Geilenkirchen - Verfahren gegen drei Bandidos vorzeitig eingestellt

Verfahren gegen drei Bandidos vorzeitig eingestellt

Von: Stefan Reiners
Letzte Aktualisierung:
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Großes Polizeiaufgebot am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen drei Bandidos-Mitglieder. Foto: S. Reiners

Geilenkirchen. Das Verfahren vor dem Amtsgericht Geilenkirchen, in dem über die Beteiligung dreier Angeklagter an einem Vorfall aus dem Jahr 2011 vor einer Geilenkirchener Diskothek befunden werden sollte, wurde bereits am zweiten von insgesamt sieben vorgesehenen Verhandlungstagen vorzeitig beendet.

Alle drei Angeklagten sollen damals als Angehörige des Motorradclubs Bandidos in ihren Gangkutten mit mindestens einem Dutzend weiterer Mitglieder versucht haben, durch das Aufbauen einer Drohkulisse das Türstehergeschäft zu übernehmen. Es sei um „territoriale Streitigkeiten“ zu den verfeindeten Hells Angels gegangen.

Georg G. war der Einzige der drei Angeklagten, der im Laufe der mehrere Jahre zurückliegenden Ermittlungen schon einmal eine Aussage gemacht hatte. Demnach sei er zwar dabei gewesen, weil es so angeordnet wurde. Er habe auch seine Kutte befehlsgemäß getragen und gewusst, dass es um die Geltendmachung von Gebietsansprüchen gehe. Er selbst habe aber nichts getan, außer Flagge zu zeigen, und wisse auch nichts über etwaige Drohungen, da er bei keinem Gespräch dabei gewesen sei.

Zu Beginn der Verhandlung wurde G. daher durch Staatsanwalt Michael Jung das Angebot unterbreitet, das Verfahren gegen ihn gegen eine zu zahlende Geldbuße von 1000 Euro einzustellen. Begründet wurde dies unter anderem mit der langen verstrichenen Zeitspanne und den damit einhergehenden Beweisproblemen. Die am ersten Verhandlungstag gesichteten Videoaufnahmen vom betreffenden Abend gäben keinen zweifelsfreien Aufschluss über das Ausmaß der Tatbeteiligung und darüber, inwieweit der Angeklagte gewusst und gewollt unterstützt habe, was die – bereits rechtskräftig vor dem Landgericht Aachen in einem anderen Verfahren abgeurteilten – Haupttäter an Straftaten (Erpressung) begingen. In jedem Falle aber sei die von G. eingeräumte Handlung eine Beihilfe zur versuchten Nötigung, gegebenenfalls gar in einem besonders schweren Falle, wofür das Bußgeld sogar als eher milde zu betrachten sei.

G. nahm das Angebot an, das Verfahren war damit für ihn beendet. Auf Anregung der Vorsitzenden Richterin Corinna Waßmuth wurde ein entsprechendes Angebot auch den beiden anderen Angeklagten – Alfred B. und Frank W. – unterbreitet. Diese mussten dazu jedoch ihr bisheriges Schweigen brechen und zumindest so viel Beteiligung am Geschehen einräumen, wie dies Georg G. getan hatte.

Nach kurzer Unterbrechung der Verhandlung und Rücksprache mit ihren Verteidigern Stefan Krings und Jochen Schumacher stimmten auch B. und W. der Verfahrenseinstellung gegen Zahlung einer Geldbuße von 1000 Euro zu.

Die Staatsanwaltschaft erklärte dieses Vorgehen, das im Zuschauerraum keineswegs auf Zustimmung stieß, vor allem mit prozessökonomischen Gründen. „Hier geht es nur noch um die Kosten“, erläuterte Michael Jung freimütig. Um dann zu ergänzen: „Es macht keinen Sinn, noch weitere fünf Verhandlungstage abzuhalten, wenn am Ende ohnehin nichts anderes dabei herauskommen kann. Das stünde außer Verhältnis.“

Das Argument war nicht von der Hand zu weisen, bedenkt man, dass pro Verhandlungstag aufgrund der Zugehörigkeit der Angeklagten zum Bandenmilieu alleine 21 zusätzliche Polizeibeamte ganztägig abzustellen waren, um die Sicherheit bei Gericht zu gewährleisten.

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