Kreis Heinsberg - Unfallkommission soll Straßennetz sicherer machen

Unfallkommission soll Straßennetz sicherer machen

Von: Jan Mönch
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Sie sind Teil der Unfallkommission: Michael Okuhn von der Polizeidirektion Verkehr, Alfred Theißen und Heinz Winkens vom Straßenverkehrsamt und Michael Okuhns Kollege Hans-Günter Reischert.

Kreis Heinsberg. Am 10. Februar 2011 knallte es um exakt 8.25 Uhr auf der Landesstraße 19 bei Erkelenz. Am 21. Juni desselben Jahres wieder. Ebenso am 6. Juli, am 19. September und am 16. Dezember. Fünf Unfälle innerhalb eines Jahres, von denen zwei mit Schwerverletzten endeten, immer an der gleichen Stelle: am Zubringer auf die Bundesstraße 57.

Weil auch der Ablauf fast immer der gleiche war – ein Linksabbieger, der auf die Auffahrt wollte, kollidierte mit dem Gegenverkehr – waren die Voraussetzungen für eine Einstufung als Unfallhäufungspunkt gegeben. Das ist bis heute so. Bei der beschriebenen Stelle handelt es sich um eine von 27 Unfallhäufungsstellen im Kreis (Stand: April 2014), mit ihnen hat sich die Unfallkommission zu beschäftigen.

Mitglieder der Unfallkommission sind das Straßenverkehrsamt (federführend), die Bezirksregierung Köln, die Polizei und die Straßenbaulastträger. Außerdem werden die Ordnungsämter von Städten und Gemeinden beteiligt. Die Zuständigkeit betrifft sämtliche Straßenklassen vom Wirtschaftsweg bis zur Bundesstraße – ausgenommen ist lediglich die Autobahn. Wichtig ist: Die Unfallkommission ist kein ausführendes Organ und verfügt dementsprechend auch nicht über eigene finanzielle Mittel. Umsetzung und Finanzierung der erarbeiteten Vorschläge liegen beim jeweiligen Straßenbaulastträger. Und erfreulich ist: Zwischen den Jahressitzungen im April 2013 und im April 2014 ging die Zahl der Unfallhäufungspunkte von 34 auf 27 zurück, sieben Unfallhäufungspunkte sind also bis auf Weiteres von der Landkarte verschwunden. Die Landesstraße 19 bei Erkelenz, um auf das Beispiel zurückzukommen, zählt nicht dazu – die Frage lautet also, warum das so ist.

Es gibt darauf zunächst eine sehr einfache Antwort: Der Mensch ist schuld, fast immer. „95 Prozent der Verkehrsunfälle werden durch menschliches Fehlverhalten verursacht“, weiß Polizeihauptkommissar Michael Okuhn. Schwerer ist die Antwort auf die Frage zu geben, warum der Mensch an bestimmten Orten zu falschem Verhalten neigt. Um diesem Verhalten vorzubeugen, kann die Unfallkommission zu verkehrsrechtlichen oder zu straßenbaulichen Maßnahmen greifen. In erstere Kategorie fallen eine geänderte Beschilderung, andere Fahrbahnmarkierungen oder gar die Installation einer Ampelanlage. In die zweite Kategorie fallen beispielsweise eine – optische oder tatsächliche – Verengung der Fahrstreifen, eine Beseitigung von Sichthindernissen oder auch Kreisverkehre. Die Palette an möglichen Maßnahmen ist also breit – aber welche ist die richtige?

Die Landesstraße 19 zwischen Erkelenz und Wassenberg zeigt, wie vielseitig die in Frage kommenden Mängel sind. Zunächst hegten die Mitglieder der Unfallkommission den Verdacht, dass die Blinker der aus Richtung Gerderath kommenden Fahrzeuge schuld sein könnten. Womöglich, so die Überlegung, springe dieser bei Fahrzeugen, die den nahegelegenen Kreisverkehr verlassen, nicht automatisch zurück und veranlasse den entgegenkommenden Abbiegerverkehr zu der Annahme, es werde sicherlich gleich gebremst – die Vermutung konnte durch entsprechende Beobachtungen jedoch ausgeräumt werden. Warnschilder für die Linksabbieger wurden angebracht und die Spur für Rechtsabbieger und Geradeausfahrer getrennt. Rund zehn Monate lang war alles ruhig – dann geschahen zwischen Februar und August dieses Jahres erneut drei Unfälle. Nun soll als nächste Maßnahme die Linksabbiegerspur verkürzt werden. Diese nämlich ist nach heutigem Verständnis viel zu lang und verleitet zu allzu zügigem und unvorsichtigem Heranfahren an die Abbiegestelle.

Oft muss die Unfallkommission sich auch mit Bausünden vergangener Jahrzehnte auseinandersetzen. „In den 70er-Jahren hat man immer so groß und breit und offen wie möglich gebaut“, sagt Straßenverkehrsamtsleiter Alfred Theißen. Heute weiß man: Diese Bauweise verleitet zu unvorsichtigem Fahren und erschwert dem Verkehrsteilnehmer die Übersicht. Theißen: „Deshalb geht Sicherheit heute vor Leichtigkeit.“

Die Unregelmäßigkeit im Auftreten von Unfällen zeigt auch, dass der Zufall auf den Straßen stets mitfährt. Einfacher wird die Arbeit der Unfallkommission dadurch nicht. Zunächst geht es daher darum, Muster im (Fehl-)Verhalten der Verkehrsteilnehmer zu erkennen. Diese werden durch die Unfallaufnahmen der Polizei gewonnen. Damit ein Unfallhäufungspunkt vorliegt, muss nicht nur eine bestimmte Zahl an Unfällen vorliegen – die Unfälle müssen sich auch vom Typ her ähneln und außerdem über einen leichten Blechschaden hinausgehen. Wurde bei einem Unfall niemand verletzt und sind die beteiligten Fahrzeuge immer noch fahrbereit, ist der Unfall für die Identifizierung von Unfallhäufungspunkten irrelevant.

Ein gutes Beispiel dafür, dass zu viel Platz Unfälle nach sich ziehen kann, findet sich an der Karl-Arnold-Straße in Geilenkirchen-Gillrath. Auch an der Kreuzung Püttstraße/Kreisbahnstraße befindet sich ein Unfallhäufungspunkt. Allerdings war die Lage hier diffuser als auf der Landesstraße 57 bei Erkelenz: Abbieger, Geradeausverkehr und auch Radfahrer kamen sich auf fast jede denkbare Weise in die Quere. Die Problematik war recht schnell ausgemacht: Während die Kreisbahnstraße von der einen Seite mit einer geradezu extremen Breite von 60 Metern einmündete, so dass sich Linksabbieger, Rechtsabbieger und Geradeausfahrer problemlos nebeneinander aufstellen konnten, mündet von der anderen Seite her die schmale Püttstraße leicht versetzt ein.

Sieben Unfälle wurden in den Jahren 2011, 2012 und 2013 aufgenommen, insgesamt gab es drei Leichtverletzte und drei Schwerverletzte. Nach Neuaufteilung der Fahrbahn, Einrichtung eines Fahrbahnteilers und der Wegnahme der Linksabbiegerspur ist dort nun alles ruhig – bislang jedenfalls. „Ein Restrisiko bleibt immer“, sagt Alfred Theißen.

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