Vernissage: Unvergänglichkeit ist vergebens

Von: Markus Bienwald
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Barbara Göbel (l.) und Elke Katterbach zeigen auf Einladung des Künstler-Forums Schloss Zweibrüggen mit dessen Vorsitzendem Prof. Dieter Crumbiegel ihre fotografischen Arbeiten. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. „Fotografie und Realität scheinen eine Einheit zu sein“, sagte Professor Dieter Crumbiegel bei der Vernissage zur Ausstellung fotografischer Arbeiten von Ellen Katterbach und Barbara Göbel.

Doch das Gezeigte, die teilweise technisch, teils per Bildbeschnitt, Motiv oder per Blickwinkel erzeugte andere Abbildung der Realität, die beiden Künstlerinnen problemlos gelingt, verlangte natürlich nicht nur dem Vorsitzenden des Künstler-Forums Schloss Zweibrüggen eine Erklärung ab.

„Das fotografische Bild ist eben nicht die Realität, sondern ein Bild, ein Bild mit allen gestalterischen Möglichkeiten wie Formen und Farben und Anordnungen auf der Fläche“, so Crumbiegel weiter. Dabei obliege es dem Fotografen, inwiefern er Einfluss nimmt, denn seine Gestaltung sorge für das Abbild, das der Betrachter analysieren muss, um den Inhalt, die Botschaft lesen zu können, sagte Crumbiegel.

Dass sich echte Profis im Erkennen tieferer Strukturen in den beiden vom Forum für diese Ausstellung ausgewählten Künstlerinnen finden, zeigten aber nicht nur die ausgestellten Werke selbst. Auch ein Blick auf die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Künstlerinnen war sehr lohnend. So nutzt Ellen Katterbach keine eigenen Fotos für ihre Arbeiten, sie sammelt vielmehr einfache, alte, von ihren letzten Besitzern schlicht aussortierte Momentaufnahmen. Mit Hilfe eines komplizierten Alterungsprozesses schafft sie nicht nur die von ihr gewünschte Unkenntlichkeit des Abgebildeten, sondern erschafft eine neue, vage Erscheinung, die sich dem Betrachter erst erschließen muss.

„Sie wirken vergänglich, stockfleckig, ihren Verfall dokumentierend, undeutlich zum Müll geworden, wie äußerlich sichtbare Spuren der Vergänglichkeit“, fasste Crumbiegel es zusammen. So schaffe Katterbach den Spagat zwischen dem eigentlichen Sinn eines Fotos, einen vergänglichen Augenblick festhalten zu wollen, und der Vergeblichkeit dieses Unterfangens. „Durch den Prozess der Veränderung ihrer Fotos macht Ellen Katterbach den unscharfen Begriff der Zeit im Bilde zur wahrnehmbaren Realität“, schloss Crumbiegel daraus.

Dass sich Barbara Göbel in ihrem Schaffen ganz andere Gedanken macht, die dennoch um das Problem des Realen kreisen, sagte er auch. So macht sie Ausschnitte des Reellen zu ihrer Wahrnehmung, zu ihrer Kunst. Dabei nutzt sie auch gerne Spiegelungen, schafft so in einem Arbeitsgang aus einem Motiv eine multiple Ansicht eines einzelnen Objekts oder einer Szene und öffnet Schattierungen Tür und Tor.

Eine Nachbearbeitung findet bei ihr nicht statt, vielmehr schafft sie es, im Alltag vielleicht durch die Alltäglichkeit unsichtbar gewordene Dinge durch die Reduktion auf einen anderen Blickwinkel und durch Beschneidung des Abbildes neu darzustellen. „Sie beobachtet intensiv und entdeckt weitere Ebenen der Realität, die genauso real und wahr sind wie die üblicherweise benutzte Darstellung“, unterstrich Crumbiegel.

„Die Ausstellung zeigt uns, wie viel wir sehen können, wenn wir genau hinsehen“, fand auch Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch in seinen einführenden Worten. Was genau die Techniken hinter den Bildern, die Ideen in der Erschaffung und letztlich das eingefangene Licht als Zeuge des Moments im Betrachter auslösen, können Interessierte noch bis einschließlich Sonntag, 23. Oktober, während der Öffnungszeiten, jeweils an Sonn- und Feiertagen zwischen 11 und 18 feststellen. Der Eintritt ist frei.

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