VHS-Konzert: Sopransolistinnen begeistern Zuschauer

Von: Johannes Gottwald
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Beim Kammerkonzert der VHS in
Beim Kammerkonzert der VHS in Aktion: Dr. Irina Fuchs (Flügel), die Sopranistinnen Natalie Diart und Lisa Solovyova sowie Klarinettistin Jessica Schlömer (v.links). Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Die Fastenzeit steht im Kirchenjahr nicht nur im Zeichen von Buße und Verzicht, sondern bedeutet auch Nachdenken und Neubesinnung. Dies muss keineswegs nur im Rahmen von Gottesdiensten geschehen.

In der evangelischen Kirche an der Konrad-Adenauer-Straße konnte man ein kammermusikalisches Konzert der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg erleben, das sich in die vorösterliche Periode vorzüglich einfügte.

Es war eine ungewöhnliche Besetzung und auch ein bemerkenswerter Abend: Mit der bekannten Sängerin Natalie Diart aus Heinsberg und ihrer Gesangsschülerin Lisa Solovyova, die schon mehrfach Preise bei „Jugend musiziert” errang, wirkten gleich zwei Sopransolistinnen mit. Außerdem beteiligten sich die deutsch-russische Pianistin Dr. Irina Fuchs und die Klarinettistin Jessica Schloemer, die wie Natalie Diart ebenfalls aus unserer Region stammt, am musikalischen Geschehen.

Das Programm umfasste ausschließlich Musik aus dem 19. Jahrhundert - also dem goldenen Zeitalter der Romantik. Den Anfang machten die drei Fantasiestücke für Klarinette und Klavier op. 73 von Robert Schumann, in denen sich Irina Fuchs und Jessica Schloemer als perfekt eingespieltes Duo präsentierten. Während das erste Stück sich in schwermütigem Moll entfaltete, verströmte sich das zweite in leichtfüßiger Heiterkeit.

Die dritte Fantasie dagegen bildete einen leidenschaftlich-bewegten Ausklang. Danach kamen die beiden Sopran-Solistinnen in den „Klängen aus Mähren” von Antonin Dvorak zum ersten Einsatz. Auch sie begeisterten sogleich mit glockenreinen Stimmen, die wunderbar miteinander verschmolzen.

Dies galt sowohl für das zart bewegte Duett „Wenn die Sense geschliffen wäre”, das mit seinen herben Sekundakkorden unverkennbar schon die spätere Oper „Rusalka” vorwegnahm wie auch für das zweite Lied „Ich schwimm dir davon”, worin ein lustiges Liebesspiel dargestellt wird.

Es folgten fünf deutsche Lieder für Sopran, Klarinette und Klavier aus dem op. 103 von Louis Spohr, einem Romantiker, der heute nahezu vergessen ist.

Dies hat vielleicht auch seine Ursache darin, dass seine Kompositionen nicht die Originalität seiner Zeitgenossen Weber, Mendelssohn oder Schumann erreichen. Auch die „deutschen Lieder” konnten trotz mancher hübscher Details eine gewisse Gleichförmigkeit nicht verleugnen. Trotzdem bot der künstlerisch hochklassige Vortrag von Jessica Schloemer, Natalie Diart und Irina Fuchs den Hörern auch hier ein interessantes Klangerlebnis.

Von anderem Kaliber war da schon die großartige Arie „Der Hirt auf dem Felsen” D 964 für Klarinette, Klavier und Sopransolo von Franz Schubert.

Das im Oktober 1828 entstandene Werk ist von dunkler romantischer Wehmut und Gefühlstiefe geprägt, arbeitet mit delikaten Echowirkungen und zeigt sogar Anklänge an österreichische Jodler. Auch hier gelang Jessica Schloemer und Lisa Solovyova eine eindrucksvolle Wiedergabe dieser anspruchsvollen Komposition. Vor allem der schwerelos-heitere Schlussteil, der den kommenden Frühling und die erwachende Wanderlust des jungen Hirten besingt, lässt den Hörer erschauern: Zum Zeitpunkt der Niederschrift des Werkes hatte Schubert nur noch wenige Wochen zu leben.

Auch bei den Duetten „Ich wollt, meine Liebe ergösse sich” von Mendelssohn und dem „Weg der Liebe” von Johannes Brahms konnten Natalie Diart und ihre Schülerin Lisa Solovyva in glänzender Weise überzeugen.

Den Abschluss des Abends bildete die von herbem Ernst erfüllte Sonate für Klarinette und Klavier f-moll op. 120 Nr.1 von Johannes Brahms. Das 1894 komponierte Spätwerk zeigt die typischen Merkmale von Brahms Spätstil, der auf letzte Klarheit und zunehmende Nüchternheit abzielt, sich aber auch sehr deutlich mit den Themen Tod und Vergänglichkeit auseinandersetzt. Am Ende gab es großen und langanhaltenden Beifall des Publikums und natürlich noch eine Zugabe.
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