Vergessener Schlüssel gibt Europatour besondere Note

Von: Georg Schmitz
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Julien van de Walle (r.) war in Geilenkirchen „gestrandet“. Für die herzliche Hilfe bei der Bewältigung seines Problems ist er Helga und Walter Ludwig (l.) dankbar. Nun geht‘s weiter durch Europa.

Geilenkirchen. Julien van de Walle steigt in der Sackgasse eines Feldweges neben der Landesstraße 42 am Ortsrand von Geilenkirchen aus seinem fast 20 Jahre alten Peugeot 405 Diesel mit 318.771 Kilometer auf dem Tacho und knallt die Beifahrertüre zu. Auweia, da war doch was, schießt ihm ein Gedanke durch den Kopf. Jawohl, die Autotüren sind zu, und der Schlüssel steckt im Zündschloss!

Der 19-jährige Franzose aus Saint-Astier unweit von Bordeaux steht fernab seiner Heimat neben einem Gebüsch und überlegt verzweifelt, was er tun soll. Nun kommt Walter Ludwig ins Spiel, der von zwei Nachbarinnen, die mit Hund auf dem Feldweg spazieren gingen, auf den hilflosen Weltenbummler aufmerksam gemacht wurde. „Jetzt kann nur noch der ADAC helfen“, war für ihn klar.

Ein Anruf genügte, und eine halbe Stunde später hatte der mit Schleppwagen angereiste „Gelbe Engel“ die Autotüre fachmännisch geöffnet. Dem gestrandeten Franzosen präsentierte er eine Rechnung in Höhe von 85 Euro. Das reißt bei Julien van de Walle ein ordentliches Loch in die Kasse. „Ich bin mit 300 Euro zu Hause losgefahren“, erzählt er Walter Ludwig. Die nun auf ihn zukommenden Kosten würden sein Budget schwer belasten.

Der in der Landwirtschaft tätige Saisonarbeiter zeigt sich sehr unternehmungslustig und beschloss vor einigen Wochen, eine Europatour zu unternehmen. „Ich möchte andere Länder und Kulturen kennenlernen“, sagt Julien und hat auch schon Luxemburg, Belgien und Holland hinter sich gelassen.

Nach fast 1500 Kilometer Strecke war er zu diesem Zeitpunkt in Deutschland unterwegs und fuhr anschließend weiter in die Schweiz und nach Italien. „Ich fahre, so lange das Geld reicht“, schmunzelt er optimistisch. Diesbezüglich haben ihm die zusätzlichen Kosten von 85 Euro einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber glücklicherweise ist Julien in Geilenkirchen gestrandet, denn hier haben die Bürger ein Herz für in Not geratene Menschen. Man erinnert sich an den auf einem Parkplatz an der Umgehungsstraße liegen gebliebenen ungarischen Lkw-Fahrer.

Walter Ludwig und Ehefrau Helga luden den 19-Jährigen am folgenden Morgen zum Frühstück nach Hause ein. Die Eier verschmähte Julien, aber Baguette mit dem schmackhaften Käse „Tete de Moine“ ließ sich der junge Mann nicht entgehen. Der Gastgeber setzte sich mit Bürgermeister Thomas Fiedler in Verbindung, der sofort 30 Euro Unterstützung leistete. Walter Ludwig legte noch 20 Euro drauf, so verblieben für Julien van de Walle noch 35 Euro.

Dem jungen Franzosen ist die ganze Angelegenheit peinlich, aber er ist froh, dass ihm geholfen wird. Zwischenzeitlich hat sich das Schicksal auch in der Nachbarschaft der Ludwigs herum gesprochen. Beim Abschied von Helga und Walter Ludwig fand Julien einen weiteren Fünf-Euro-Schein an seinem Auto, den ein unbekannter Nachbar ihm gespendet hat.

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