Über 500 Menschen gestalten die Zukunft Geilenkirchens

Von: Udo Stüßer
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Sie zeigen Einsatz gegen Extre
Sie zeigen Einsatz gegen Extremismus: Bürgermeister Thomas Fiedler, Birgit Gerhards , Koordinatorin der Sozialen Dienste im Jugendamt, und Markus Kaumanns von der mobilen Jugendsozialarbeit. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Nachbarn haben sich kennengelernt und sich zusammengefunden. Sie tauschen sich aus und bieten sich gegenseitig Hilfe an. Sie wechseln sich ab, wenn die Kinder zur Schule gebracht werden müssen. Sie planen einen kleinen Kinderspielplatz für das Wohnviertel, helfen beim Aufbau mit und wollen ihn auch pflegen.

Das ist das Ergebnis zweier Stadtteilfeste in den Siedlungsgebieten Lütticher Straße und Goethestraße. „Die Bürger sollen sich in der Stadt wohlfühlen und Gemeinschaft leben”, sagt Dipl.-Sozialarbeiterin Birgit Gerhards, Koordinatorin der Sozialen Dienste im Jugendamt der Stadt Geilenkirchen, und blickt auf das Ergebnis einer Sozialraumanalyse aus dem Jahr 2009: „Diese hat klar ergeben: Die Menschen wünschen sich in Geilenkirchen mehr Gemeinschaftsgefühl.”

Vor diesem Hintergrund hat sich die Stadt Geilenkirchen im Januar 2011 um die Teilnahme am Bundesprogramm „Toleranz fördern - Kompetenz stärken” beworben, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt wird.

„Mit diesem Programm sollen Gemeinschaft und Integration gestärkt und rechtsradikalen Tendenzen begegnet werden”, erklärt Bürgermeister Thomas Fiedler. Insgesamt 270.000 Euro wurden schließlich für einen Zeitraum von drei Jahren bewilligt. „Die Besonderheit an diesem Programm ist, dass nicht die Stadt, sondern die Menschen Akteure sind. Bürger finden sich zusammen und arbeiten aktiv in Projektgruppen. Wir als Verwaltung haben lediglich die Fördergelder eingeworben”, sagt Fiedler. „Und diese Gelder werden in Projekte investiert, die für mehr Identifikation der Bürger mit ihrem Umfeld dienen. Es geht dabei um Bürger mit und ohne Migrationshintergrund. Jeder soll beteiligt werden”, fügt Birgit Gerhards hinzu. Eine der großen Fragen lautet dabei: Was fehlt in dieser Stadt?

„Zum Auftakt haben wir Vertreter von Sozialverbänden, Parteien, Kirchen, Schulen, Vereinen und sonstigen Institutionen über das Programm informiert”, blickt Dipl.-Sozialarbeiter Markus Kaumanns von der mobilen Jugendsozialarbeit des städtischen Jugendamtes auf die Anfänge zurück. Bei zwei Workshops fanden sich Geilenkirchener Bürger zusammen, die hier ihre Ideen vortrugen und seitdem zusammenarbeiten. 14 Projekte - Stadtteilfeste, die Erstellung eines Jugendkalenders, Onlinepräsenz, ein theaterpädagogisches Projekt und interreligiöser Dialog , um nur einige der Themen beispielhaft zu nennen - wurden im vergangenen Jahr in Angriff genommen.

Die jüdische Geschichte

Auch die Darstellung der jüdischen Geschichte ist ein Thema: Die Gesamtschule möchte Gedenkblätter anfertigen und eine von Karl-Heinz Nieren angefertigte interaktive Stadtkarte installieren, die Realschule macht mit einem Litfaßsäulenprojekt aufmerksam. „Diese neuen Projekte sollen keine subventionierte Konkurrenz zu bereits Bestehendem, etwa zu den Vereinen, sein, sondern das bereits Bestehende mit einbinden”, erklärt Fiedler. Etwa 1700 bis 2400 Euro fließen pro Jahr in die einzelnen Projekte. „Dieses Geld ist beispielsweise für Werbung, Raummiete oder Feste gedacht. Mit dieser Anschubfinanzierung sollten sich die Projektteilnehmer Sponsoren und starke Partner suchen”, erklärt Birgit Gerhards.

