Turbulente Folgen eines Mallorca-Trips

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Scheich Krueschele Hein (Arndt
Scheich Krueschele Hein (Arndt Horrichs) erfährt bei einer seiner zahlreichen Erscheinungen Beistand aus der Familie. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Langbroich. Wenn ständiges Kopfschütteln, ein sich immer wiederholendes „Nee, nee, nee” und verzückte „Igitt”-Rufe keine Unmutsäußerungen sind, sondern Begeisterung ausdrücken, dann sind wir wieder beim „Langbröker Selfkanttheater” eingeladen.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es war wieder einmal sensationell, was das Mundartensemble aus Laiendarstellern auf die Bühne gebracht hat. Und mehr als einmal hörte man aus dem Publikum: „Die werden Jahr für Jahr besser!” Das Stück in diesem Jahre hatte natürlich auch einen Titel. „Knapp ierlek on neet jeloore”, ist ein Wortspiel rund um die Wahrheit. Aber eigentlich spielt der Titel oder gar das ganze Originalmanuskript keine entscheidende Rolle mehr für das, was von den Langbroicher Theaterfreunden als Essenz zusammengestrichen und dann entsprechend in Mundart übersetzt wird.

Es geht grob umrissen darum, dass drei Männer aus Langbroich, angeführt vom Bürgermeister, für eine Woche nach Mallorca aufbrechen - rein dienstlich, versteht sich. Aus der einen Woche werden drei, weil ein vermeintlich schrecklicher Unfall dazwischenkam und die Herren sich bei ihren mehr oder weniger cleveren Ehefrauen nicht nur mehr Zeit, sondern auch deftige Bar-Überweisungen erbitten. Wer kennt diese Fälle nicht aus Freundes- und Bekanntenkreis?

Natürlich gab es keinen Unfall, denn es war die Sangria und die Lust, die die Herren fesselten. Die Drei kommen - umfangreich bandagiert - nach Hause, und kurze Zeit später stehen drei attraktive, Spanisch sprechende Damen in der Pension von Krueschele Hein (Arndt Horrichs), einem der Malle-Flieger. Natürlich haben die Jungs „auf Malle” mit Klar-Namen gearbeitet und waren leicht zu finden. Es fehlt im Folgenden weitestgehend die Konfrontation der Damen mit den Herren, die ihnen alles versprochen haben und nun - mit Blick auf ihre Ehefrauen - nichts halten können.

Das, was das Publikum am Premierenabend immer wieder in schallendes Gelächter versetzt und zu Szenenapplaus animiert hat, sind die Dialoge, die auf „Platt” noch deftiger und gemeiner klingen, als sie eh schon sind. Es sind die dargestellten Charaktere derer, die da auf der Bühne agieren, und man fragt sich insgeheim, ob die zu Hause auch so auftreten.

Angeführt wird das Ensemble, was die Darstellkunst angeht, von Maria Horrichs als Hausmagd Schnüerterkes Berta und Willi Jütten als Schrüfkes „El Torro” Jen. Die beiden agieren wie ein unendlich lange verheiratetes Ehepaar, das aber nun auch gar keine Geheimnisse voreinander hat. Herrliche Schlachten beim Rasieren oder beim sanften Umbetten vom Sessel in den Rollstuhl werden hier geboten. „Rund” wird aber der Abend in Langbroich erst durch das Zusammenspiel und das Können aller Darsteller. Bürgermeister Mattese Tuen (Helmut Schürkens) überlässt kurzzeitig seiner Gattin Änn (Elisabeth Palmen) den Chefsessel im Rathaus, was dann zu seltsamen Verordnungen führt. Alle Männer, die den Langbroicher Dunstkreis verlassen, müssen fortan ein Bild ihrer Ehefrau um den Hals tragen; die Kneipen schließen um 20 Uhr.

Pensionswirt Krueschele Hein (Arndt Horrichs) treibt mit seiner Scheichgeschichte sein Liebchen Seef (Doris Nießen) gar zum Bauchtanz und irgendwie auch Schrüfkes Waldemar (Stefan Keulen, der als Neuling auf der Bühne eine tolle Partie ablieferte) in die Arme von Maria Santana (Stefanie Schröder), die zusammen mit Oma Carla Makarele (Marianne Heutz) nach Deutschland gekommen ist, um „eine Frattel hinter einer gehäkelten Unterhose abzubeißen”. Und als Dr. Fränz Fummel (Sebastian Arnusch) die Verlobung mit Lucia Langosta (Verena Schlebusch) bekannt gibt, enden 120 turbulente Minuten in einem Meer aus Glückseligkeit und in nicht enden wollendem Applaus eines restlos begeisterten Publikums.

Ein weiterer Neuzugang konnte mit Melanie Helmes neben Isabelle Schlicher in der Maske begrüßt werden. Die Bühne bauten in bewährter Manier Leo Herfs, Karl-Heinz Gossen, Hubert Schlicher, Franz-Josef Ronkartz und Leo Schroten. Für die Technik war Gino Ronkartz verantwortlich, und souffliert haben Hedwig Barion und Rita uns Christina Schroten. Alle zwölf Langbroicher Vorstellungen sind ausverkauft.

Es gibt Restkarten für die Termine in der Heinsberger Stadthalle. Ansprechpartner ist Isabelle Schlicher, Telefon 02454/7929.
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