Übach-Palenberg, ab jetzt die Stadt ohne Bücherei

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
14107771.jpg
„Bücher müssen gelesen werden“, erfuhren Besucher, die mit offenen Augen durch die Stadtbibliothek gingen. Das Spruchband entstand vergangenes Jahr bei einer Kinderlesung am Tag des Buches. Foto: Jan Mönch
14107772.jpg
Ist wütend auf die Stadtverwaltung: Maria Röhlen, Gründerin des nun seines Sinns beraubten Fördervereins für die Rettung der Bücherei.
14107773.jpg
Auf einen Bestand von mehr als 20 000 Medien konnten die gut 1000 Mitglieder zurückgreifen.

Übach-Palenberg. Vergangene Woche meldete Frau Röhlen sich dann doch noch in der Redaktion. Ob man noch Interesse an einem Gespräch habe, fragte sie. Es gebe einiges, was sie gerne loswerden würde. Und ja, sie wolle durchaus auch „Dampf ablassen“. In den vorangegangenen Monaten hatte Maria Röhlen Anfragen unserer Zeitung immer freundlich, aber bestimmt abgelehnt.

Maria Röhlen hat vor rund zwei Jahren gemeinsam mit Martina Czervan-Quintana Schmidt, einer CDU-Stadtverordneten, den Förderverein gegründet, mit dem die Übach-Palenberger Stadtbücherei gerettet werden sollte. Seit der Ratssitzung vor zwei Wochen ist endgültig klar, dass der Verein an diesem Ziel gescheitert ist.

Wirklich überraschend kam das für niemanden, selbst für ausgesprochene Optimisten nicht, sonst hätte man den Förderverein ja gar nicht gründen müssen. Dass Maria Röhlen nun verbittert ist, hat allerdings weniger mit der Schließung selbst zu tun als damit, wie die Stadtverwaltung mit dem Förderverein, den Angestellten und ihr umgegangen sei, sagt sie. Sie fühlt sich hinters Licht geführt.

Gab es wirklich „Verhandlungen“?

In den vergangenen Monaten habe ihr die Stadtverwaltung gebetsmühlenartig gepredigt, mit ihren Bemühungen bloß nicht zu viel Wirbel zu veranstalten, das gefährde nur die „Verhandlungen“. Aus diesem Grund habe sie auch nicht mit der Presse sprechen wollen. Mittlerweile sind die „Verhandlungen“ anscheinend gescheitert.

Aber woran? Mit wem wurde verhandelt? Und worüber im Einzelnen? Das seien Fragen, die ihr bislang niemand beantwortet habe. Mittlerweile hat Maria Röhlen sich dies hier zusammengereimt: „Mich beschleicht der Gedanke, dass die Stadtväter nach außen hin sehr bemüht wirken wollten, aber in Wirklichkeit keinerlei Interesse am Fortbestand der Bücherei bestand.“

Ein schwerwiegender Vorwurf. Ist er zutreffend? Fest steht, dass sich auch unsere Zeitung in den vergangenen Monaten immer wieder bei der Verwaltung nach dem Stand der Dinge erkundigt hat. Die Antworten bestanden zuletzt immer nur aus einem Satz: „Die hier erforderlichen Gespräche sind noch nicht abgeschlossen“, wurde uns zum Beispiel am 1. Dezember mitgeteilt.

Aber was waren das für Gespräche? Wer nahm an ihnen teil? Was wurde konkret besprochen? Und wieso führten die Gespräche nicht zum gewünschten Ergebnis? Auch jetzt, wo ja bekannt ist, dass nichts mehr zu verlieren ist, gibt die Stadt hierzu keine Auskunft. Eine Anfrage von vergangener Woche Donnerstag ist bis zum Dienstag unbeantwortet geblieben.

Die letzten Aktivitäten, die definitiv nicht nur eine reine Schutzbehauptung gewesen sind, fanden im September statt. Am 13. jenes Monats waren Maria Röhlen und Martina Czervan-Quintana Schmidt zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen. Der Vorschlag der Verwaltungsspitze lautete: Der Verein solle das Inventar der Bücherei übernehmen und diese auf eigene Verantwortung führen. Die Stadt würde dies im ersten Jahr mit 10.000 Euro bezuschussen. Neue Räume allerdings müssten selbst gesucht werden.

 

„Ein unzumutbares Angebot“, findet Maria Röhlen, sie lehnte es dementsprechend ab. „Frau Czervan-Quintana Schmidt und ich sind nicht in der Lage, die hohen Kosten aufzubringen und mit unserem persönlichen Vermögen dafür zu haften.“

Nach dem Gespräch habe die Stadt damit begonnen, die beiden Frauen hinzuhalten und ihnen Verschwiegenheit aufzuerlegen. Heute ist Maria Röhlen sich sicher: Ab diesem Zeitpunkt ging es nur noch darum, die Abwicklung „klammheimlich“ über die Bühne zu bringen.

„Kein Platz für Rassismus in Übach-Palenberg“, steht auf den Ortsschildern der Stadt. Röhlen findet, dass diese Angabe unvollständig ist. Dort müsse auch noch stehen, dass es keinen Platz gebe für Bildung und Kultur. „Wir vom Förderverein schämen uns für Übach-Palenberg“, sagt sie.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert