Vom Nachbarn terrorisiert: Frau Winter kämpft um ihre Nachtruhe

Von: Jan Mönch
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Die Polizei bestätigt, dass es vor Ort bereits mehrere nächtliche Polizeieinsätze gegeben hat. Foto: stock/Lars Berg

Geilenkirchen. Neulich wurde Frau Winter mal ganz dezidiert dargelegt, womit sie so zu rechnen hat, wenn sie weiter darauf beharren sollte, nachts gerne schlafen zu wollen. „Ich hau Dir in die Fresse, Du Missgeburt!“, drohte ihr ein junger Mann. Frau Winter hatte sich da über den Lärmpegel nebenan beschwert, wieder mal.

Man muss wissen, dass ihr Nachbar mitunter Gäste empfängt, die es schon mal etwas lauter zugehen lassen, gerne auch nachts, und bei den Gästen kommen Beschwerden nicht so gut an.

Einschüchtern lässt die Seniorin, die weit über 70 Jahre alt ist und in Wirklichkeit anders heißt, sich trotzdem nicht.

Es geht bei der Geschichte um mehr als einen alltäglichen Nachbarschaftsstreit, wie er vermutlich in jeder etwas längeren Straße irgendwo vorkommt und über den wir normalerweise gar nicht berichten würden. Denn erstens gehen die Zustände in der Wohnung neben der von Frau Winter weit über mal ein wenig zu laut gedrehte Musik oder ein bisschen Gepolter hinaus, wie ja auch die oben geschilderte Anekdote zeigt. Vor allem aber dürfte der Nachbar vermutlich gar nicht dort wohnen. Frau Winter nämlich sagt, dass es sich bei seiner Bleibe um eine ehemalige Garage handele, die ohne Genehmigung vermietet werde. Dies sei deshalb so problematisch, weil keine Schallisolierung zu ihrer Wohnung hin bestehe.

Wer nun denkt, dass es doch für die Behörden ein Leichtes sein müsste, klare Verhältnisse zu schaffen, der liegt falsch. Jedenfalls ist es laut Frau Winter schon rund zwei Jahre her, dass sie das städtische Bauamt informierte. Geändert habe sich aber nichts.

Vergangene Woche nun hat Frau Winter einen Brief aufgesetzt, der an sämtliche Ratsleute sowie Bürgermeister Georg Schmitz adressiert war und außerdem in Kopie an unsere Zeitung ging. Aus ihm spricht Zorn, aber auch Hilflosigkeit. Und ein gewaltiger Frust darüber, dass bislang niemand ihr helfen wollte oder konnte. „Ich muss jetzt im Alter erleben, wie ein dreister Flegel, man sagt in Geilenkirchen auch: nicht die beste Butter, mir fast täglich nachts den Schlaf raubt.“

Berufstätig sei der Mann offensichtlich nicht, schreibt Frau Winter, „er schläft mittags bis 14 oder 15 Uhr, am Abend kommen die Kumpel, es wird laut gegrölt und in der Nacht gegen zwei oder drei Uhr mit quietschenden Reifen abgefahren!“ Einmal habe sie von nebenan eine weinende und jammernde Frau gehört. „Was spielt sich in dieser Bude ab?“, fragt sie. Die Polizei sei schon öfters selbst dagewesen und habe sie davor gewarnt, selbst rüberzugehen. Sie solle lieber nur die Polizei rufen. Dabei hatte sie das ja gerade getan. Frau Winter hat das Gefühl, sich im Kreis zu drehen.

Die Stadt tut sich nicht leicht damit, zu dem Fall Auskunft zu geben. Widersprochen wird den Schilderungen von Frau Winter jedenfalls nicht. Bauamtsleiter Alexander Jansen teilt schriftlich mit, dass Maßnahmen ergriffen worden seien, „deren Ziel es ist, rechtmäßige Zustände herzustellen. Die entsprechenden Verwaltungsverfahren laufen und werden derzeit fortgeführt.“ Der erste Satz ist deshalb interessant, weil er im Umkehrschluss bedeutet, dass die aktuell herrschenden Zustände tatsächlich nicht rechtmäßig sein könnten. Grundlegende Schwierigkeiten, so Jansen weiter, sehe er dabei gar nicht.

Aber: „In unserem Rechtsstaat ist es nun mal so, dass für verschiedene Maßnahmen sowohl gesetzlich vorgeschriebene Verfahrensschritte einzuhalten sind, wie auch in Betracht kommen kann, dass die behördlichen Maßnahmen durch die zuständigen Gerichte überprüft werden. Dann ist es ganz wichtig, sorgfältig und eng angelehnt an den Umständen des jeweiligen Einzelfalles gearbeitet zu haben.“ Konkreter will die Stadt nicht werden und verweist auf den Datenschutz.

Ähnlich wortkarg bleibt die Polizei. Man könne lediglich bestätigen, dass es an der Adresse „mehrere Polizeieinsätze“ gegeben habe, sagt Sprecherin Angela Jansen. Gründe, die Schilderungen von Frau Winter zu relativieren, sieht auch sie offensichtlich nicht.

Hans-Günter Heinen aus Gangelt versucht bereits seit langem, Frau Winter zu helfen, er kennt sie schon seit seiner Kindheit. Er hat erfolglos versucht, den Lärmverursachern ins Gewissen zu reden, und auch bei Behördengängen war er dabei. Anfangs, glaubt Heinen, habe man das Thema im Rathaus wohl auf die lange Bank geschoben. Seit einiger Zeit scheine die Sache aber ernst genommen zu werden. Dennoch habe sich am Zustand nichts geändert, die Behörden stünden da wie zahnlose Tiger, die Polizei inbegriffen. Dabei sei Frau Winter bereits deutlich in ihrem Gesundheitszustand angegriffen.

Frau Winter selbst hat die Geduld verloren. Sie schreibt: „Ich werde mich nicht mehr abwimmeln lassen! Sollte jetzt nicht gehandelt und die Bude geschlossen werden, wende ich mich direkt an die Geilenkirchener Bevölkerung!“

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