Vergeblicher Kampf um Barrierfreiheit

Von: Udo Stüßer
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Heinz Pütz wird am Samstag beim Verbandstag des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Nordrhein mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Heinz Pütz ist sichtlich stolz: Der Behindertenbeauftragte der Stadt Geilenkirchen wird am Samstag beim Verbandstag des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Nordrhein mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

28 Jahre lang hat sich der Geilenkirchener bis zum Jahr 2014 als Hauptvertrauensperson schwerbehinderter Menschen im Geschäftsbereich des nordrhein-westfälischen Finanzministers für die Belange von Blinden und Sehbehinderten eingesetzt. Seit 2014 stellt sich Pütz neuen Aufgaben: Er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Hauptschwerbehindertenvertretung und Schwerbehindertenvertretung der obersten Landesbehörden in NRW. Dies ist der Zusammenschluss der Schwerbehindertenvertretung der nordrhein-westfälischen Ministerien.

So stolz der 61-Jährige, der seit 26 Jahren blind ist, in diesen Tagen auch ist: Wenn er an seine Heimatstadt Geilenkirchen denkt, steht ihm förmlich die Zornesröte im Gesicht. Die kurz vor dem Abschluss stehende Sanierung der Pfarrkirche St. Marien ist es, die ihm schwer im Magen liegt. Der Mann, der in Düsseldorf und Berlin Gehör findet, stößt bei den Verantwortlichen der Pfarrgemeinde auf taube Ohren, wenn es um die Belange behinderter Menschen geht.

Während in Nordrhein-Westfalen jetzt das Gesetz zur Stärkung der sozialen Inklusion auf den Weg gebracht wurde, um die Inklusion von Menschen mit Behinderung zu gewährleisten, fehlt in der Pfarrkirche St. Marien ein barrierefreier Zugang. Sehr zum Ärger von Heinz Pütz: „Es fehlt eine barrierefreie Tür. Aber die UN-Behindertenrechtskonvention gilt auch für die Kirche“, sagt er.

Einen barrierefreien Zugang zur Kirche fordert Pütz schon seit Jahren. „Als der Marktplatz neu gestaltet wurde, habe ich darum gebeten, dass das Pflaster so gelegt wird, dass die Stufe zum Haupteingang überbrückt wird. Da aber die Stufe eine alte Grabplatte ist und unter Denkmalschutz steht, ist das nicht möglich“, blickt Pütz zurück und zeigt auch Verständnis für diese Tatsache.

Die Sanierung der Kirche nach dem Brand nahm Pütz wieder zum Anlass, um für Barrierefreiheit zu kämpfen. Er schlug, wie bereits vor dem Brand, vor, an der Seiteneingangstür einen Taster anzubringen, durch den auch ein Rollstuhlfahrer ohne fremde Hilfe die Tür öffnen könnte. „Für die Sanierung der Kirche nimmt man fast zwei Millionen Euro in die Hand, investiert aber keine 2000 Euro für solch einen Schalter. Mitglieder der Pfarrgemeinde haben mir gesagt, dass wir so etwas nicht brauchen“, ärgert sich Pütz.

Gespräch mit dem Pastor

Auch ein Gespräch mit Pfarrer Peter Frisch sei ergebnislos geblieben. „Er hat mir gesagt, dass er noch nie gesehen hat, dass ein Rollstuhlfahrer alleine kommt“, sagt Pütz und erklärt weiter: „Ein Rollstuhlfahrer kommt nicht alleine ohne fremde Hilfe in die Kirche. Am liebsten würde ich ein Schild aufstellen lassen mit der Aufschrift ‚Hunde und Behinderte müssen draußen bleiben‘.“ Seine Forderung nach einem Taster für rund 2000 Euro nennt er „verhältnismäßig“.

Auf Anfrage unserer Zeitung nimmt Pfarrer Peter Frisch, Pastor an St. Marien, Stellung: „Wir haben einen barrierefreien Zugang. Die Schwingtür hinter der Seiteneingangstür haben wir entfernt, die Eingangstür steht zu den Gottesdienstzeiten offen.“ Und wenn sie nach Beginn des Gottesdienstes im Winter geschlossen ist? „Dann sind genug Leute da, die diese Tür öffnen“, sagt Frisch und will das Thema nicht weiter kommentieren.

Seit 2009 ist Heinz Pütz ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Stadt Geilenkirchen und wird immer dann gehört, wenn es um die Belange behinderter Menschen geht oder wenn sie auch nur indirekt betroffen sind. Dies ist beispielsweise auch für den Neubau oder für die Umnutzung von Geschäftsräumen der Fall. „Alle Geschäfte und öffentlichen Gebäude müssen, sofern sie umgeplant oder neu geplant werden, laut Landesbauordnung und laut dem nationalen Aktionsplan der UN-Behindertenrechtskonvention barrierefrei sein.“, erklärt Pütz. Ansonsten würde die Stadt dem Antrag auf Nutzungsänderung nicht zustimmen. „Damit mache ich mir nicht nur Freunde, aber ich bin meinem Amt verpflichtet. Ich verfolge meine Pläne sehr zielstrebig, auch wenn es manchen Menschen nicht gefällt.“ Ihr Missfallen haben ihm so manche Bürger in anonymen Briefen mit wüsten Beschimpfungen ausgedrückt. „Auch in Sütterlinschrift“, sagt Pütz.

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