Geilenkirchen - Trauernde finden Zuflucht beim Hospizdienst „Camino”

Trauernde finden Zuflucht beim Hospizdienst „Camino”

Von: Franz Windelen
Letzte Aktualisierung:
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Christine Thöner: Sie ist Koordinatorin des Hospizdienstes „Camino”.

Geilenkirchen. Die Weihnachtsbeleuchtung bringt Licht in diese finsteren Tage. Doch nicht alle Herzen vermag das festliche Geglitzer zu erhellen. „Gerade der November mit seinen vielen Gedenktagen ist ein ganz markanter Monat, der viele trübsinnig macht und sie mit Trauer erfüllt”, sagt Christine Thöner.

Trauer ist eine menschliche Befindlichkeit, die Christine Thöner nur zu gut kennt - aus ihrem Wirken als so genannte Trauerbegleiterin und als Koordinatorin des Hospizdienstes „Camino”. Jetzt, in der düsteren Jahreszeit, erwachen offensichtlich in zahlreichen Menschen schlimme Momente und Erlebnisse. Mag es der Tod des Partners, des Kindes oder des Freundes sein.

„Es ist wie eine alte Wunde, die wieder aufbricht”, erklärt die gelernte Krankenschwester. Trauer können wir nicht verhindern, wir müssen sie zulassen. „Wenn wir alles in uns hineinfressen, hat das böse Folgen”, weiß die Geilenkirchenerin aus ihrer inzwischen zehnjährigen Praxis. In aller Regel werde den Hinterbliebenen eines Verstorbenen eine nur sechswöchige Trauerzeit zugestanden, dann hätten sie wieder zu funktionieren.

„Der eine kommt damit zurecht, der andere nicht.” Im letzteren Fall ist dann die fachkundige Hilfe von Christine Thöner gefragt, die in speziellen Lehrgängen auf die schwierige Aufgabe der Trauerbegleitung vorbereitet wurde. Und dennoch: „Ein Patentrezept im Umgang mit den trauernden Menschen gibt es nicht”, stellt sie fest. „Jedes Mal ist es eine neue Begegnung. Um sich an den Seelenzustand des jeweiligen Menschen heranzutasten, sind ein gutes Hinhören und ein gutes Hingucken erforderlich. Mimik und Gestik verraten oft mehr über den Gegenüber als Worte”, konstatiert die 58-jährige Geilenkirchenerin.

Es sind nicht nur Hinterbliebene, sondern auch todkranke Menschen, die sich an den Hospizdienst „Camino” wenden. „Camino” aus dem Spanischen heißt zu Deutsch: der Weg. „Und auf diesem Weg möchte ich die Menschen nicht allein lassen”, betont die Trauerbegleiterin und bemüht einen Vergleich: „Die Trauernden und die Patienten sind Solisten, mit einem Netzwerk an Helfern sind sie in einem Orchester, das eint und stärkt.”

Problematisch gestalte sich zuweilen die Trauerbegleitung bei Menschen, die einen Angehörigen durch Suizid verloren haben. „Die Betroffenen sind oft von Schuldgefühlen geplagt. Und oft gibt es auch keine Möglichkeit, würdevoll von dem Toten Abschied zu nehmen. Auch das ist sehr wichtig.” Reden, reden, reden - das erleichtere die schwere psychische Last. Manchmal helfe auch ein gemeinsamer Gang zum Friedhof, zur Grabstätte.

„Trauernde sollten einen Ort haben, wo sie hingehen können.” Nicht nur Erwachsenen, auch und vor allem Kindern sollte bei der Trauerbewältigung eine besondere Aufmerksamkeit gelten: „Diese sind sehr gute und folglich sehr sensible Beobachter, die man früh in die Gespräche einbinden muss.” Trauer sei ein Teil unseres Lebens. Sie begleitet uns, irgendwie, irgendwann, irgendwo - mal mehr, mal weniger: vielleicht beim Wohnortwechsel, beim Arbeitsplatzverlust, bei Krankheit, beim Tod.

80 Prozent aller Hinterbliebenen brauchen keine Trauerbegleitung, weiß die Camino-Koordinatorin; sie seien in der Lage, die durcheinandergeratene Gefühlswelt selbst zu sortieren. Für die restlichen 20 Prozent sind solch gute Seelen wie Christine Thöner „Zuhörer und Gesprächspartner” - ein Jahr lang, dann sind die Einzelgespräche beendet. Der Betroffene findet dann - falls weiterhin erforderlich - Betreuung im „Trauercafé”.

Die Ermutigungsarbeit braucht Energie. Wie stark muss ein Trauerbegleiter sein? Christine Thöner hat ihren eigenen Selbstschutzmechanismus entwickelt: „Zum Auftanken brauche auch ich Gespräche mit guten Freunden. Bei Gartenarbeit und Musik komme ich zur Ruhe.”

Trauercafé im St.-Elisabeth-Krankenhaus

Das Trauercafé des Hospizdienstes „Camino” ist im Monika-Saal des St.-Elisabeth-Krankenhauses Geilenkirchen untergebracht und wird von ausgebildeten Ehrenamtlern betreut.

Bei Kaffee und Kuchen können Betroffene dort über ihre Probleme reden. Geöffnet hat das Trauercafé jeden ersten Freitag im Monat von 16 bis 18 Uhr.

Der Hospizdienst „Camino” hat montags, mittwochs und freitags von 9.30 bis 11.30 Uhr sowie donnerstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Erreichbar ist „Camino” zu den Bürozeiten unter 02451/72763 oder 01773118424 (jederzeit).
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