Trabi-Freunde reisen auch aus Finnland an

Von: Georg Schmitz
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Unterhaltsam ist das Trabi-Treffen in Niederheid allemal, denn die Freunde ostdeutschen Automobilbaus verfügen nicht nur über die beliebten Oldtimer, sondern auch über eine gehörige Portion Humor. Fotos (2): Georg Schmitz Foto: Georg Schmitz
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Organisator Markus Hack (l.) und „Zottel“ mit einer Simson-Spatz. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Niederheid. Was vor vierzehn Jahren aus einer Laune heraus begann, hat sich zwischenzeitlich zu einer festen Einrichtung für Freunde von ehemaligen DDR-Fahrzeugen entwickelt.

Bei nicht gerade frühlingshaftem Wetter trafen sich rund 80 Trabi-Freunde aus ganz Nordrhein-Westfalen, den Niederlanden und sogar aus Finnland mit den technischen Errungenschaften ostdeutschem Automobilbaus zu einem gemeinsamen Wochenende auf dem „Trabi-Gelände“ der Familie Hack an der Von-Humboldt-Straße in Niederheid. Hier ließen sich die Frauen und Männer mit ihren Zelten und Campingwagen sofort häuslich nieder und trotzten den kühlen Temperaturen.

Organisator Markus Hack war erst 13 Jahre alt, als er Freude an den knatternden Gefährten fand und von Papa Matthias seinen ersten Trabanten geschenkt bekam. Seit seinem 14. Lebensjahr organisiert der mittlerweile 27-Jährige das beliebte, von den Gästen immer als sehr familiär gelobte Trabi-Treffen.

Markus Hack sammelt und restauriert die teilweise historischen ostdeutschen Fahrzeuge. Sein Hobby hat er zwischenzeitlich zum Beruf gemacht, denn nach seiner Karosseriebau-Ausbildung mit Schwerpunkt Oldtimer-Restauration in Dortmund hat er auch die Meisterschule in Köln besucht und seinen Karosseriebaumeister gemacht. So ist es nicht verwunderlich, dass sich der heute 27-Jährige mit einer Werkstatt selbstständig gemacht hat und sich nun hauptsächlich mit der Restaurierung von Oldtimern beschäftigt. Er weiß, dass das Interesse der Menschen an Trabanten und Wartburgs seit dem Fall der Mauer offensichtlich zugenommen hat.

Die Besitzer der knatternden Gefährte stecken unzählige Stunden in die Herrichtung und Erhaltung ihrer Schmuckstückchen, davon konnten sich die Menschen bei dem Trabi-Treffen in Niederheid überzeugen. Die Trabi-Gemeinde freut sich jedes Mal über Besucher, die sich der geselligen Runde anschließen oder einfach mal einen Blick auf die Produkte ostdeutschen Automobilbaus werfen. Neben dem allseits bekannten Trabi sahen sich die Oldtimer-Liebhaber auch Wartburg, Barka, Framo, DKW, Saborosch sowie Simson Mopeds gegenüber.

Fast 80 ehemalige DDR-Gefährte der Baujahre 1960 bis 1991 fuhren über die drei Tage verteilt das Ausstellungsgelände an und boten für die Teilnehmer und Besucher genügend Stoff für Gespräche und Fachsimpeleien.

Brigitte Gaiser aus Düsseldorf zeigte ihren Trabi 600 aus dem Jahre 1965 vor. Zum 13. Mal ist sie mit ihrem 26-PS Gefährt bei Markus Hack zu Gast. „Den Trabi hab ich vor über 25 Jahren von einem Nachbarn erworben. Aber eigentlich ist mir die Liebe zu den ostdeutschen Fahrzeugen in die Wiege gelegt worden, denn meine Mutter stammt aus dem Erzgebirge“, erzählt Brigitte Gaiser. Zudem besitze sie noch einen kleinen Campinganhänger „Würdig 301“, besser unter dem Namen „Dübener Ei“ bekannt.

„Zottel“ hat mit seinem Moped „Simson-Spatz“ dreieinhalb Stunden von Bochum nach Geilenkirchen gebraucht. Das motorisierte Zweirad aus dem Jahre 1969 verfügt nur über 2,1 PS und schafft eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometer. Seinen richtigen Namen mag er nicht preisgeben, aber in Oldtimerkreisen ist er ohnehin nur als „Zottel“ bekannt, was wohl an seinem langen blonden Haarzopf liegt. Zusammen mit einem Kumpel beweist er gerade den Zuschauern, dass ein Wartburg ein entzündliches Gemisch aus Benzin, Öl und Luft entwickelt, dass am Auspuff eine Flamme erzeugen kann. Er hält einen Grillanzünder an den Auspuff und tatsächlich hinterlässt der Wartburg einen Feuerschweif, ähnlich einem Flammenwerfer. „Das ist den Sprit- und Ölrückständen in den Abgasen und dem schlechten Wirkungsgrad geschuldet“, gibt Markus Hack seine Fachkenntnisse preis.

Eigene Halle für Trabis

Zum wiederholten Mal ist ein Trabi-Fan aus Finnland mit seiner Familie angereist. Der Architekt ist Besitzer von mehr als 60 DDR-Fahrzeugen und hat dafür eine eigene Halle entworfen und gebaut, die in Finnland als Trabi-Museum gilt. Gleich nebenan steht ein aufgebockter Trabi mit drei Achsen, der als rollende Verkaufsstätte für Würstchen genutzt wird. „Hans Wurst in allen Gassen“, steht auf dem Fahrzeug in großen Lettern und die Besitzerin lässt an diesem Wochenende die Bremsen überprüfen.

So gäbe es noch vieles von den Trabi-Freunden zu berichten. Auch der Erfahrensaustausch um die vielen in unzähligen Arbeitsstunden umgebauten und getunten Trabis 601, Cabrios und Kübel ließ die Stunden im „Camping- und Trabipark“ wie im Fluge vergehen.

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