Ursprüngliche Aborigine-Kunst im Schloss Zweibrüggen

Von: Danielle Schippers
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Schon zur Eröffnung der Ausst
Schon zur Eröffnung der Ausstellung (bis zum 29. Juli) stieß das außergewöhnliche Angebot an Kunst, nämlich die der Ureinwohner Australiens, auf großes Interesse. Foto: Danielle Schippers

Übach-Palenberg. Der Name der Ausstellung „Touching Ground” („Den Boden, den Ursprung berühren)” trifft die Intention der Aborigine-Künstler auf den Punkt. Denn in diesen tiefsinnigen und lebensfrohen bunten Werken haben talentierte Männer, aber vor allem Frauen, ihre Ahnengeschichte und die enge Verbindung zu ihrem Heimatland Australien und der Natur des verewigt.

Zu diesem Anlass haben vier Künstlerinnen aus dem Kunstzentrum Warnayka Art im Northern Territory von Australien ihre erste Auslandsreise angetreten, um ihre Bilder in Paris, Übach-Palenberg und danach in Polen zu präsentieren. Zur Eröffnung zelebrierten die Frauen aus dem Outback einen traditionellen Tanz für die Gäste.

Die Kunst der Ureinwohner Australiens blieb lange Zeit, wie auch ihr gesamtes historisches Schicksal, unbeachtet. Erst in den 1970er Jahren kam weltweit Interesse für diese erstaunlich modernen Bilder und Skulpturen auf. Zuerst nur für männliche Kunst, aber heute wird immer mehr die Sichtweise und Kreativität der Frauen gefragt. Bei Auktionen werden sechsstellige Preise für „Aboriginal Art” erzielt.

Um die Bilder der Ausstellung zu verstehen, darf man sie nicht mit westlichem Verständnis betrachten. Die Motive bestehen aus mehreren Schichten. Die Künstler tragen zuerst eine einheitlicher Farbe auf, meist schwarz, weiß oder erdige Töne. Diese Schicht ist sozusagen das tiefste Geheimnis des Künstlers. Dann beziehen sie sich abstrakt auf ein Thema, das ihnen wichtig ist. In dieser Ausstellung beispielsweise auf ihre Ahnen und ihre Heimat.

Jeder Aborigine bekommt bei der Geburt ein „Dreaming”, also einen Traum, ähnlich eines Totems, das sie ihr Leben lang begleitet und ihre Ahnengeschichte beinhaltet. Frauen haben meistens fruchtbare Dreamings, etwa Samen, Früchte oder Tiere. Die Männer tragen eher kämpferische Zeichen. Diese sind in den Kunstwerken dargestellt. Es gibt auch einige Grundthemen, die verarbeitet werden, beispielsweise Feuer, Regen, Tierspuren oder traditionelle Arbeitsgeräte. Außerdem wirken die Bilder häufig wie Landkarten oder wie bestimmte Regionen von oben gesehen.

Die Künstlerinnen und ihre Werke nach Deutschland geholt, hat Brit Susann Hanstein aus Übach-Palenberg. Sie hat bei einem langen Australien-Aufenthalt ihre Passion für die farbenfrohe Kunst der Aborigines entdeckt und eine Galerie eröffnet, die in Übach-Palenberg und Melbourne vertreten ist. Ihre Galerie setzt sich sehr für fairen Handel und ethnisch korrekten Umgang mit den indigenen Einwohnern Australiens ein.

Brit Susann Hanstein zeigte sich „unendlich glücklich, diese fantastischen Künstler und ihre Werke hier im Outback Deutschlands” zu Besuch zu haben: „Die Ureinwohner haben mir, auch durch ihre Kunst, so viel gegeben, das kann ich ihnen niemals im Leben zurück geben.”

Die Galeristin betont vor allem, dass es unglaublich sei, wie viel Energie und Lebensfreude diese Bilder ausstrahlen. Denn die Aborigines, auch die Frauen, die gerade ihre Ausstellung begleiten, haben unter schwierigsten Bedingungen gelebt und sehr viel Härte erfahren. Sie wurden von ihrem Land vertrieben, zwangsweise in Reservate und die Städte umgesiedelt, ihnen wurden Kinder weggenommen und „modern” erzogen, fast wäre ihre uralte Kultur und die tiefe Beziehung zur Natur verloren gegangen, hieß es.

Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch ist ein bekennender Anhänger dieser modernen Kunstform. Seit ihm im vorigen Jahr ein Bild von der Ausstellung „New Beginnings”, auch im Schloss Zweibrüggen, überlassen worden war, ziert es sein Büro. „Ich kann es so jeden Tag genießen, und ich wünsche allen Besuchern genauso viel Freude und Inspiration durch diese Bilder.” Zudem freute er sich über die außergewöhnliche Kunstform in Übach-Palenberg: „Eine großartige Sache, ich bin sehr stolz dass Frau Hanstein sich so engagiert. Das sind große Künstler, die auch in Paris begehrt sind und diese lange Reise auf sich nehmen, um den Bürgern hier ihr Sichtweise näher zu bringen. Das ist genial.”

Die Ausstellung, zu sehen bis zum 29. Juli, steht unter der Schirmherrschaft der Australischen Botschaft in Berlin und wird durch das Kulturprogramm der Stadt Übach-Palenberg unterstützt. Stellvertretend für den Botschafter Peter Tesch hatte Daniel Lawlor, Rechtsanwalt aus Australien und in Bonn lebend, die Ausstellung eröffnet. Er hob die spirituelle Bedeutung dieser Kunstwerke hervor. Die Aborigines haben eine tiefe Verbundenheit zu ihrem Land, zu Steinen, Wasser und zu ihren Ahnen, was dem Westeuropäer eher fremd ist, schilderte der Anwalt. Die ältesten Felsmalereien der Ureinwohner seien tausende Jahre alt.

Maria Cybulski, eine Besucherin der Ausstellung, hatte 30 Jahre lang mit ihrem Mann in Australien gelebt, seit 1990 sind beide zurück nach Übach-Palenberg. Maria Cybulski ist begeistert von der Ausstellung: „Ich kenne Australien sehr gut und sammle diese Kunst. Aber diese regionale Kunst hier von Frauen ist auch mir neu. Eine großartige Erfahrung.”

Bis zum 29. Juli können Interessierte die Ausstellung „Touching Ground”, mit den Bunten und tiefsinnigen Bildern der Aborigine-Künstler im Schloss Zweibrüggen bewundern. Danach werden die Werke noch im neuen Glasanbau des Carolus Magnus Centrums für Umwelttechnologie ausgestellt sein, bevor sie weiter nach Polen reisen.
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