Vivawest: Mieter leiden unter miserablem Zustand der Gebäude

Von: Jan Mönch
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Schon auf größere Entfernung lässt sich erkennen, dass in den Marienberger Gebäuden der Vivawest Feuchtigkeit ein gravierendes Problem ist. Wozu das führen kann zeigt sich, wenn man im Inneren die Tapete von der Wand zieht. Foto: Markus Bienwald
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Schon auf größere Entfernung lässt sich erkennen, dass in den Marienberger Gebäuden der Vivawest Feuchtigkeit ein gravierendes Problem ist. Wozu das führen kann zeigt sich, wenn man im Inneren die Tapete von der Wand zieht. Foto: Markus Bienwald
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Schon auf größere Entfernung lässt sich erkennen, dass in den Marienberger Gebäuden der Vivawest Feuchtigkeit ein gravierendes Problem ist. Wozu das führen kann zeigt sich, wenn man im Inneren die Tapete von der Wand zieht. Foto: Markus Bienwald
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Im Keller springt bereits der Putz von den Wänden.

Übach-Palenberg. Es liegt beinahe ein Jahr zurück, dass ein Vertreter der Vivawest GmbH den Übach-Palenberger Bauausschuss besuchte. Dort wurde über die geplante Quartierserneuerung in Marienberg gesprochen. 20 Mehrfamilienhäuser mit 85 Wohneinheiten befänden sich in einem Zustand, der einzig einen Abriss als sinnvoll erscheinen lasse.

„Der Abbruch der Mehrfamilienhäuser werde geordnet und je nach Leerstand erfolgen“, heißt es im Sitzungsprotokoll. Und im städtischen Amtsblatt hieß es später: „In der Diskussion um das Thema waren sich Politik und Verwaltung einig: Eine Erneuerung des Quartiers wird nur unter Einbeziehung der bisher dort wohnenden Bevölkerung stattfinden.“ Beispielsweise solle die Vivawest Ersatzwohnraum anbieten.

Die besagte Wohnbebauung verteilt sich auf drei Straßen: die Franz-von-Sales-Straße, die Selfkantstraße und Im Winkel. Und wer sich vor Ort umsieht, der kann nur zu dem Schluss kommen, dass eine Erneuerung des Quartiers den Ortsteil Marienberg tatsächlich aufwerten würde. Mit den „sozialverträglichen Lösungen“ scheint es aber noch nicht so hinzuhauen: Zumindest zu einem beträchtlichen Teil sind die Gebäude von Feuchtigkeit durchzogen. Und im Inneren gedeiht ganz vorzüglich der Schimmel.

So jedenfalls sieht es bei Frau Westermann aus, die unsere Redaktion zu sich nach Hause eingeladen hat. Frau Westermann heißt eigentlich anders und möchte ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Zu viel haben ihr die letzten Monate und Jahre schon abverlangt.

Eine Besichtigung ihres Hauses zeigt: Hinter den Tapeten wuchert dick und schwarz der Schimmel, an vielen Stellen wölben sie sich von der Wand weg. Besonders schlimm ist der Zustand im Schlafzimmer, weshalb Frau Westermann im Wohnzimmer die Nächte verbringt. Auch auf ihren Kleiderschrank habe der Pilz schon übergegriffen, säckeweise habe sie Wäsche entsorgen müssen, berichtet Frau Westermann.

Dabei weiß jedes Kind: Schimmel und Feuchtigkeit sind gesundheitsgefährdend. In Frau Westermanns Fall gilt dies auch auf psychischer Ebene. Damit unsere Zeitung darüber berichten kann, wie schlecht es um sie steht, hat sie ihren behandelnden Arzt Joachim Mikolas von seiner Schweigepflicht entbunden. Seine Schilderungen geben Einblick in geradezu dramatische Zustände, die durch Frau Westermanns Wohnung zwar nicht ausgelöst, wohl aber deutlich verschlimmert wurden.

