Geilenkirchen - Unternehmerwettbewerb: Bestatter ist jetzt selbstständig

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Unternehmerwettbewerb: Bestatter ist jetzt selbstständig

Von: Jan Mönch
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Vom Kraftfahrer zum Bestattungsunternehmer: Die Laufbahn von Gerhard Schmitz ist in mancherlei Hinsicht ungewöhnlich. Foto: Jan Mönch
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So bestattet man heute: links ein Bio-Exemplar, das sich nach kurzer Zeit auflöst. Die schwarze Urne in der Mitte ist für ehemalige Bergleute vorgesehen, das Exemplar rechts dient für Seebestattungen. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Der Tod gehört zum Leben. Prinzipiell hat sich diese unumstößliche Tatsache ja längst herumgesprochen, verdrängt wird sie dennoch oft. Das findet jedenfalls Gerhard Schmitz. Auch aus diesem Grund befindet sich sein Bestattungsunternehmen nicht etwa in einem Vorort oder einer stillen Seitenstraße, sondern mitten in der Fußgängerzone.

„Ich bin hingegangen, wo das Leben ist“, sagt der 50-Jährige. Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist Schmitz offiziell selbstständig, im April eröffnete er sein Ladenlokal in der Gerbergasse.

Schmitz ist der Beweis dafür, dass man nicht unbedingt schon in jungen Jahren dem Ruf der Selbstständigkeit folgen muss. Und ein geborener Geschäftsmann zu sein, schadet zwar sicherlich nicht, ist aber kein absolutes Muss.

„Ich musste mir das alles neu aneignen“, gibt er zu. Dabei half auch die Teilnahme am Gründer- und Wachstumswettbwerb AC², wo er es zwar nicht aufs Treppchen schaffte, aber dennoch wertvolle Erfahrungen sammelte – etwa durch die Beratungsgespräche. „Zu meiner Mentorin habe ich heute noch Kontakt“, berichtet Schmitz.

Dass Schmitz nicht mehr der Allerjüngste ist, legt die Vermutung nahe, dass ihn einige Umwege dahin führten, wo er heute steht. Und in der Tat: Gelernt hat Schmitz vor langer Zeit Maler und Lackierer, nach seinem Wehrdienst wurde er jedoch zunächst Zeitsoldat, dann Kraftfahrer. In einem Tunnel bei Bozen erlitt er vor einigen Jahren bei voller Fahrt einen Schlaganfall, war dem Tod selbst also durchaus einigermaßen nahe.

Einen Unfall konnte er zwar so gerade verhindern, und er wurde auch wieder gesund. Lkw fahren durfte er jetzt aber nicht mehr. Einer der Berufe, die in Frage kamen, war der des Bestatters – und noch bevor Schmitz seine Ausbildung (als Fünftbester seiner Klasse) abschloss, wusste er, dass er in die Selbstständigkeit gehen will.

Ein Entschluss, den er bislang nicht bereut: „Ich treffe meine eigenen Entscheidungen, bin selbst verantwortlich und niemandem Rechenschaft schuldig“, sagt er und blickt sich dabei sehr zufrieden in seinem in gedeckten Tönen gehaltenen Ladenlokal um.

Schmitz’ Berufsfeld ist in einiger Hinsicht ein Besonderes. Beispielsweise ist das Geschäft mit dem Tod eines, bei dem sich die Zielgruppe nicht vergrößern lässt, jedenfalls nicht auf legale Weise. Dennoch glaubt Schmitz, nach seinen ersten Erfahrungen als Geschäftsmann zwei grundlegende Tipps in petto zu haben, die jeder beherzigen sollte: vom Veranstaltungsmanager über den Bäcker bis zum IT-Fachmann.

Der erste lautet: „Bloß nichts übers Knie brechen.“ Stattdessen Informationen sammeln, Informationen auswerten, und nicht zuletzt für Informationen auch ruhig mal zahlen. Sie könnten ihr Geld wert sein – diese Erfahrung hat Gerhard Schmitz gemacht. Und vor allen Dingen sollte man sich auf keinen Fall als erstes einen Gewerbeschein besorgen.

Denn sobald man diesen hat, weiß Schmitz, gebe es keine staatliche Förderung mehr. Und zweitens, sagt Schmitz, sollte man sich auf keinen Fall entmutigen lassen. Die erste Bank, bei der er vorstellig wurde, lehnte ihn nämlich ab. Die zweite nahm ihn mit Kusshand an. Man muss am Ball bleiben, hat er daraus gelernt.

Davon abgesehen zählt natürlich Aufmerksamkeit. Die musste auch Schmitz auf sich ziehen, ohne aufdringlich zu werden. Den Sarg im Schaufenster hält er für nicht mehr zeitgemäß. Bei ihm ist stattdessen eine Art Mini-Austellung zum Thema mittelalterliche Bestattungskultur zu sehen, drinnen hängen an den Wänden Werke des Fotokünstlers Jörg Ewald.

Einen besonders ungewöhnlichen Clou leistete Gerhard Schmitz sich bei der Eröffnung: Ein Berliner Kabarettist trat als „der Tod“ auf. Bestattungswesen und Humor – eine ungewöhnliche und auch durchaus gewagte Mischung. Doch sie kam an, ist Schmitz sicher.

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