Verstopfung: Neue Operationsmethode jetzt auch in Geilenkirchen

Von: Udo Stüßer
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Sie operierten in Geilenkirchen gemeinsam: der Berliner Chirurg Dr. Roland Scherer (links) und der Geilenkirchener Chefarzt Dr. Günter Haselow. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Großer Erfolg für den Geilenkirchener Chefarzt Dr. Günter Haselow: Nach zweijähriger Fortbildung kann er aufwändige Operationen durch die Bauchdecke vermeiden und einen Teil des Enddarms minimal-invasiv durch den Analkanal entfernen.

Viele Betroffene schieben den Gang zum Arzt trotz heftiger Schmerzen auf die lange Bank. Denn groß ist das Schamgefühl. Aber irgendwann lässt sich bei Obstipation, im Volksmund auch Verstopfung genannt, der Besuch eines Doktors nicht mehr vermeiden. Zu stark sind die Bauchschmerzen, zu beschwerlich ist der Stuhlgang, zu unangenehm das permanente Gefühl der unvollständigen Darmentleerung. „Kommen diese Patienten dann über den Hausarzt zu uns, erforschen wir zunächst die Ursache der Erkrankung, denn die kann sehr vielfältig sein“, erklärt Dr. Günter Haselow, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Proktologie des Geilenkirchener St.-Elisabeth-Krankenhauses.

Der Chirurg nennt falsche Ernährung, eine Erkrankung der Nervenstränge, Diabetes, chronisch entzündliche Darmerkrankung, Bewegungsarmut des Darms oder gar Krebs unter anderem zu den Ursachen. So vielfältig die Ursachen sein können, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten der Diagnose. Durch spezielle Untersuchungen müssen Bewegungsstörungen des Darms, durch eine Darmspiegelung Tumore ausgeschlossen werden. Mit Ultraschall kann der Schließmuskel geprüft werden. Unter Kernspintomografiebedingungen kann die Entleerung des Darms im dynamischen Bild festgehalten werden.

„Oft reicht eine Umstellung der Ernährung, die Verordnung von Bewegung oder die bessere Einstellung eines Diabetes-Kranken, die Verstopfung zu beseitigen“, erklärt Haselow. Doch manchmal reichen die konservativen operationsfreien Möglichkeiten nicht aus. Diagnostiziert der Chirurg einen innerlichen oder äußerlichen Darmvorfall oder eine Rectocele (Ausstülpung der Enddarmwand) muss operiert werden. Dies geschah bislang im Geilenkirchener Krankenhaus wie in den meisten Häusern durch einen Schnitt in die Bauchdecke.

Doch diese Zeit ist in Geilenkirchen jetzt vorbei: nach zweijähriger Weiterbildung kann Haselow minimal-invasiv durch den Analkanal einen Teil des Enddarms entfernen (Transtar). „Am nächsten Tag schon laufen die Patienten durch den Garten“, sagt der Chefarzt. Während eine herkömmliche Operation durch die Bauchdecke rund zweieinhalb Stunden dauerte, hat Haselow nun einen Teil des Enddarms innerhalb von 45 Minuten entfernt. Die Verweildauer des Patienten im Krankenhaus sinkt von etwa zwölf Tagen auf sechs Tage.

Seit zwei Jahren beschäftigt sich Haselow mit dieser Operationsmethode, besuchte Fortbildungsveranstaltungen in Hamburg und München. Kürzlich hospitierte er bei der Nummer eins auf diesem Gebiet, bei Dr. Roland Scherer, Chefarzt des Zentrums für Darm- und Beckenboderchirurgie im Krankenhaus Waldfriede in Berlin-Zehlendorf. Gemeinsam mit Scherer hat Haselow in Berlin fünf Patienten minimal-invasiv operiert. Anschließend kam Scherer als „Flying Doctor“, der in Europa, aber auch Indienund weiteren Ländern als Kapazität auf diesem Gebiet gilt, nach Geilenkirchen.

Hier assistierte er Haselow bei dem für den Chirurgen sehr anspruchsvollen Eingriff im OP. „Die Operationen sind von A bis Z perfekt gelaufen“, freut sich der Geilenkirchener Chefarzt, der auch über neue proktologische Untersuchungsräume mit weiteren diagnostischen Möglichkeiten im Krankenhaus verfügt.

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