Frau Westermann leidet demnach unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung sowie einem Putzzwang. Dass letzterer sich schlecht mit einer schimmeligen Wohnung in Einklang bringen lässt, liegt auf der Hand. Das Problem habe, ganz im Gegenteil, dazu geführt, dass Frau Westermann den Rückzugsort nicht mehr hat, den ihre vier Wände für sie darstellten. „Sie hat diesen sicheren Ort nun verloren“, sagt Mikolas, der in Heinsberg praktiziert.

Frau Westermann sei schon bei ihm in Behandlung gewesen, bevor die Schimmelproblematik wirklich akut wurde. „Ihr Zustand hat sich seitdem ausgesprochen stark verschlechtert. Ihre Wohnung ist von einem sicheren Ort zu einer Bedrohung geworden.“

Ob es in sämtlichen Wohnungen so aussieht wie bei Frau Westermann, weiß unsere Redaktion nicht. Zumindest der äußere Eindruck der Gebäude legt die Möglichkeit aber nahe. Diese nämlich scheinen die Feuchtigkeit vom Grund her in sich aufgesogen zu haben wie ein Schwamm. Auch an den Außenwänden ist das schon auf größere Entfernung bestens zu erkennen: Insbesondere unter den Fensterbänken und unterhalb des Dachs sammelt sich die Feuchtigkeit. Eventuell hängt dies mit der Wärmedämmung zusammen, die an den Außenwänden angebracht ist und oberhalb der Keller beginnt.

Alle Beschwerden bei der Vivawest, sagt Frau Westermann, hätten zu nichts geführt. Schließlich schaltete sie den Aachener Mieterverein ein. Dessen Mitarbeiterin Cornelia Schmidt-Röhling bestätigt die Angaben: Auch auf Schreiben des Mieterschutzes hin sei nie eine Antwort gekommen. „Wir haben oft mit Feuchtigkeit zu tun. Aber dieser Fall ist schon extrem“, sagt sie.

Dass die Vivawest die Gebäude sowieso abreißen lassen will, spiele dabei überhaupt gar keine Rolle. „Der Vermieter ist dazu verpflichtet, einen störungsfreien Gebrauch der Wohnung zu gewährleisten.“ Wenn man die Immobilien nicht halten wolle, sei es das Mindeste, dass Ersatzwohnraum angeboten werde. Doch auch dies sei nicht geschehen – jedenfalls habe die Vivawest ihrem Haus kein anderslautendes Signal gegeben.

Die Vivawest behauptet dennoch, dass ihr „keine akuten Schimmelprobleme“ bekannt seien. Wenn solche in der Vergangenheit gemeldet wurden, habe man die Bewohner darin beraten, wie man durch richtiges Lüften und Heizen vorbeugen kann. Auch Instandhaltungsmaßnahmen habe man eingeleitet.

Die Sprecherin des Unternehmens gesteht aber ein: „Die grundlegende Problematik der Bausubstanz und damit eine erhöhte Anfälligkeit für bestimmte Probleme können wir damit allerdings nicht lösen.“ Ob die Briefe des Mieterschutzes eingegangen seien und warum sie gegebenenfalls nicht beantwortet wurden, könne man nur in Kenntnis des richtigen Namens von Frau Westermann nachvollziehen.

Dank für das Vertrauen

53 von 82 Mieteinheiten würden aktuell noch vermietet. Sobald ein Mieter von sich aus signalisiere, umziehen zu wollen, führe man Gespräche und biete Unterstützung an. „Geeigneten Ersatzwohnraum“ könne man übrigens gar nicht anbieten, weil man in der Nähe über keinen verfüge.

Um Umzugspläne reifen zu lassen, bieten die Gebäude in der Tat einigen Anreiz. Frau Westermann hat die Sache mittlerweile selbst in die Hand genommen. Sie wird Übach-Palenberg verlassen. Als sie die Wohnung kündigte, bekam sie dann auch tatsächlich mal eine Antwort von der Vivawest. Die Kündigung wurde akzeptiert. „Wir bedanken uns für das Vertrauen“, stand in dem Schreiben.

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