Vandalismus durchkreuzt den Wahlkampf

Von: André Schaefer
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In der Mitte zerrissen: Auch das Grünen-Plakat ist als solches nicht mehr zu erkennen.
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Die Kabelbinder zertrennt, das Plakat zerrissen und am Rande der Straße ins Gebüsch geworfen: Die FDP aus Geilenkirchen ist nicht das einzige Opfer von Vandalismus. Foto: André Schaefer

Geilenkirchen/Gangelt. Er hat längst begonnen, der Wahlkampf. Selbst den letzten Politikverdrossenen dürfte diese Nachricht angesichts der offensiven Plakatierung der einzelnen Parteien inzwischen erreicht haben.

Seit dem 13. April ist es offiziell gestattet, Wahlplakate für die anstehenden Kommunal- und Europawahlen auf öffentlichen Plätzen aufzustellen. Kaum ein Straßenschild und kaum eine Laterne ist seitdem von bunten Pappbildern und auffälligen Wahlsprüchen verschont geblieben.

Auch Wilfried Kleinens Gesicht ziert in diesen Tagen die Geilenkirchener Innenstadt. Das Mitglied der CDU-Fraktion kandidiert für den Innenstadtbereich. Auf seinem täglichen Weg zur Arbeit kommt es hin und wieder vor, dass Kleinen einige seiner persönlichen Wahlplakate passiert. Für einen kurzen Moment schaut er sich dann quasi selbst in die Augen.

Dabei stellt sich – nicht nur für Kleinen – die Frage, wie lange das noch möglich ist. Denn während die Parteien in diesen Tagen bei den Bürgern um jede einzelne Stimme buhlen, droht ihnen bereits jetzt mehr denn je die Gefahr, von der Bildfläche zu verschwinden. Und zwar im wörtlichen Sinne. Fest steht jedenfalls: Mit dem Wahlkampf und der Anbringung der Wahlplakate hat rund um Geilenkirchen auch der Vandalismus zugenommen.

Nicht einmal eine Woche hat es gedauert, da mussten einige Parteimitglieder bereits ihre zerstörten Wahlplakate in der Ecke aufsammeln. Während die Geilenkirchener FDP eines ihrer Wahlplakate in diesen Tagen zerrissen am Rande des Mausbergs im Gebüsch wiederfindet, ist auf dem Theodor-Heuss-Ring kaum noch zu erkennen, dass es sich bei dem Pappschild um ein Wahlplakat der Grünen handelt.

Von Wilfried Kleinen ist hingegen an manchen Stellen in Geilenkirchen sogar gar nichts mehr zu erkennen: Ganze fünf seiner 20 persönlichen Wahlplakate sind nicht zerstört, sondern spurlos verschwunden. „Das ist natürlich sehr ärgerlich, wenn sich jemand einen Spaß daraus macht, Wahlplakate zu stehlen. Aber im Grunde handelt es sich dabei ja um ein altes Pro-blem“, sagt er.

Keine Aussicht auf Erfolg

Dieser Meinung ist auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Benden. Ganze 400 Wahlplakate haben die Grünen-Mitglieder fleißig entlang der Geilenkirchener Straßen befestigt. „Am Tag der Kommunalwahl hängt dann vielleicht noch die Hälfte der Plakate“, bedauert Benden. „Es ist schon auffällig, dass dies zunimmt und sich immer mehr Leute einen Sport daraus machen, diese Plakate zu zerstören, zu bemalen oder sogar zu stehlen.“

Auch in Gangelt beklagt man den zunehmenden Vandalismus an Wahlplakaten. „Das ist Diebstahl, ganz einfach“, sagt Roger Schröder, Vorsitzender der Unabhängigen Bürger (UB) Gangelt. Fünf Plakate der parteilosen Wählergemeinschaft wurden über Ostern zerstört beziehungsweise entwendet. Anfang der Woche stellte die UB Gangelt Strafanzeige wegen Diebstahls und Sachbeschädigung. „Wir haben nicht die finanziellen Mittel wie die großen Parteien. Die Wahlplakate haben wir aus eigener Tasche finanziert. Der Verlust oder das Beschädigen eines Plakats trifft uns daher besonders schwer“, sagt Schröder.

Rund 150 Plakate machen in Gangelt auf die Wählergemeinschaft aufmerksam. Knapp über 1000 Euro wurden dafür investiert. „Wir haben noch ein paar Plakate in Reserve, aber die Mainacht steht noch bevor“, befürchtet Schröder erneute Sachbeschädigungen. Zu weiteren Strafanzeigen anderer Parteien wird es mit großer Wahrscheinlichkeit hingegen nicht kommen.

Zu niedrig sei die Aussicht auf Erfolg, heißt es seitens der überwiegenden Mehrheit der Politiker. Ein Vorfall aus Heinsberg, bei dem zwei Jugendliche kürzlich beim Abbrennen eines Wahlplakats von den Beamten auf frischer Tat ertappt wurden, gehört eher zur Ausnahme. „Das Delikt an sich, dass Plakate zerstört und entwendet werden, ist uns natürlich nicht ganz unbekannt. Strafanzeige wird allerdings so gut wie nie gestellt“, verrät Polizeisprecher Karl-Heinz-Frenken.

In einem Punkt ist man sich seitens der Parteien jedenfalls einig: Hinter den zahlreichen Straftaten wird keineswegs die Konkurrenz vermutet. „Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Das ist blinde Zerstörungswut, mehr nicht“, sagt Roger Schröder. Zugegeben: Alles andere wäre wohl auch ein bisschen zu viel Wahlkampf.

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