„Trotz aller Kritik ist die Europäische Union eine Erfolgsgeschichte“

Von: Markus Bienwald
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Vortrag der Europa-Union mit dem niederländischen Experten René van der Linden. Foto: mabie

Geilenkirchen. Einen meinungsstarken erklärten Europäer hatte die Europa-Union in der Aula des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula zu Gast. Der Senator des Königreichs der Niederlande und Ehrenpräsident des Europarates René van der Linden nahm bei seinem Gastspiel auf Einladung der Europa-Union NRW und Geilenkirchen sowie der Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen kein Blatt vor den Mund.

Die grassierende Europakrise machte dem niederländischen Christdemokraten keine Angst. „Die Probleme heutzutage sind viel schwieriger, als in der Vergangenheit“, meinte er. Krisen seien nicht schlimm, sondern wichtig, weil Europa daran nur wachsen könne.

So hätten die erste und zweite Ölkrise schon in den 1970er-Jahren gezeigt, dass rein national ausgerichtete Wirtschaftsmodelle sehr anfällig sein können, wenn das große Ganze nicht mitspielt. Und die sich danach ausbreitende Zersplitterung der Europäischen Gemeinschaft habe mit dem Abbau der Binnengrenzen ab 1992 wieder mehr als nur zueinander gefunden. „Der Binnenmarkt war ein wichtiger Punkt beim Zusammenwachsen Europas“, so van der Linden.

In seinen Augen ist das europäische Wachstum in der Zeit danach allerdings viel zu schnell geworden. „Und leider hat der Europäische Rat nie die Stellung bekommen, die er eigentlich verdiente“, so der EU-Experte weiter. Auch bei der Position Russlands vertrat van der Linden eine klare Meinung. „Was Russland gemacht hat, ist inakzeptabel“, betonte er, aber es sei ebenso wichtig, die Entwicklung in und um Russland herum seit dem faktischen Zerfall des Warschauer Paktes zu betrachten.

So habe sich die Nato immer mehr ausgebreitet, und amerikanische Abwehrraketen würden sich nicht nur gegen die vorgebliche Entwicklung in Iran, sondern – wie sich nun herausgestellt habe – auch gegen eine mögliche russische Bedrohung richten. So sei die aktuelle Krisenlage mit Russland auch durch Fehler der EU bedingt, was letztlich dennoch keine Legitimation für die Handlungen Putins sei. „Aber für die Stabilität auf dem Kontinent ist es wichtig, dass wir jetzt in dieser Sache eine stabile Lösung hinbekommen“, unterstrich er.

Beim Stichwort Ukraine bekannte sich der Referent als Freund einer von USA, Russland und EU gemeinsam getragenen Lösung. „Eine einfache Lösung ist das sicher nicht, aber sie ist notwendig“, erklärte er.

Für eine starke Europäische Union müsse die gemeinsame Wirtschaft stärkere Berücksichtigung finden. Zum anderen sollten die Bürger erkennen, dass die EU viele gute Dinge hervorgebracht habe, und den Kritikern, die europaweit auch in Parteienform immer mehr Zulauf finden, den Rücken kehren.

Vor allem die Rolle Deutschlands, das sehr viel Gutes für Europa bewirkt habe, müsse eher Vorbildcharakter für andere Mitgliedsstaaten bekommen, wünschte sich René van der Linden. „Trotz aller Kritik ist die EU nämlich eine Erfolgsgeschichte, das wird von den Leuten zu oft vergessen“, schloss er. Vor allem die Selbstverständlichkeit des Friedens auf dem vom zuvor jahrzehntelang von Kriegen heimgesuchten europäischen Kontinent dürfe nie in Vergessenheit geraten.

Und auch, wenn die beim mittlerweile dritten EU-Abend der Europa-Union im Vorfeld der Karlspreisverleihung eigens aufgehängte EU-Flagge wegen eines wohl nachlassenden Klebestreifens bei van der Lindens Worten „Europa ist lebenswichtig“ plötzlich heruntersackte, blieb der niederländische Europäer bei seiner Meinung: „Die EU ist ein langer Weg, manchmal geht es zwei Schritte vorwärts und einen zurück.“ Aber dennoch blieben sie und der Euro das Ideal, und nicht das von manchen angeprangerte Problem.

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