Aachen - Übach-Palenbergerin im Sog der Spielsucht: Rentner abgezockt

Übach-Palenbergerin im Sog der Spielsucht: Rentner abgezockt

Von: Wolfgang Schumacher
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Ein Urteil über die Betrügerin wird am Montag, 18. Juni, erwartet.

Aachen. Weil sie seit mehr als zwei Jahren akut spielsüchtig ist, so gestand es Tatjana H. (32) am Mittwoch vor dem Aachener Landgericht, soll die Hausfrau und Mutter aus Übach-Palenberg Rentnerinnen und Rentner in der gesamten Region abgezockt haben. Bei der Verlesung der fünf Anklageschriften gegen H. wurde beschrieben, dass sie ihren oft über 80 Jahre alten Opfern die Portemonnaies geleert und die Scheckkarten abgenommen habe.

Angeklagt ist die 32-Jährige wegen schweren Diebstahls in diversen Fällen, Urkundenfälschung und wegen Computerbetrugs, ein Tatbestand, der dann vorliegt, wenn man mit den gestohlenen EC-Karten an den Automaten Geld zieht. Das hatte die verheiratete Mutter eines Kindes zu Beginn der Verhandlung vor der 4. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Michael Storck unter Tränen gestanden.

Der Richter mahnte trotzdem an, dass nur ein umfangreiches und reuiges Geständnis mildernd berücksichtigt werde. Die Mahnung kam nicht von ungefähr, denn einzelne Tatbestände hätten sich anders oder überhaupt nicht so abgespielt, hatte die Angeklagte angegeben. Selbst unter polizeilicher Beobachtung und nach mehrfacher Ermahnung hatte die Mutter weitergemacht, bis sie letztlich im Knast landete.

Sie verzockte alles

Was waren das überhaupt für Vorwürfe? Immer wieder – alleine nach der ersten verlesenen Anklage 18 Mal – habe sich die Angeklagte strafbar gemacht, weil sie tagsüber alten Leuten ihr Geld wegnahm und damit nachts in Spielotheken ging, um an den einarmigen Banditen ihr Glück zu versuchen. Sie verzockte alles.

Ihr Trick war einfach und wirkungsvoll. Sie stellte sich etwa bei einer 92-jährigen Frau in Übach-Palenberg als Vertreterin der Aachener Knappschaft vor. Der Rentenversicherer, so behauptete sie gegenüber ihren Opfern, habe Fehler in der monatlichen Abrechnung gemacht, man müsse am besten gemeinsam die Kontoauszüge durchschauen.

6500 Euro eingesackt

Das klappte, sie kam in die Wohnung und klaute während der „Beratung“ unbemerkt Geld, Wohnungsschlüssel und die EC-Karte. In der Folge räumte sie das Konto der alten Dame leer. Erst nach acht Abhebungen an verschiedenen Bankautomaten war das Konto gesperrt, da hatte sie bereits 6500 Euro eingesackt.

Ihre „Tätigkeit“ beschränkte sich nicht auf die Stadt Übach-Palenberg. Auch in Herzogenrath-Merkstein, in Baesweiler, Alsdorf oder in Niederzier schlich sie sich beispielsweise in Senioreneinrichtungen ein und stellte sich dort beispielsweise als ambulante Pflegekraft vor, die leider eine Autopanne habe und dringend telefonieren müsse. Sogar einen Ausweis als Pflegeschwester zeigte sie vor, den „habe sie auf der Straße gefunden“, gab sie am Mittwoch vor der Kammer an.

Selbst das kurze Telefonat, angeblich um den Pannendienst zu holen, reichte, um die alten Leute zu bestehlen. Insgesamt waren es geschätzte 25.000 Euro, die sie einsackte. Besonders infam war dabei ihr Auftreten als angeblich gute Samariterin. Im Oktober 2016 half sie einer gestürzten Fahrradfahrerin und beklaute sie gleichzeitig.

Das Familiensparbuch abgeräumt

Sie habe sich gegen den Sog der Spielsucht nicht wehren können, erklärte die 32-Jährige vor Gericht. Sie habe sich nachts aus dem Haus geschlichen, ihr Mann habe das gar nicht bemerkt. Morgens sei sie zurückgekommen, noch bevor ihr Mann aufstehen musste. Ihr Drang zum Automaten sei so stark gewesen, dass sie auch nicht vor dem eigenen Familiensparbuch Halt gemacht habe, gestand sie, auch das hatte sie leergeräumt.

Selbst eine Bekannte, die als behindert gilt und unter Betreuung steht, zockte sie ab, sie war im Januar 2017 mit ihr auf die nächtlichen Spieltouren gegangen. Ein Urteil in der Sache wird am Montag, 18. Juni, erwartet.

 

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