Zum Auftakt im vergangenen Jahr wurde ein Begleitausschuss gegründet, der über die Bewilligung der Projekte entscheidet. Diesem Ausschuss, Vertreter von Vereinen und Institutionen, von Schulen, Kindergärten und Kirchen, aus Kunst und Kultur, gehören dem Begleitausschuss an. Unterstützt wird der Begleitausschuss von einer Koordinierungsstelle, der bislang lediglich Birgit Gerhards und Markus Kaumanns angehörten. Durch die steigende Anzahl von Aufgaben im Rahmen des Bundesprogramms befinden sich die Mitarbeiter des Jugendamtes an der Grenze ihrer Auslastung. Die Mehrarbeit für das Bundesprogramm dürfe nicht zu Lasten des Kinderschutzes gehen, hatten bei der jüngsten Sitzung des Begleitausschusses einige Mitglieder argumentiert und eine zusätzliche externe Koordinierungsstelle befürwortet, wie sie auch andere am Bundesprogramm teilnehmende Kommunen eingerichtet hätten. Als zusätzliche bezahlte Koordinierungsstelle wurde Nicole Abels-Schell, Gemeindesozialarbeiterin der Caritas gewählt.

Neue Projekte

Mehr als 500 Menschen engagieren sich mittlerweile in den unterschiedlichsten Projekten. „Ich ziehe den Hut vor denen, die sich für die Stadt und für die Bürger mit Herzblut einsetzen”, lobt Fiedler und betont. „Diese Menschen stellen ihre Kompetenz unentgeltlich zur Verfügung. Jeder Cent wird abgerechnet, kein Projektteilnehmer verdient selbst an dem Programm. Aber so werden die Bürger aktive Gestalter der städtischen Zukunft und überlassen diese nicht alleine der Politik.”

Bei der jüngsten Sitzung des Begleitausschusses wurden neben der Einrichtung einer zusätzlichen Koordinierungsstelle vier weitere neue Projekte bewilligt: Auf Antrag des Stadtjugendringes Geilenkirchen sollen unter dem Motto „Rock für Toleranz” drei lokale Bands aus Geilenkirchen auf dem Marktplatz auftreten. Ein Projekt der Franziskusheim gGmbH fand ebenfalls die Zustimmung des Ausschusses: Seit 17 Jahren hat das Franziskusheim eine Kooperation mit der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule.

Ferienfahrt von Jung und Alt

Bei einer Ferienfahrt sollen acht Jugendliche und acht pflegebedürftige Menschen höheren Alters die Möglichkeit zum Austausch haben. Toleranz und Geschichtsbewusstsein sollen befördert werden. Zudem sollen die Jugendlichen den Umgang mit Pflegebedürftigen erleben. Das „Forum für Soziale Innovation gGmbH” will weiterhin Bürger aktivieren, sich aktiv an dem Bundesprogramm zu beteiligen. Deshalb sollen sich möglichst viele Bürger bei einem Workshop zusammenfinden. Bei diesem Workshop sollen Methoden vermittelt werden, um Gruppen zu aktivieren und die Teamarbeit zu verbessern. Eine Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung hatte ebenfalls die Caritas beantragt.

Anlässlich des europäischen Protesttages soll am Samstag, 5.Mai, auf dem Marktplatz ein Fest stattfinden. Auf dem Marktplatz soll eine Bühne aufgestellt werden, auf der eine Tanzgruppe der Lebenshilfe und eine Band der Gangelter Einrichtungen auftreten. Auch Förderschulen und ein integrativer Kindergarten sollen eingebunden werden.
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