„Toller Erfolg“ an der Realschule oder „erschreckendes“ Ergebnis?

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
5577997.jpg
Peter Pauli informierte über seine Schüler mit Hauptschulempfehlung.

Geilenkirchen. „In den Räten geht der Schulkrieg los“, klagte im Dezember 2011 der Geilenkirchener Stadtverordnete Manfred Mingers (Die Linke). Vorausgegangen war eine lange und teils heftig geführte Debatte um die Einführung der Sekundarschule, um den Erhalt der Realschule und um eine Erweiterung der Gesamtschule.

Nach langen Diskussionen, Elternbefragung und Protesten hat der Stadtrat dann im Dezember 2011 entschieden: Die Realschule bleibt erhalten, eine Sekundarschule wird nicht eingerichtet, die Gesamtschule wird nicht erweitert. Grüne und SPD sorgten sich damals um die schwachen Schüler, weil die gemeinsam mit der Gemeinde Gangelt betriebene Hauptschule schließen wird. Wohin mit den schwachen Schülern, fragten sie.

Auch heute, eineinhalb Jahre später, scheint noch kein Frieden zu herrschen. Diesen Eindruck hatte man jedenfalls bei der Sitzung des Ausschusses für Bildung und Soziales. Die Grünen hatten zuvor beantragt, den Leiter der Realschule einzuladen. Peter Pauli solle den Ausschuss über die Erfahrungen mit Schülern, die mit einer Hauptschulempfehlung die Eingangsklasse 5 besuchen, berichten. Erforderlich hielten die Grünen den Bericht vor dem Hintergrund, dass auch im kommenden Schuljahr voraussichtlich eine beträchtliche Anzahl von Kindern mit einer Hauptschulempfehlung nicht in der Gesamtschule aufgenommen werden kann.

55 Mädchen und Jungen besuchen derzeit die Eingangsklasse 5 der Realschule, berichtete Peter Pauli. 24 von ihnen seien mit einer Hauptschulempfehlung aufgenommen worden. Acht von ihnen, so Pauli, fingen jetzt erst an zu lernen. Unter den Kindern mit Hauptschulempfehlung seien einige mit Verhaltensauffälligkeit. „Es wurden Sozialverträglichkeitsmaßnahmen eingeführt. Manche Schüler mussten erst einmal auf Lernen und Leistungsanforderung vorbereitet werden“, erklärte Pauli.

Für Schüler, die viel Bewegungsfreiheit brauchen, habe man einen eigenen Schulhofbereich geschaffen, in den Pausen würden Gespräche und Entspannung angeboten. „Manche Kinder verhalten sich sozial unverträglich, das Versäumnis liegt aber bei den Eltern. Das soziale Miteinander muss gefördert werden.“ Einige Kinder mit Hauptschulempfehlung hätten die 6. Klasse freiwillig wiederholt. In diesem Jahr müsse die Realschule eine Schülerin abgeben, weil sie selbst zur Hauptschule wolle. „Sie kam häufig nicht zur Schule, und die Eltern entschuldigen das“, bedauerte Pauli.

Ruth Thelen (Die Grünen) war „unglücklich mit der Beschulung dieser Schüler in der Realschule“ und zeigte sich „erschrocken“ zu hören, dass manche zwei Monate vor den Sommerferien zu lernen beginnen. Bürgermeister Thomas Fiedler wertete den Bericht insgesamt als „pädagogisch optimistische Prognose“. Darauf erklärte Grünen-Fraktionschef Jürgen Benden: „Ich werte ihn als erschreckend. Eine Schülerin muss sich eine andere Schule suchen. Künftig werden es mehr sein, und die Schulen werden weniger.“ Und in Richtung Peter Pauli, der angekündigt hatte, alle Kinder beschulen zu können, sagte Benden: „Sie haben im vergangenen Jahr Versprechungen gemacht, die Sie heute wiederholt haben und nicht halten können.“

Anderer Meinung war Michael Kappes (CDU). Man habe damals die richtige Entscheidung getroffen. „Durch die Erweiterung der Erprobungsstufe werden die Schüler gefördert. Das ist ein toller Erfolg.“ In Richtung Grüne meinte er: „Sie können jede Schule schlecht reden, und jetzt reden sie die Realschule schlecht.“ Ähnlicher Meinung war Manfred Schumacher (CDU). Es sei polemisch und nicht der Sache dienlich, diese Schullandschaft zu zerreden. „Wenn eine Schülerin nicht will, soll sie gehen. Für eine Schülerin können wir keine Schule aufmachen.“ Thelen konterte: „Das ist kein verantwortlicher Umgang mit Kindern.“

Zuvor schon wurde bei der Bekanntgabe der Schüleranmeldezahlen der weiterführenden Schulen zum Schuljahr 2013/2014 beklagt, dass von der Gesamtschule 21 Geilenkirchener Schüler abgelehnt worden seien, die von der Grundschule eine Hauptschulempfehlung hatten. Eine Differenzierung nach Notendurchschnitt sei legitim, erklärte Beigeordneter Herbert Brunen. „13 Schüler wurden mit Gymnasialempfehlung genommen, 17 hatten eine Empfehlung für die Hauptschule, und die große Mitte besteht aus Schülern mit Realschulempfehlung. Das ist ein ausgewogenes Verhältnis.“

Bürgerlisten-Fraktionschef Christian Kravanja übte Kritik: „Gute Schüler werden begünstigt, schlechte Schüler werden benachteiligt.“ Die Schule müsse bis zur Oberstufe überleben, erwiderte Brunen.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert