Traditionelle Thaimassage: Mischung aus Schmerz und Entspannung

Von: Laura Laermann
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Kräftige Griffe: Die Thailänderin Ratthanan Breuer massiert Barbara Niessen den Nacken und die Schultern. Was im ersten Moment schmerzhaft sein kann, soll völlige Entspannung auslösen. Foto: Laura Laermann

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Für Barbara Nießen ist es sehr ungewohnt, dass eine Frau auf ihrem Rücken kniet. Zum ersten Mal lässt sie eine traditionelle Thaimassage über sich ergehen und staunt nicht schlecht über die ungewohnten Griffe und Bewegungen. Verspannungen hat sie eigentlich nicht. Viel mehr war es die Neugierde, die die Gangelterin zu einem Besuch im Thai-Massagestudio brachte.

Denn anders als eine klassische Wellnessmassage ist die traditionelle Thaimassage eine Kombination aus Akupressur, Streck- und Dehnübungen sowie Yoga-Elementen. Über 70 Techniken werden dabei angewendet. Die Thaimassage darf aber wie auch andere Wellnessmassagen nur bei Verspannungen angewandt werden, nicht aber bei Verletzungen oder Entzündungen.

Der Beruf Masseur ist nämlich ungeschützt: Jeder darf massieren, egal ob er qualifiziert ist oder nicht. „Nur ein staatlich geprüfter Masseur im medizinischen Bereich oder ein Physiotherapeut dürfen bei einer klassischen Massage in die Tiefe der Muskulatur gehen“, erklärt Frank Quast vom Verband Physikalischer Therapien.

Einheitliche Qualitätstandards

Dessen ist man sich auch im Massagestudio Sabai Thai in Übach-Palenberg bewusst. „Wenn ein Kunde mit einer Verletzung kommt, schicken wir ihn direkt zum Arzt“, sagt Geschäftsführerin Somjit Ohlenforst. „Wir massieren nur Muskeln und Sehnen.“ Ihre drei Mitarbeiterinnen haben sich in Seminaren für thailändische Massage ausbilden lassen.

Das sei nicht überall der Fall, sagt Peter Beer von der Thai Spa Vereinigung Deutschland, die bislang 100 Mitglieder hat. Daher arbeite der Verein an der Einführung einheitlicher Qualitätsstandards und Zertifizierungsprozesse.

Bislang gibt es keine differenzierte Auflistung, wie viele Thai-Massagestudios in Deutschland existieren. Beer geht von rund 2500 Studios aus. „Die Zahl der Massagestudios steigt“, lautet seine Einschätzung. Nicht nur in Großstädten auch in vielen kleinen Kommunen haben die Studios eröffnet. Im Kreis Heinsberg lassen sich im Internet ganze 22 asiatische Massageanbieter finden, davon allein fünf in Heinsberg und zwei in der kleinen Gemeinde Selfkant.

Fast alle bieten die traditionelle Thai-Massage an. Doch auch Öl-Massagen, Hotstone- oder Kräuterstempel-Massagen gehören zum Angebot. „Vielen ist die traditionelle Thai-Massage zu hart, da viel Kraft dabei eingesetzt wird“, erklärt Ohlenforst. „Das kann auch mal schmerzhaft sein.“

Das bekommt nun auch Barbara Nießen zu spüren. Dehnen, Strecken, Klopfen: Die Masseurin Ratthanan Breuer zeigt vollen Körpereinsatz, nutzt Knie, Füße und arbeitet mit ihrem Körpergewicht. „Die Thaimassage ist sehr aktiv, da man die Gliedmaßen lenken muss“, erklärt die Thailänderin.

Daher findet die Massage nicht etwa auf einer Liege statt, sondern auf einer Matte auf dem Boden. Eine typische Technik ist beispielsweise die Kobra-Position, bei der die Masseurin auf den Oberschenkeln des Patienten kniet und seine Arme nach hinten zieht, so dass der Oberkörper leicht abhebt.

Nach der ayuverdischen Lehre werden bei der Thaimassage die zehn wichtigsten der 72.000 Sen-Energielinien im menschlichem Körper behandelt. „An manchen Reflexzonen können zur Verstärkung auch Ellenbogen eingesetzt werden“, erklärt Somjit Ohlenforst. Das entspannt.

Mit dieser Ambition kommen auch die meisten Kunden, sagt Ohlenforst: „Sie wollen relaxen.“ Das ist bei der klassischen Wellness-Massage nicht anders. Wofür man sich nun entscheidet, ist vermutlich Geschmackssache. Denn auch beim Blick auf den Preis sind die Angebote ähnlich. Die meisten Thai-Massagestudios im Kreis Heinsberg verlangen für 60 Minuten Massage zwischen 30 und 40 Euro.

Natascha Bassauer vom mobilen Massageservice Edeliu Seele in Geilenkirchen sieht in den Thai-Massagestudios jedenfalls keine Konkurrenz, denn: „Es liegt am individuellen Empfinden jedes Menschen, welche Massagetechnik einem besser gefällt.“

Doch nicht nur ausgefallene Techniken machen die Thaimassage so speziell. Auch die Einrichtung der Studios soll den Kunden ein Gefühl der Nähe zur thailändischen Kultur geben. Neben warmen Farben entdeckt man viele Blumen wie Orchideen, Bildern von Elefanten oder buddhistische Figuren. Was manch einen überzeugt, kann ein anderer auch kitschig finden. Ebenso eine Frage des Geschmacks ist der Geruch von Salbei.

Falsche Vorstellungen

Im Mai 2013 hat Somjit Ohlenforst ihr Studio in Übach-Palenberg eröffnet. Vor 18 Jahren im Alter von 24 ist die gebürtige Thailänderin nach Deutschland gekommen. In ihrer Heimat hatte sie einen Deutschen kennengelernt und wanderte aus. „Einen europäischen Mann zu heiraten ist in Thailand ein Traum“, erklärt Ohlenforst. Zuerst arbeitete sie im Service in der Gastronomie, später als Zahntechnikerin. Seit vier Jahren ist die 42-Jährige neu liiert und selbstständig mit ihrem Studio.

Ihre vier Mitarbeiterinnen, die ebenfalls aus Thailand kommen, waren von Beginn an dabei. Auch der restliche Freundeskreis ist thailändisch, zu Deutschen haben die Frauen fast nur beruflich Kontakt. Somjit Ohlenforst glaubt, dass es Vorurteile gegenüber thailändischen Frauen gibt.

Sie selbst wurde aber noch nie damit konfrontiert. Nur beruflich merkt sie ständig: Es gibt Leute, die falsche Vorstellungen von einer Thai-Massage haben. Manchmal kämen ältere Herren in den Laden und würden fragen, ob über Massage hinaus auch Sex angeboten wird, was aber ein Tabu ist.

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