Vereine werden nicht mit Kunstrasenplätzen „gesegnet”

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:

Geilenkirchen. Die Geilenkirchener Stadtverordneten haben großes Verständnis für die Wünsche und Nöte der Vereine. Andererseits haben sie auch stets die städtische Kasse fest im Blick.

Und daraus ist nicht mehr viel zu entnehmen. Deshalb lehnte der Haupt- und Finanzausschuss die beiden Anträge des FSV 09 Geilenkirchen Hünshoven und des FC 09 Germania Bauchem auf Errichtung von Kunstrasenplätzen im Waldstadion Geilenkirchen und im Sportzentrum Bauchem ab.

„Der im Sportzentrum Geilenkirchen-Bauchem vorhandene Tennenplatz ist über 30 Jahre alt. Ein Spiel- und Trainingsbetrieb ist aufgrund des Alters des Tennenplatzes schon nach wenigen Niederschlägen fast unmöglich”, klagt Germania-Geschäftsführer Markus Diederen, der eine aufwendige Renovierung zwar als kostengünstiger bezeichnet, die aber auf lange Sicht wirtschaftlich für nicht vertretbar hält.

Die jährlichen Unterhaltungskosten eines Tennenplatzes seien wesentlich höher als die eines Kunstrasenplatzes, andererseits sei die mögliche Nutzungszeit bei einem Kunstrasenplatz in Stunden gemessen fast doppelt so hoch wie bei einem Tennenplatz.

Diederen macht darauf aufmerksam, dass in den Wintermonaten der Bauchemer Platz auch von anderen Vereinen zu Trainingszwecken und für den Spielbetrieb genutzt wird. Durch die Errichtung eines Kunstrasenplatzes würden die vorhandenen Naturrasenplätze der einzelnen Vereine im Stadtgebiet entlastet und die laufenden Unterhaltskosten reduziert. „Darüber hinaus würde der Kunstrasenplatz den Schulen der Stadt Geilenkirchen für Trainingszwecke zu jeder Witterung und Jahreszeit zur Verfügung stehen.”

Ins gleiche Horn stößt FSV-Vorsitzender Harald Kehmer. Der Rasen- und Aschenplatz im Waldstadion werde 60 Stunden pro Woche benutzt. Gespräche der FSV-Jugendabteilung mit den örtlichen Schulen mit dem Ziel, Fußball-AGs vor dem Hintergrund zunehmender Ganztagsbetreuung einzurichten, seien wegen des mangelhaften Zustands der Sportstätten vorerst zurückgestellt worden. „Leider sind beide Plätze nicht in der Lage, dieser hohen Beanspruchung Stand zu halten”, klagt er. Der Aschenplatz ähnele im Sommer einem „Sandkasten”. Im Winter lasse er keinen vernünftigen Trainings- und Spielbetrieb zu.

Keine Jugendspiele

Kehmer macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Der Deutsche Fußball-Bund plant, dass ab dem Jahr 2011 keine Jugendspiele mehr auf Aschenplätzen ausgetragen werden dürfen. Der Rasenplatz sei in der Vorkriegszeit ohne Drainage angelegt worden. „Seit Jahren ist er in der Zeit von Ende Oktober bis in den April hinein praktisch unbespielbar.” Und: „Seit Jahren fallen im Herbst und Winter viele Heimspiele unserer 1. Seniorenmannschaft den schlechten Platzverhältnissen zum Opfer und müssen im April und Mai in der Woche nachgeholt werden.”

Nachdem die Verwaltung die Kosten für die Errichtung eines Kunstrasenplatzes mit 600.000 Euro beziffert hatte, sah CDU-Fraktionsvorsitzender Wilhelm-Josef Wolff keinen Spielraum, eine solche Maßnahme zu verwirklichen. „Aber es ist keine Ablehnung auf ewige Zeit.” Bürgerlisten-Fraktionschef Christian Kravanja sprach sich grundsätzlich für Kunstrasenplätze aus, sah aber in den hohen Kosten ein Problem. „Wenn man ein oder zwei Vereine damit segnet, treten wir eine Lawine los. Die Verwaltung sollte sich über ein Sportstättenkonzept Gedanken machen.”

SPD-Fraktionschef Horst-Eberhard Hoffmann wies auf das Konjunkturpaket II hin. Hierfür hat der Stadtrat bereits die Maßnahmen bestimmt. „Von der Mehrheitsfraktion wurde eine andere Klientel bedient. Uns ging es um die Grundschul-Turnhalle Gillrath und um eine Laufbahn in der Stadt”, sagte Hoffmann.

Der Stadtsportverband wisse gar nichts von dem Bauchemer Antrag und befürworte die Prioritätenliste der SPD. „Aber ich bedauere auch den Zustand unserer Fußballplätze”, erklärte Hoffmann und forderte ebenso wie Kravanja eine Prioritätenliste.

Grünen-Sprecher Jürgen Benden bedauerte, „Unsere Stadt ist fußballlastig.” Und: „Wir haben auch andere tolle Sportarten.”

Warum müssten die Leichtathleten auf der Base trainieren, wollte er wissen und beklagte, dass das Inventar der Bauchemer Sorthalle in schlechtem Zustand sei. Auch er forderte eine Analyse der Sportstätten. Während sich Nicole Laumen (FDP) der Stimme enthielt, lehnten alle Fraktionen die Anträge ab.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert