Übach-Palenberg - Unter Kaiser Wilhelm II. geboren: Jubilarin wird 103 Jahre alt

Unter Kaiser Wilhelm II. geboren: Jubilarin wird 103 Jahre alt

Von: Renate Kolodzey
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In ihrem Geburtsjahr feiert der deutsche Kaiser Wilhelm II. sein 25-jähriges Regierungsjubiläum: Katharina Willich ist 103 Jahre alt. Foto: Renate Kolodzey

Übach-Palenberg. Urgestein Willy Brandt wurde im gleichen Jahr wie Katharina Willich geboren, der englische Komponist Benjamin Britten sogar am gleichen Tag wie sie – am 22. November 1913. Bei ihrem diesjährigen Wiegenfest wurde die Jubilarin 103 Jahre alt.

Viel erlebt und vor allem „überlebt“ hat Katharina Willich – unter anderem zwei mörderische Weltkriege. Jedoch hat sie sich, wie sie erzählt, „nie unterkriegen lassen und immer allen Widrigkeiten getrotzt“. Bei ihren Schilderungen ruft sie Zeiten wach, die wir nur aus Geschichtsbüchern kennen, denn ihr Geburtsjahr war das letzte Jahr vor Beginn des Ersten Weltkrieges.

Zu jenem Zeitpunkt feierte der deutsche Kaiser Wilhelm II. sein 25-jähriges Regierungsjubiläum, die Romanows in Russland blickten auf eine 300-jährige Herrscher-Dynastie, und Österreichs Kaiser Franz-Josef lenkte die Geschicke seines Landes. Jedoch mündeten die Konflikte auf dem Balkan in den Ersten Weltkrieg, den Katharina Rose, wie die Jubilarin damals hieß, als kleines Kind in Essen überlebte. Hier wurde sie geboren und verbrachte ihre Kindheit mit drei Geschwistern.

Ein Rückblick auf das Geburtsjahr der 103-Jährigen zeigt, dass vieles, was uns heute selbstverständlich erscheint, damals hart erkämpft werden musste, etwa das Frauenwahlrecht. Freizeit gab es für die arbeitende Bevölkerung höchstens am Sonntag, und ein Industriearbeiter verdiente im Jahr rund 1450 Mark. Kein Wunder, dass die damaligen Automobile zum Preise von rund 10000 Mark Luxus waren. Die meisten Personen fuhren im Geburtsjahr von Katharina Willich mit der Eisenbahn. Flugzeuge gab es nur im Postdienst, ansonsten gehörte die Luft den Zeppelinen.

Was Universitäten betraf, wurde schon 1913 über eine „Studentenschwemme“ geklagt, wobei der weibliche Anteil nur 5,6 Prozent betrug. Skurril mutet es an, dass einige Universitäten ein „Damenzimmer“ besaßen, in dem Studentinnen vor häufigen Belästigungen durch Kommilitonen und Professoren geschützt werden sollten. Was uns heute eher schmunzeln lässt, ist eine Anweisung Kaiser Wilhelms II., die Offizieren des deutschen Militärs bei Strafe verbot, in Uniform Tango zu tanzen, da dieser Tanz als unsittlich galt.

Doch zurück zu unserer Jubilarin: Nach der Schule absolvierte sie eine Lehre als kaufmännische Angestellte, wie sie erzählt, und mit 18 Jahren zog sie mit der Familie nach Übach, wo ihr Vater eine Arbeit als Bergmann auf der Zeche Carolus-Magnus aufnahm. Seine Tochter Katharina fand in nahen Holland eine Beschäftigung in ihrem erlernten Beruf. Dort lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen, einen deutschen Musiker, der in einer Tanzkapelle Klavier spielte. „1934 heirateten wir und lebten ab diesem Zeitpunkt in der Bahnhofstraße 16“, erklärt die 103-Jährige. Drei Jungen krönten ihr Glück, doch leider fiel der Ehemann im Zweiten Weltkrieg, und die Jubilarin musste ihre Kinder alleine großziehen, wobei ihre Eltern sie unterstützten, berichtet sie. Sie fand eine Arbeit im Geilenkirchener St. Elisabeth-Krankenhaus, zunächst in der Küche, dann als Schwesternhelferin, und schließlich machte sie ihr Staatsexamen als Krankenschwester. „Meine Söhne sind inzwischen leider alle verstorben, zwei davon in jungen Jahren“, resümiert die Jubilarin wehmütig, „einer starb an Typhus, einer trat auf eine Mine, und der jüngste überlebte 2004 einen Gehirnschlag nicht.“

Das liebste Hobby von Katharina Willich ist heute das Lesen. Sie sei eine richtige Leseratte, gibt sie zu, habe jedoch erst als Rentnerin damit angefangen, da ihr vorher die Zeit dazu fehlte. Auch besuche sie regelmäßig die Messe im St. Josef-Seniorenheim in Übach, wo sie seit nunmehr fünf Jahren lebt. Hier fühle sie sich sehr wohl und freue sich, dass man liebevoll auf ihre Bedürfnisse eingehe, „Ich bekomme viel Gemüse, weil man weiß, dass ich das gerne esse“, betont sie, „am liebsten mag ich Sauerkraut, Bohnen und Möhren.“

Zum Geburtstag wünsche sie sich immer Sauerbraten mit Knödeln und Rotkohl, doch jetzt freue sie sich erst einmal auf das Weihnachtsfest.

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