Überzeugender Auftritt: „Klangzauber“ im Schloss Zweibrüggen

Von: Christina Kolodzey
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Bekamen für ihr Konzert begeisterten Applaus: das „Trio Con Abbandono“ mit (v.l.n.r) Beate Müller (Klarinette), Claudia Iserloh (Akkordeon) und Anne-Lise Cassonnet (Violincello). Foto: Christina Kolodzey

Übach-Palenberg. Ein Spiel voller Hingabe und Leidenschaft. Was der Name „Trio Con Abbandono“ versprach, stellten die drei studierten Musikerinnen Beate Müller, Claudia Iserloh und Anne-Lise Cassonnet in der für ein Kammerkonzert ungewöhnlichen Besetzung Klarinette, Akkordeon und Violincello eindrucksvoll unter Beweis.

Die Freunde der Kammermusik hatten zum 24. Schlosskonzert geladen, und wieder einmal hieß es „Ausverkauf plus“, wie Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch in seiner Begrüßungsansprache betonte, denn es wurden mehr Karten verkauft, als eigentlich Plätze vorhanden sind.

Vorsitzender Hanns-Paul Jouck freute sich, ankündigen zu können, dass künftig die Konzerte wieder um 18 Uhr beginnen, damit auch Familien mit Kindern daran teilnehmen können, was ihm sehr am Herzen liege.

In elegant silber- und goldfarben glitzernden Roben betraten die Künstlerinnen die Bühne und zogen nicht nur bewundernde Blicke auf sich, sondern mit „Pequena Czardas“ von Pedro Ilturade gleich zu Beginn die Zuhörer in ihren Bann – erst langsam, dann wild aufspielend, sich immer mehr steigernd.

Im Kontrast dazu die „Orgelfantasie f-Moll“ von Mozart, einer Auftragskomposition, die er hasste, da sie aus lauter kleinen Pfeifchen ertönen sollte. Er hätte seine Freude an der Darbietung im Schloss gehabt, denn hier erklang sie, hingebungsvoll sanft und doch kraftvoll gespielt, auf einer „Orgel“ mit drei Registern – Klarinette, Akkordeon und Cello.

An die auf dem Tisch tanzende Liselotte Pulver in dem Film „Eins, zwei, drei“ erinnerten sich wohl viele Zuschauer beim „Säbeltanz“ von Aram Chatchaturian: Rasant und mit viel Spielfreude, sogar mit Klopfen auf dem Akkordeon, dargeboten und, wie alle Stücke, selbst arrangiert.

Ins Träumen gerieten die Besucher sodann bei der „Klezmer-Suite“, einer Musik, die Weltschmerz in Lebensfreude verwandelt, und die die Musikerinnen verinnerlicht, teilweise mit geschlossenen Augen, intonierten. Entrücktes Lauschen war ebenso angesagt bei „Tanti anni prima“ von Astor Piazolla, einer Komposition voller Melancholie.

Fünf kleine Plüschkatzen holten das Publikum jedoch gleich darauf in die Wirklichkeit zurück. Sie symbolisierten die verschiedenen Charaktere der „Cats“ von John Noble: lieb, frech, zornig, eingebildet, lebhaft, was die Künstlerinnen lautmalerisch so brillant zu Gehör brachten, dass Schmunzeln und mit-den-Füßen-wippen unumgänglich waren.

Den Ohrwurm „Tritsch Tratsch Polka“ von Johann Strauß, flott und mitreißend gespielt, bereicherten sie witzig-charmant durch „Tratschen“ miteinander, und entließen so die Zuhörer lachend und gut gelaunt in die Pause.

Danach ging es mit dem Lieblingskomponisten des Trios, Astor Piazolla, und seinem „Histoire du Tango“ nach Argentinien. „Bordello 1900“, „Café 1930“, „Nightclub 1960“ und „Concert d‘Aujourd‘hui“ wurden in hinreißender Selbstvergessenheit bravourös dargeboten – schwermütig, aber auch impulsiv und „schreiend“. Die Reaktion der Gäste: Faszination und nicht enden wollender, brausender Applaus.

Doch, hoppla – was war das? Die drei Damen trugen plötzlich Brillen wie eifrige Sekretärinnen und begannen zu tippen, jedenfalls hörte sich „The Typewriter“ von Leroy Anderson genau so an. Mit dem weltweit bekanntesten Tangostück „La Cumparsita“ von Gerardo M. Rodriguez vollbrachten die Instrumentalistinnen gar das Kunststück, Tangotänzer vor dem geistigen Auge der Besucher erscheinen zu lassen.

Dem nicht genug: Jetzt wurde die Bühne in eine Disco mit farbigen Lichteffekten verwandelt für die überaus schnelle „Disco Toccata“ von Guillaume Connesson, der sich fließend und leicht die „Braziliera“ aus Darius Milhauds „Scaramouche“ anschloss.

Dem bunten Treiben ein Ende setzte „La Muerte del Angel“ von Piazolla, doch die Zuschauer verlangten energisch nach Zugabe, so dass der „Hummelflug“ von Nikolai Rimski-Korsakow dieses Konzert der absoluten Spitzenklasse krönte.

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