Unsichere Zukunft: Immer mehr Höfe machen dicht

Von: Katrin Fuhrmann
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Tag für Tag verliert die Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen 12,8 Hektar Fläche. Foto: Stock/Blickwinkel
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Geilenkirchen. Arbeiten bei Wind und Wetter, keine geregelten Arbeitszeiten, rund um die Uhr die Tiere versorgen, auf den Urlaub verzichten und auch bei eisigen Temperaturen raus auf den Acker: Das Leben der Bauern ist nicht einfach und wird auch in der Region zunehmend schwerer.

Zum einen, weil die Flächen immer knapper werden, zum anderen, weil der Nachwuchs der Generationsbetriebe immer häufiger einen anderen Weg einschlägt.

„12,8 Hektar Fläche verliert die Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen derzeit pro Tag. Die Konsequenz sind steigende Pachtpreise und der Rückgang der heimischen Produktion“, sagt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Heinsberg, Bernhard Conzen. Jedes Mal wenn eine Fläche abgegeben wird, muss unter Umständen auch der Viehbestand verringert werden“, ergänzt Conzen.

Je weniger Fläche man also habe, umso weniger Tiere könne man halten, je weniger Tiere man halte, umso geringer seien dementsprechend die Erträge. Das ginge dann immer so weiter. Mittlerweile sei man zudem an dem Punkt angelangt, an dem sich alle Sektoren auf dem absteigenden Ast befinden, beklagt Corsten. Mag heißen: Nicht nur der Ackerbau und die Tierproduktion, sondern auch die Sonderkulturen, wie beispielsweise Spargel oder Erdbeeren, gehen immer weiter zurück.

Derzeit gäbe es in Geilenkirchen, Übach-Palenberg und Gangelt eine Fläche von 37.000 Hektar, die die Bauern bewirtschaften könnten. Den größten Teil nimmt das Getreide mit 15.200 Hektar ein. Zuckerrüben lägen bei 6443 Hektar und die Kartoffeln bei 3468 Hektar.

Viele Landwirte versuchen mitunter, durch ein zweites Standbein weitere Einnahmen zu sichern. Da gebe es mittlerweile viele Nischen. Vor allem Hofläden und die Fleischvermarktung auf dem eigenen Hof seien sehr beliebt. Doch sichert das auch die Existenz? Fragt man Conzen, könnte die Antwort eindeutiger nicht sein. „Es wird für die landwirtschaftlichen Betriebe immer schwieriger allein die Produktionskosten zu erreichen“, sagt er.

Die Zahlen, die unserer Zeitung von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen vorliegen, zeigen zwar keine „dramatischen Veränderungen“, aber ein Rückgang der Betriebe ist deutlich zu erkennen. Zum Vergleich: 1998 hat es in Gangelt 81, in Geilenkirchen, 137 und in Übach-Palenberg 37 landwirtschaftliche Betriebe gegeben. Heute gibt es in Gangelt nur noch 71, in Geilenkirchen 105 und in Übach-Palenberg 32 landwirtschaftliche Betriebe. Es sind dabei nur Betriebe berücksichtigt, die einen Antrag für EU-Flächenprämien gestellt haben. Es gäbe aber laut der Landwirtschaftskammer auch Betriebe, die diese Anträge nicht stellen, weil ihnen das Antragsverfahren zu aufwendig ist.

Generell werden Daten auf Gemeindeebene selten erhoben. Und Conzen weiß aus seiner täglichen Arbeit, dass immer mehr Bauernhöfe dicht machen müssen. Der Druck auf die Landwirte steige zunehmend. Ein wichtiger Faktor sei außerdem das Wetter. „Die Bauern können das Wetter nicht beeinflussen, also können wir jedes Jahr nur aufs neue hoffen, dass das Wetter mitspielt und die Ernte gut verläuft“, sagt Katharina Schmitz, Geschäftsführerin der Kreisbauernschaft. Das mache Kalkulationen natürlich sehr schwierig.

Zunehmend werde von Seiten der Politik suggeriert, dass günstigere Lebensmittel wie Eier, Fleisch und Milch genauso gut seien, wie beispielsweise die von den hiesigen Landwirten. „Ich habe das Gefühl, dass die Arbeit und die Produkte der Landwirte nicht mehr so gewürdigt werden wie früher“, sagt Conzen. Viele Verbraucher würden eher günstig, statt nachhaltig einkaufen. Daher werde es für die Bauern auch immer schwieriger zu vermitteln, warum ihre Produkte vielleicht etwas teurer sind – dafür aber nachhaltiger und qualitativ besser.

Wer sich dennoch für den Beruf des Bauers entscheidet, tut dies meist aus Leidenschaft, aus der Liebe zur Natur und dem Wille unabhängig zu sein. Eine ordentliche Portion Engagement sei zudem von Nöten.

Keine geregelten Arbeitszeiten und Arbeiten bei Wind und Wetter – das sei nicht jedermanns Sache, weiß Conzen.

„Aber wer sich für die Laufbahn des Landwirtes entscheidet, verwirklicht sich selbst. Er hat alle Freiheiten der Welt“, sagt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Heinsberg.

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