Verengung der Herzkranzgefäße keine „lokale Baustelle“

Von: Udo Stüßer
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Sie referieren zum Thema „Herz in Gefahr“: Berit Baumeister vom Kreissportbund, die Ärztin Cornelia Trockel, Leitender Oberarzt Dr. Stefan Pinger, Chefarzt Dr. Ulrich Sudhues und Assistenzarzt Hans-Peter Reuters (v.l.). Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. „Herz in Gefahr“: Unter dieser Überschrift informieren niedergelassene Ärzte, Mediziner des Geilenkirchener Krankenhauses und weitere Fachleute über eine Volkskrankheit, die unheilbar ist.

„In jedem Jahr werden deutschlandweit 665.000 Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung ins Krankenhaus eingeliefert. In unserem Haus ist es jeden Tag mindestens ein Patient“, erklärt Dr. Ulrich Sudhues, Chefarzt der Kardiologie im Geilenkirchener St.-Elisabeth-Krankenhaus. Und sein Kollege Dr. Stefan Pinger, Leitender Oberarzt in der Kardiologie, warnt: „Die Zahl der Herzerkrankungen nimmt zu.“ Deshalb wollen die Geilenkirchener Klinikärzte mit niedergelassenen Kollegen aufklären und laden zu zwei Informationsveranstaltungen ein.

Der erste Info-Abend findet am Mittwoch, 4. November, 18 Uhr, im Altenheim St. Josef in Übach-Palenberg statt, eine zweite Veranstaltung ist für Mittwoch, 18. November, 18 Uhr, in der Aula des St.-Ursula-Gymnasiums Geilenkirchen geplant. Alle Interessierten sind bei freiem Eintritt eingeladen. Damit die Menschen möglichst lange gesund bleiben, wird an den Abenden auch über einen vernünftigen Lebensstil, über Ernährung und Sport informiert.

Tipps für eine gesunde und schmackhafte Ernährung gibt Elisabeth Elbert von der EM-Ernährungsberatung Mönchengladbach unter der Überschrift „Lang lebe das Herz – Gesundheit geht durch den Magen“. Auch Stefan Pinger rät zu Obst und Gemüse, wenig Fleisch und zweimal in der Woche Fisch, aber auch das Rauchen einzustellen und das Normgewicht einzuhalten.

Wenn es um Bewegung geht, empfiehlt Sudhues vier- bis fünfmal in der Woche eine halbe Stunde moderaten Ausdauersport. „Egal ob Laufen, Joggen, Walken, Schwimmen oder Radfahren. Wichtig ist, dass es Spaß macht“, sagt er. Werbung für die Präventionsangebote des Kreissportbundes macht bei dieser Gelegenheit Berit Baumeister, Fachkraft „Bewegt älter werden in NRW“.

„Unsere Lauf- und Walkingkurse für Neu- und Wiedereinsteiger werden bis zu 80 Prozent von den Krankenkassen bezuschusst“, sagt sie. Und wer nur wenig Lust verspürt, in der Gruppe durch die Lande zu laufen, kann am spielerischen Ausdauertraining in der Halle teilnehmen. Beim Training der Herz-Sport-Gruppe ist auch regelmäßig ein Arzt anwesend. „In diesem Jahr haben wir 16 Übungsleiter für den Herz-Kreislauf-Präventionssport ausgebildet. Weitere Weiterbildungskurse sind im nächsten Jahr geplant“, sagt Berit Baumeister.

Auch die Herzsportgruppe des ATV Geilenkirchen wird ständig von einem Arzt des Geilenkirchener Krankenhauses begleitet. Der misst nicht nur den Puls und den Blutdruck der Teilnehmer und steht für Notfälle bereit. „Viele Teilnehmer haben Beratungsbedarf, Fragen zur Krankheit, zu Medikamenten und zum Lebensstil“, weiß Hans-Peter Reuters, Assistenzarzt in der Inneren Medizin des Geilenkirchener Krankenhauses und einer der Mediziner, die die ATV-Herzsportgruppe begleiten.

Die Bedeutung einer gesunden Lebensweise ist sicherlich den meisten Menschen bekannt. „Aber viele nehmen sich nicht die Zeit, sich die Sportsachen anzuziehen“, weiß Stefan Pinger. Und auch Sudhues hat in vielen Patientengesprächen erfahren: „Die guten Ratschläge wurden nicht befolgt. Aber der innere Schweinehund muss überwunden werden.“

Sind Patienten von einer Verengung der Herzkranzgefäße betroffen, klagen sie über Schmerzen hinter dem Brustbein, über Atemnot bei Anstrengungen, das Treppensteigen fällt ihnen schwer. „In solchen Fällen mache ich zunächst ein Ruhe-EKG, dann ein Belastungs-EKG und eine Ultraschall-Untersuchung“, erklärt Cornelia Trockel, Haus- und Fachärztin für Innere Medizin in Übach-Palenberg. Vermutet sie eine Verengung der Herzkranzgefäße, überweist sie ihre Patienten ins Geilenkirchener Krankenhaus, weil nur eine Herzkatheter-Untersuchung Gewissheit bringen kann.

Diese Untersuchungen nehmen Sudhues, Pinger oder Oberarzt Dr. Yosef Tatros im Erkelenzer Krankenhaus vor, mit dem das Geilenkirchener Hospital seit 2008 kooperiert. Haben die Geilenkirchener Kardiologen 2008 mit zwei Untersuchungstagen in Erkelenz begonnen, so können sie die Infrastruktur bei Bedarf nun täglich nutzen.

„Die Katheterdiagnostik zeigt uns Verengungen und Verschlüsse in den Herzkranzgefäßen“, erklärt Pinger. In den meisten Fällen könnten die Verengungen mit einem Ballon beseitigt werden, dann könne der Kardiologe einen Stent setzen. Je nach Lage der Verengung könnten sie auch medikamentös behandelt werden, in anderen Fällen sei eine Bypass-Operation im Aachener Klinikum erforderlich.

In einem sind sich die Geilenkirchener Kardiologen einig: „Eine Herzkranzverengung ist keine lokale Baustelle, das ganze Gefäßsystem kann betroffen sein. Die Krankheit ist unheilbar. Wir können nur ein weiteres Fortschreiten verlangsamen oder auf dem Niveau halten“, sagen sie unisono. Zehn bis 30 Prozent der Patienten mit Stent haben ihrer Aussage nach Beschwerden. Geweitete Adern könnten sich wieder verengen, neue Engstellen könnten in den Adern entstehen. „Der Verkalkungsprozess schreitet voran, wir können das Risiko stark mindern“, sagt Sudhues.

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