Übach-Palenberg/Geilenkirchen - Versichertenälteste: Arbeiten wie ein Detektiv

Versichertenälteste: Arbeiten wie ein Detektiv

Von: Wilfried Rhein
Letzte Aktualisierung:
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Er gibt „guten Rat“, wenn es um die Rente geht: Günter Gävert ist einer der ehrenamtlich tätigen Versichertenältesten.

Übach-Palenberg/Geilenkirchen. Eine Nachricht in der Tagesschau über die – für manche sorgenvolle – Entwicklung der Rente, und Günter Gävert richtete sich schon mal auf einen arbeitsreichen nächsten Tag ein. „Ja“, sagt der Versichertenälteste der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See, „solche Rhythmen gibt es immer wieder mal.“

Auf der anderen Seite: „Es ist auch schon mal eine ganze Woche ruhig“, gewinnt der 63-Jährige aus Scherpenseel seiner ehrenamtlichen Tätigkeit auch dieser Phase noch Gutes ab. Schließlich setzt der „gute Rat“ voraus, dass sich die Versichertenältesten umfassend informieren, sei es durch Fachliteratur oder in regelmäßigen Kursen. Auch das erfordert Zeit und Einsatz.

„Das Soziale hat mir immer gelegen“, beschreibt Günter Gävert die Grundvoraussetzung für sein Amt, das er von Zuhause aus erledigen kann. Der gebürtige Palenberger kommt aus dem Bergbau und sagt zurückschauend: „Wenn es noch möglich wäre, ich wäre gerne noch im Bergbau tätig.“

Von 1976 bis 1992 ist er auf Emil Mayrisch in Siersdorf eingefahren; 1987 wurde er in den Betriebsrat des Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV) gewählt. Als die Grube schloss, war auch Günter Gävert dabei, die Folgen für Beschäftigte und Familien abzufedern. Er war dabei, als Norbert Blüm, damals Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, nach Siersdorf kam, saß mit ihm am Tisch.

Schließlich wurden 1250 EBV-Kumpel von RWE („Rheinbraun“) übernommen. Einer von ihnen, der im Tagebau Hambach eingesetzt war, stöhnte Jahre später doch über die hohe Arbeitsbelastung in Verbindung mit seinem Amt als Versichertenältester. Günter Gävert, inzwischen berufsunfähig, übernahm. „Ich habe das im Jahr 2004 erst mal probehalber gemacht, aber nach drei Monaten war ich überzeugt“, erinnert sich der Scherpenseeler.

Vorschlagslisten für die Versichertenältesten werden von den Gewerkschaften erstellt, die Vertreterversammlungen der Sozialversicherer bestätigen dann die Kandidaten auf die Amtszeit von sechs Jahren; neben Günter Gävert wirkt beispielsweise Günter Wagner in Boscheln ebenfalls als Versichertenältester. Der Scherpenseeler hat sich in einem Anbau seines Hauses in der Heerlener Straße ein kleines Büro eingerichtet.

Gesetzestexte, Verordnungen und Paragraphensammlungen füllen die Regale. Günter Gäverts Wahlzeit läuft bis 2017. Da kommen noch einige Lehrgänge auf ihn zu, um fachkundigen Rat zu geben, geht es um Renten-, Kranken- und Pflegeversicherungen.

Er sieht sich als „Bindeglied, Vermittler und Ansprechpartner für die Menschen fast in der Nachbarschaft“. Deshalb sind ihm Hausbesuche auch nicht fremd. „Man kennt sich ja meist“, sagt Günter Gävert, „und manchmal geht es auch schneller als bei mir im Büro.“

Die häufigste Frage geht in Richtung der individuellen Rentenhöhe und ab wann man den Betrag einfordern kann. „Es gibt natürlich auch Leute, die behaupten, ihr Rentenbescheid sei falsch“, schildert Günter Gävert. „Aber in Wahrheit ist der Bescheid richtig, doch das Rentenkonto weist Mängel auf.“

Das versucht der Versicherungsälteste gründlich zu klären. Schwerbehinderung, Erziehungszeiten und viele Details mehr können das realistische Rentenergebnis stark beeinflussen. „Die meisten Versicherten wissen das aber gar nicht“, entschuldigt Günter Gävert manche – für ihn offenkundige – Lücke im Versichertennachweis.

Manchmal kann es detektivisch werden, wenn beispielsweise Einkommensnachweise nicht mehr vorhanden sind. Dann hilft unter Umständen ein Kontakt zum Krankenversicherer aus dieser Zeit, der über die Beiträge das Arbeitsentgelthochrechnen kann. Manchmal muss der Ratgeber aber auch auf Eingenleistung drängen.

So wie bei dem Bauarbeiter, der die Leistungsmeldungen und Arbeitgeberbescheinigungen in einen Schuhkarton gestaucht hatte. „Wenigstens nach Jahresgruppen sollte das schon geordnet sein, hab‘ ich dem Mann geraten.“

Es gibt darüber hinaus einen Berufsstand der Rentenberater, die ihren Dienst gegen Gebühr – Erstberatung 100 bis 200 Euro – anbieten. Damit lässt sich Günter Gävert nicht verwechseln. Im Ehrenamt war er seit 1988 rund 13 Jahre lang Richter an der Arbeitsgerichtskammer in Heinsberg, darüber hinaus von 1998 bis 2003 Schiedsmann in Scherpenseel und Marienberg.

Und drei Jahrzehnte gehört Günter Gävert der SPD in Übach-Palenberg an. „Ich bin weiter politisch interessiert“, sagt der 63-Jährige, „aber nicht mehr öffentlich.“ Als Versichertenältester bleibt er im Kontakt mit Menschen.

Im Durchschnitt suchen monatlich 15 Leute individuellen Rat, die gleich Anzahl benötigt Hilfe bei schriftlichen Anträgen. Der Experte ist stets ansprechbar, sogar beim sportlichen Hobby im Fitnesscenter. „Ja“, bestätigt Günter Gävert, selbst zwischen Laufband und Hantel ist bei mir noch Beratungszeit.“

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