrer Tochter.

Der Anlass für diesen Blick zurück auf das tragische Ereignis: Von Regierungspräsident Hans Peter Lindlar nahm Marlis Böken am Montag in Köln die Anerkennungsurkunde für die von ihr gegründete Jenny-Böken-Stiftung entgegen.

Dieser Tag der offiziellen Anerkennung der Stiftung (bürgerlichen Rechts, mit Sitz in Geilenkirchen) hatte die schrecklichen Ereignisse, die tagelang in den Medien begleitet wurden, besonders in das Gedächtnis zurückgerufen. Bei der Mutter und bei den im Regierungspräsidium Anwesenden. Denn trotz der umfangreichen Suchaktionen wurde Jenny Böken elf Tage später tot aus der Nordsee geborgen. Die 18-Jährige wurde in ihrem Heimatort Teveren unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

Schon an dem Tag, als die Todesnachricht der Familie überbracht worden war, reifte in Marlis Böken der Gedanke, Angehörigen und Familien von im Dienst ums Leben gekommenen Soldatinnen und Soldaten sowie Kameradinnen und Kameraden, die infolge ihrer Auftragserfüllung dienstunfähig geworden sind zu unterstützen.

50.000 Euro von Jennys Lebensversicherung dienen zunächst als Stammkapital für die Stiftung. Marlis Böken will nun alles daran setzen, dass diese Anschubfinanzierung durch Spenden aufgestockt wird und man später aus den Erträgen vielen Menschen helfen kann.

„Wenn man keine Träume mehr hat, hört man auf zu leben”, nutzte Marlis Böken ein Zitat von Martin Luther King zu Beginn ihrer Ansprache aus Anlass dieser Feierstunde. Jenny habe ihren Traum gelebt. „Sie wollte zur Marine, dort Medizin studieren, als Ärztin nicht nur für ihre Kameraden und Kameradinnen da sein, sondern auch in Auslandseinsätzen humanitäre Hilfe leisten”, berichtete die Mutter.

Jennys Traum werde nun auf eine andere Art, nämlich in der Stiftung, die ihren Namen trägt, weiterleben. Marlis Böken: „Durch die Stiftungsarbeit kann sie, nach ihrem Tod, mehr Kameradinnen und Kameraden helfen, als es ihr als Marine-Ärztin vielleicht möglich gewesen wäre. Durch die Stiftung holen wir ein Stück von Jenny, nämlich ihre Nächstenliebe, aus dem Himmel zurück.”

Marlis Böken wünschte allen Soldatinnen und Soldaten, die bei Auslandseinsätzen für Frieden, Freiheit und Demokratie kämpfen, dass sie alle gesund an Körper und Seele aus ihren Einsätzen zurückkehren. „Sollte dies nicht der Fall sein, wird die Jenny-Böken-Stiftung immer für sie da sein und versuchen, ihnen mit allen Mitteln und Kräften beizustehen.”

Dem Regierungspräsidium falle nun die Aufgabe zu, die Stiftung zu überwachen und darauf zu achten, dass die Erträge zweckgebunden verwendet werden. Hans Peter Lindlar weiter: „Stiftungen sind mir wertvoll, sie haben einen deutlichen Zukunftsbezug, und sie sind die Initialzündung für Menschen, sich zu beteiligen”, sagte der Regierungspräsident. Das Besondere an der Jenny-Böken-Stiftung sei, dass sie auf einen tragischen Unfall zurückgehe. Dies führe zu einer Art Brücke in die Zukunft.

Die bewegende Rede von Marlis Böken hatte auch den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, Reinhold Robbe, gerührt. Wenn der Tod eines Menschen zu beklagen ist, so der Abgeordnete, nehme ihn dies auch mit und gehe ihm sehr nahe. Reinhold Robbe: „Wir können feststellen, dass sich mit dem Namen von Jenny Böken viele Dinge verbinden, die so nicht vorauszusehen waren.”

Ein Stück Trauerarbeit

Er erleben „mit allergrößter Hochachtung”, wie Jennys Mutter dazu beitrage, anderen in Not geratenen Menschen zu helfen. In solchen Situationen blieben immer trauernde Angehörige zurück, hieß es, „die menschliche Zuwendung brauchen, um nicht mit den Problemen alleine gelassen zu werden”.

Der Wehrbeauftragte anerkannte in dem Stiftungsbemühen von Marlis Böken auch ein Stück Trauerarbeit, die sich schließlich als „segensreiche Arbeit für die gesamte Bundeswehr” auswirke.
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