VfR Übach-Palenberg: Von Handball und Hoffnung

Von: Markus Bienwald
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Nicht nur die B-Jugendlichen der Handballabteilung des VfR Übach-Palenberg stehen hinter Valbon Shala (vorne in der Mitte) aus dem Kosovo, auch Abteilungsvorsitzender Reinhard Schmidt (links) und Mannschaftskapitän Fabian Pietschmann (rechts) setzen sich für seinen Verbleib in Deutschland ein. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Das letzte halbe Jahr war für Valbon Shala und seine Familie eine echte Herausforderung, die alle an die Grenzen ihrer Leidensfähigkeit brachte. So ist der 32-Jährige mit seiner hochschwangeren Frau und seiner Tochter aus seiner Heimat im Kosovo geflohen, weil dort das Elend immer größer wurde. „Man hat da nix, gar nix“, sagt er, und nur seine Augen erzählen von dem, was er im Kosovo erdulden musste.

Vor einigen Jahren war das noch anders, da war das deutsche Wort „Wirtschaftsflüchtling“ noch etwas, das Shala nicht kannte. Er war Handballprofi und als Linienspieler beim Club KH Besa Famiglia Peja aktiv, spielte europäischen Top-Handball. „Doch nach und nach ging die Wirtschaft im Kosovo den Bach runter, heute kann man dort zwar noch in der ersten Liga spielen, aber das sind mittlerweile alles Amateurvereine, die nichts mehr zahlen können, so leben die Menschen täglich am Existenzminimum, haben meist nicht mal etwas zu essen“, weiß Reinhard Schmidt von den Handballern des VfR Übach-Palenberg.

Letztere wurden auf Shala aufmerksam, als Shala sich als Handball-Fanatiker selbst mit gebrochenem Deutsch und etwas Englisch zum Verein durchtelefonierte. Als Schmidt dann von dem früheren Top-Handballer aus dem Kosovo hörte, der als geduldeter Flüchtling in Geilenkirchen lebt, ging zumindest sportlich alles ganz schnell. „Ich habe ihn dann abgeholt, mitgebracht zum Training, und sofort machte es Klick zwischen Valbon und unseren Spielern“, erzählt Schmidt, der erste Handballer der Übach-Palenberger. Die ebenfalls angebotenen Fußball-Trainings in Geilenkirchen waren nicht das Richtige für den Handballer.

Nun trainiert Shala bei den VfRlern, Kapitän Fabian Pietschmann, der nur ein paar hundert Meter von der Unterkunft der Flüchtlingsfamilie wohnt, nimmt ihn immer mit zum Training. Doch eine Dauereinrichtung wird das wohl nicht werden. Denn Shala und seine Familie gelten als Wirtschaftsflüchtlinge, sollen abgeschoben werden. „Und das alles, weil ein Formular nicht binnen einer Woche unterschrieben wurde“, beschreibt Reinhard Schmidt die heikle rechtliche Lage.

Aber Shalas Sohn, der in Deutschland zur Welt kam und möglicherweise auch wegen der ausgesprochen schlechten Bedingungen in einer Flüchtlingsunterkunft schwer krank ist, ist der Grund, warum die Familie noch nicht ausgewiesen wurde. „Nun wird die Duldung durch den deutschen Staat immer nur monatsweise verlängert“, umschreibt Reinhard Schmidt die Ungewissheit, mit der sich Shala durch sein Leben in Deutschland schlagen muss.

Arbeiten darf er nicht, da er nicht offiziell als Flüchtling anerkannt ist, damit darf er auch nicht im Handballteam spielen, nur trainieren. „Natürlich hätten wir ihn gerne in unseren Reihen, das ist aber nicht unsere Hauptsorge, denn die gilt einzig und allein dem Schicksal der Familie“, macht Schmidt unmissverständlich klar.

Dass Sport nicht nur gut für den Körper ist, sondern auch vielfältige soziale Funktionen erfüllen kann, zeigt der Zusammenhalt bei den Handballern. „Ich will arbeiten“, sagt Shala, und die Trainingskameraden unterstützen ihn, wo sie nur können. Sie wollen einen Deutschkurs für ihn, sie wollen, dass er und seine Familie nicht zurück müssen ins Kosovo, wo sie nur Armut und Elend erwartet, und wo niemand weiß, wie es mit seinem schwer kranken Kind weitergeht.

„Wir wollen Valbon so schnell wie möglich integrieren, und wir hoffen, dass wir ihm helfen können, denn er will nichts geschenkt haben und den Lebensunterhalt für sich und seine Familie selbst verdienen“, so Schmidt.

Und Shala, der bei der jüngsten Saisoneröffnung der Handballer vom VfR Übach-Palenberg richtig mitfieberte und in seinem sportlichen Element war, wünscht sich auch nichts mehr, als hier zu bleiben. „Ich will arbeiten, egal, was es ist“, sagt er, denn er weiß, so kann er seiner Familie vielleicht eine Zukunft in Deutschland ermöglichen. Und so kann er dann endlich auch wieder Handball spielen. Sein Beruf ist der Handball nicht mehr, seine Leidenschaft aber noch immer.

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