Trabi-Treffen: Einfach mal einen Gang zurück schalten

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
14683498.jpg
Organisator aus Leidenschaft: Seine Liebe zum Trabi hat Markus Hack schon mit 13 Jahren entdeckt. Foto: Markus Bienwald
14683493.jpg
Ordentlich was unter der Haube? Rudi Hans ist eigens aus dem Saarland zum Trabi-Treffen nach Geilenkirchen angereist. Auf der Strecke ging es dabei eher gemächlich zu. Foto: Markus Bienwald Foto: Markus Bienwald
14683496.jpg
Nostalgie aus Karl-Marx-Stadt: Claudio Uhlig mit seinem Trabant 601 de Luxe in Topzustand und mit dem alten Nummernschild aus der DDR. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Rudi Hans ist einer von denen, die in der Oldtimer-Szene gerne mal die „Gusseisernen“ genannt werden. Denn Rudi, wie er beim Trabi-Treffen am Wochenende im Geilenkirchener Stadtteil Niederheid nur gerufen wurde, reiste auf eigener Achse an. „Das ist doch selbstverständlich“, sagt der 65-Jährige lächelnd. „Die fünf Stunden Fahrt aus dem Saarland sind doch ein Klacks“.

Das manchmal etwas schnattrige „Reng-Deng-Deng“ seines Trabant 601, übrigens eine Limousine, sorgt dafür, dass er alles um sich herum vergessen und einfach mal einen Gang zurück schalten kann. „Wenn man den fährt, muss man Zeit haben“, sagt Rudi. Und die Zeit war es auch, die dem Mann aus dem Örtchen Quierschied den Trabant einfach so in die Hände spielte. „Bekommen habe ich den von einer Freundin in Ungarn, geschenkt hat sie ihn mir“, so Rudi.

Dem geschenkten Auto unter die Haube gucken musste er aber schon. Und was er sah, war nicht gut: „Bis auf den Motor.“ Also hieß es: ab zu den Spezialisten vom Trabi-Club, die für alles eine Lösung haben. Getreu ihrem Motto „Mit nem Dreizehner Schlüssel, einem Hammer und ner Rohrzange läuft das Ding wieder“, wurde Rudis aktuell 29-jähriger Trabant auf links gedreht. In Geilenkirchen präsentierte er sich nun wie die weiteren rund 80 Fahrzeuge in guter Form.

Das Treffen um den Kult des in der DDR in die automobile Umlaufbahn geschossenen Trabanten war mal eine ganz andere Erfahrung in Sachen Autotreffen. „Wir sind bewusst offen für Jedermann, man muss nicht mit dem perfekten Auto aufschlagen“, sagt Organisator Markus Hack.

Dessen Liebe für das nostalgische Mobil begann im zarten Alter von 13 Jahren. „Das war ein Oldtimer, den man sich leisten konnte“, berichtet Hack. Und schon als Noch-Jugendlicher sei er mit seinem damals ersten Trabi-Treffen richtig ernst genommen worden. „Ich würde mich natürlich darüber freuen, noch bekannter zu werden“, sagt der 31-Jährige. 15 Treffen – drei fielen aus gesundheitlichen Gründen aus – hat er schon organisiert, noch viel mehr sollen es werden.

Plattform für die Freunde des Ost-Automobils

„Aber nicht, um damit die große Kohle zu machen“, sagt der Geilenkirchener. Vielmehr gehe es ihm darum, eine Plattform für die Freunde des Ost-Automobils zu schaffen. In lockerer Atmosphäre, versteht sich, und wer hier nicht mindestens eine Geschichte zum rollenden Denkmal hören will, der ist definitiv am falschen Ort. In den Erzählungen geht es darum, die Liebe zum und im Trabi zu erleben.

Das sei alles kein Problem, sagt einer, vor allem in der Kombi-Version zeige das zu Unrecht als „Plastebomber“ titulierte Modell sein großzügiges Raumgefühl. „Da kannste drin pennen“, meint auch Claudio Uhlig, der in Geilenkirchen lebt. Sein Trabi glänzt in Topform, viel Chrom ist dran, und drinnen auf der mit original gehäkelter Klopapierrolle versehenen Hutablage wartet noch ein besonderes Erinnerungsstück. „Das ist das alte Nummernschild aus Karl-Marx-Stadt“, sagt er, und hält es zur Probe an das aktuelle Pendant mit dem „GK“.

Familiär geht es zu auf dem idyllisch gelegenen Platz in Niederheid, es wird gegrillt, getrunken, und beim Lagerfeuer ist auch Zeit für handgemachte Live-Musik. „Und wir sind alle auf einer Wellenlänge“, freut sich Markus Hack. Da macht es schließlich auch keinen Unterschied mehr, ob einer auf eigener Achse gefahren ist, oder sein Trabant liebevoll gehegt und mit Ost-Requisiten geschmückt per Hänger transportiert wurde.

Eines ist sicher: Die Leute haben für solche Autos, die aktuell nur noch in einer „Menge“ von etwa 18.000 in Deutschland zugelassenen sind, richtig viel übrig. „Auf der Herfahrt gab es nur hochgereckte Daumen und viele Gespräche“, schließt Rudi Hans den kleinen Blick in ein großes Stück deutscher Automobilgeschichte.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert