Trübe Aussichten ohne den Frittenwagen

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Alleine mit griechischen Spezi
Alleine mit griechischen Spezialitäten kann Ahmad Suleymann (l.) seine Familie nicht ernähren. Unterstützt wird er nach dem Diebstahl des Imbisswagens von Stefan Schnurre, Rewe-Marktleiter, Gerd Soetzen, Mobau, Monika Höltgen, Stinges, und Heinz Heinrichs. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Ein Diebstahl, der einer Familie die Lebensgrundlage entzieht, ist im Moment in Gangelt großes Gesprächsthema. Betroffener und Geschädigter des kriminellen Tuns ist Ahmad Suleymann. Jeder, der im Gangelter Einkaufszentrum in den großen Rewe-Markt oder in den Mobau-Markt geht, kommt an ihm vorbei.

Ein freundlicher Gruß ist jedem gewiss. Ahmad Suleymann bedient seit vielen Jahren im Eingangsbereich einen Stand mit griechischen Köstlichkeiten. Dieses Einkommen alleine reichte aber nicht für ihn, seine Frau und die vier Kinder. Deshalb übernahm er 2009 einen kleinen Imbisswagen, mit dem er sich und seiner Familie in Kombination mit dem erwähnten Stand ein Auskommen sichern konnte.

Der Imbisswagen wurde vor einigen Tagen gestohlen. „Da fehlen mir die Worte”, zeigt sich nicht nur Rewe-Marktleiter Stefan Schnurre entsetzt. „Wir sind über diesen Diebstahl erschüttert”, schließen sich Gerd Soetzen als Leiter des Baumarktes und Monika Höltgen als Vertreterin der Stinges-Bäckerei an. Alle drei haben unter den Mitarbeitern Geld gesammelt, damit Ahmad Suleymann und seine Familie fürs Erste über die Runden kommen.

Denn Ahmad Suleymann wartet derzeit auf das Ergebnis der staatsanwaltlichen Ermittlungen und sehnt das Schreiben der Versicherung des Imbisswagens herbei. Die Summe, die ausgezahlt wird, entscheidet darüber, wie es mit dem kleinen Betrieb weitergeht.

Ahmad Suleymann ist in Syrien geboren, hat derzeit nicht nur Sorgen um seine persönliche Existenz, sondern weiß auch nicht richtig über das Schicksal seiner Mutter und dem Rest der Familie in dem von einem gnadenlosen Bürgerkrieg erschütterten Land Bescheid. Er kam vor 23 Jahren nach Deutschland, lebte lange in Aachen. Nun hat es ihn und seine Familie ins belgische Kelmis verschlagen. Ein Syrer, der in Belgien lebt und griechische Spezialitäten und holländische Fritten in Deutschland verkauft.

Bekannt ist Ahmad Suleymann vor allem für seine freundliche und unaufdringliche Art. Das ist nicht nur dem Gangelter Heinz Heinrichs aufgefallen. Sein Imbisswagen war immer Treffpunkt für die Einkaufenden, aber auch für Besucher, die nur ein Schwätzchen halten wollten. „Bei ihm gab es die besten Pommes, die ich je gegessen habe”, so Heinz Heinrichs, der den Diebstahl zum Anlass nahm, im Freundeskreis Geld zu sammeln.

Der Diebstahl des Imbisswagens wurde von Überwachungskameras gefilmt. Drei Personen sollen drauf zu sehen gewesen sein und auch der Pkw, mit dem der Wagen abtransportiert wurde. Obschon: Die Kupplung des Anhängers war mit einem Schloss gesichert, aus einem der Reifen war die Luft abgelassen worden. Die Täter hatten sich wohl auf den Diebstahl gründlich vorbereitet.

Während die Ermittlungen in dieser Strafsache noch laufen, träumt Ahmad Suleymann von einem neuen Imbisswagen. Der kostet allerdings rund 24.000 Euro und ist für ihn jetzt natürlich nicht finanzierbar. Dann soll es ein Gebrauchter sein; ein solcher wird jetzt gesucht.
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