Unbesetzte Lehrstellen: Sorge über fehlenden Nachwuchs

Von: Udo Stüßer
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Robert Pelzer, Geschäftsführer des Servicecenters für Kanalsanierung in Tripsrath, sucht einen Auszubildenden. Doch bisher hat er keinen Erfolg. Foto: Udo Stüßer
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Konditormeister Ralf Mertens freut sich über den erfolgreichen Abschluss seiner Auszubildenden Vanessa Schmitz-Räbiger. Doch eine Nachfolgerin ist nicht in Sicht. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. „Azubi gesucht: 1) Fachverkäufer/in 2) Bäcker/in. Auskunft hier“: Seit zwei Wochen hat der Übacher Konditormeister Ralf Mertens dieses Plakat im Schaufenster seiner Bäckerei und Konditorei in der Carolus-Magnus-Straße hängen. Ernsthaftes Interesse zeigte niemand.

Die Ausbildungsstellen sind auch der Agentur für Arbeit bekannt, und auch die Stellenanzeige in der Zeitung hat keine Wirkung gezeigt. „Eigentlich würde ich gerne drei Auszubildende einstellen, neben einer Fachverkäuferin und einem Bäcker würde ich auch noch einen Konditor ausbilden“, sagt Mertens. Zwei schriftliche Bewerbungen sind auf Vermittlung der Agentur für Arbeit bei ihm eingegangen.

Mertens hat die jungen Menschen angerufen. Fehlanzeige: Keiner hat seinen Anruf entgegengenommen oder gar zurückgerufen. „In der Region Geilenkirchen ist die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe anhaltend gut, die Zahl der unversorgten Jugendlichen reduziert sich deutlich“, erklärt Klaus Jeske, Sprecher der Agentur für Arbeit in Aachen.

Offene Stellen, so Jeske, gebe es im Bereich der Agentur für Arbeit Geilenkirchen dennoch quer durch alle Branchen. Ausbildungsstellen sind unter anderem noch in Konditorei und Fleischerei sowie im Gastgewerbe zu haben. Ebenso gesucht werden Auszubildende als Industriekauffrau, Maschinenkonstrukteur, Elektroniker und zahnmedizinische Fachangestellte. Andererseits waren im Juli noch 144 junge Leute ohne Ausbildungsvertrag.

Zum Beginn des Ausbildungsjahres wurden im Bereich der Agentur für Arbeit Geilenkirchen 312 Ausbildungsstellen gemeldet, das waren neun mehr als im Vorjahr. Ende Juli waren noch 76 unbesetzt, das waren fünf mehr als im Juli 2013. 538 Jugendliche haben einen Ausbildungsplatz gesucht. Im Vorjahr waren 22 Jugendliche mehr ohne einen Ausbildungsplatz. „Wir sind auf einem guten Weg, denn wir haben weniger unversorgte Bewerber“, erklärt Klaus Jeske.

76 unbesetzte Lehrstellen, 144 junge Leute ohne Ausbildungsvertrag. Da müsste es doch einen Ansturm auf die Jobs geben? „Nein“, sagt dazu Konditormeister Mertens. „Die Ursache liegt schon in der Schulzeit. Wir bieten Praktikantenstellen an, das Angebot wird kaum wahrgenommen. Schüler sollten viel mehr Praktika machen und viel mehr ausprobieren. Nur so bekommen sie Einblicke in den Beruf“, sagt er und versichert: „Konditor ist ein sehr kreativer Beruf, der niemals zur Arbeitslosigkeit führen wird. Wir brauchen Auszubildende, weil diese Berufe ansonsten aussterben.“

In der Branche, so klagt er, gebe es schon lange Probleme, Nachwuchs zu finden. Der Bedarf sei groß, dazu habe die Brotfa-brik viel Fachpersonal vom Markt weggezogen. Das Desinteresse der jungen Leute kann Mertens nicht nachvollziehen. „Die Welt bietet Konditoren so viele Möglichkeiten, beispielsweise auch in Hotels und auf Kreuzfahrtschiffen“, weiß Mertens, der selbst in Hongkong gearbeitet hat, aus eigener Erfahrung. Und auch Weiterbildungsmöglichkeiten, beispielsweise zum Eiskonditor oder zum Pralinenmeister, gebe es genügend.

Dass die Konditoreifachverkäuferin ein kreativer und künstlerischer Beruf ist, kann Vanessa Schmitz-Räbiger nur bestätigen. Sie hat vor wenigen Wochen die Gesellenprüfung mit großem Erfolg abgelegt. Insgesamt waren es aber nur drei junge Menschen zwischen Monschau und Heinsberg, die in diesem Jahr die Lehre in diesem Beruf beendet haben.

Alleine mit dem Verkauf von Kuchen sei es in diesem Job nicht getan. „Die Ware muss schön präsentiert werden, ein schön dekoriertes Schaufenster spricht die Kunden an. Auch Plakate, Preisschilder und Geschenk-Verpackungen sollten schön gestaltet werden“, sagt die junge Frau, die ihren Kunden auch ein Frühstück oder einen Snack zubereiten kann. Mit dem Einpacken eines Kuchenstückes, wie viele vermuten, ist es also nicht getan.

Falsches Berufsbild

Auch das Servicecenter für Kanalsanierung, ein expandierendes Unternehmen in Tripsrath mit 22 Mitarbeitern, ist auf der Suche nach einem Auszubildenden. Vergebens. Das Spezialunternehmen für Schacht- und Kanalsanierung rückt im Falle eines defekten Rohres mit einem TV-Wagen aus, reinigt die Schadstelle, befährt sie mit der Kamera und saniert das Rohr in geschlossener Bauweise.

Dies geschieht in Straßen, Häusern und Werken, Auftraggeber sind unter anderem die Kommunen. Und obwohl sich das Unternehmen ständig vergrößert, ist ein Auszubildender als Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice nicht zu finden.

„Viele junge Leute denken dabei an Toiletten und Dreck, die wollen sich nicht schmutzig machen“, sagt Bastian Burbach, kaufmännischer Angestellter und zuständig für Personalangelegenheiten. „Die Stelle sollte von der Agentur für Arbeit offensiv angeboten werden, doch wir hatten keine Resonanz. Viele haben sicher ein falsches Bild von diesem Beruf“, sagt Burbach. Ein junger Bewerber hatte sich gemeldet. „Es handelte sich um einen Förderschüler.

Obwohl wir gute Noten in Deutsch und Mathematik erwarten, hätten wir es mit ihm versucht. Wäre er handwerklich gut, hätte man ihn durch Nachhilfeunterricht in der Schule unterstützen können“, erklärt der Kaufmann. Doch die angebotene Probearbeit hat der junge Mann gar nicht erst aufgenommen. So bleibt auch dieser Ausbildungsplatz vorläufig unbesetzt.

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