„Toleranz fördern - Kompetenz stärken”: 80.000 Euro für neue Runde

Von: Udo Stüßer
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Stadtteilfest in der Lüttiche
Stadtteilfest in der Lütticher Straßen: Hier lernten sich Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen kennen. Auch Bürgermeister Thomas Fiedler (links) und Birgit Gerhards (Bildmitte) vom städtischen Jugendamt informierten sich über das gelungene Projekt. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. „Im Vergleich zu anderen Kommunen gibt es in Geilenkirchen sehr viel bürgerschaftliches Engagement”, lobt Ulla Theisling. Als Coach im Bundesprogramm „Toleranz fördern - Kompetenz stärken” berät sie die Städte Witten, Remagen, Siegen, Weilburg an der Lahn und Geilenkirchen.

In Geilenkirchen hat die aus Köln angereiste Moderatorin festgestellt: „Menschen, die bisher noch nicht aktiv waren, engagieren sich nun.” Seit 2011 werden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in 90 Kommunen Projekte gefördert, die ziviles Engagement, demokratisches Verhalten und den Einsatz für Vielfalt und Toleranz zum Ziel haben. Flossen im Jahr 2011 rund 60.000 Euro nach Geilenkirchen, so freuten sich die Teilnehmer in diesem Jahr über 90.000 Euro. Den Kommunen entstehen keine Kosten.

33 Vorhaben und Folgeanträge wurden damit finanziert. „Damit wurden die unterschiedlichsten Gruppen angesprochen. Und alle Projekte sind bemerkenswert”, erklärt Nicole Abels-Schell, Gemeindesozialarbeiterin der Caritas und Koordinierungsstelle für das Projekt. Gemeinsam mit Birgit Gerhards und Markus Kaumanns vom städtischen Jugend- und Sozialamt betreut sie die Projekte. Wenn Nicole Abels-Schell die vielfältigen Projekte lobt, macht sie deutlich, dass ihr alle gleich am Herzen liegen.

Da ist beispielsweise das Kinderzentrum Triangel der Lebenshilfe in Bauchem, das 200 Euro für ein Training zur Erlangung von „Mini-Sportabzeichen” beantragt hatte. Da ist aber auch der Förderverein des AWO-Kindergartens Jahn-straße, der 5000 Euro für das Theaterprojekt „Jim Knopf” bewilligt bekommen hatte. Theater-Profis des „Kölner Spielezirkus” haben die Erzieherinnen für das Theaterspiel qualifiziert und das Einstudieren des Stückes an fünf Tagen begleitet.

Am Tag der Aufführung war die Aula der Katholischen Grundschule voll. „Bei diesen Projekten geht es darum, die Stärken und Schwächen des Einzelnen zu sehen und zu akzeptieren und die emotionale und soziale Kompetenz der Kinder zu stärken. Gleichzeitig lernen die Kinder, demokratisch miteinander umzugehen”, erklärt Nicole Abels-Schell und ist überzeugt, dass alle Projekte „nachhaltig etwas bewirken”. Denn: „Soziale Kompetenz bleibt haften”, sagt sie.

Es gibt aber auch Projekte, die in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gefördert werden. So werden an der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Schüler zum interkulturellen Coach qualifiziert. Dafür hat die Schule mit dem Kölner Bildungsträger ConAction e.V. und der Gangelter Buchautorin Nuran Joerissen zwei wichtige Kooperationspartner gefunden. „Die Coaches werden so ausgebildet, dass sie das erworbene Wissen an ihre Mitschüler weitergeben können”, erklärte die Gemeindesozialarbeiterin. Auch ansonsten ist die Geilenkirchener Gesamtschule recht eifrig, wenn es um die Förderung von Toleranz geht.

Da werden Gedenkblätter für ehemalige jüdische Mitbürger erstellt, da wird an einer interaktiven Stadtkarte gearbeitet, die die Wohnorte der ehemaligen jüdischen Mitbürger zeigt. Nicht zu vergessen sind auch die Aktivitäten der anderen Schulen, wie die der Realschule mit ihrem „Säulenprojekt gegen das Vergessen” und die des Berufskollegs, dessen Schüler einen Dokumentarfilm über jüdisches Leben in Geilenkirchen erstellt haben.

Und auch für das nächste Jahr sind die Kassen mit Bundesmitteln gut gefüllt: 80.000 Euro stehen 2013 für Geilenkirchen zur Verfügung. Die Anträge können ab Januar gestellt werden, mit den Vorbereitungen sollte jetzt schon begonnen werden. Ulla Theisling geht bei dieser Gelegenheit auf die Zielsetzung des Programms ein: Soziales Miteinander soll gefördert, eine größere Identifikation der Bürger mit der Stadt soll erreicht werden, Menschen unterschiedlicher Nationalitäten sollen gut miteinander leben können. Präventionsmaßnahmen gegen Rechtsradikalismus werden ebenso gefördert wie Demokratieentwicklung und soziales Miteinander.

Bürger, die sich von diesem Programm angesprochen fühlen, sollten sich schnellstmöglich mit Nicole Abels-Schell in Verbindung setzen. Sie berät auch die Antragsteller, nimmt die schriftlich begründete Interessenbekundung entgegen und legt sie dem Begleitausschuss vor. Der 40 Mitglieder starke Ausschuss - Vertreter von Vereinen, Parteien, Organisationen und Schulen - entscheidet über die Bewilligung. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel soziale Kompetenz plötzlich bei manchen Menschen zum Vorschein kommt”, sagt Nicole Abels-Schell beeindruckt.

„Da ist Musik drin”

Eine Förderung Geilenkirchens ist bis Ende 2013 vorgesehen. „Positiv wäre natürlich, wenn die Stadt als eine der wenigen Kommunen ausgesucht würde, die darüber hinaus noch ein weiteres Jahr teilnehmen dürfen, um die Aktivitäten zu festigen”, macht Ulla Theisling der Stadt noch Hoffnung auf weitere Fördergelder. Und mit Blick auf den Bürgertreff an der Konrad-Adenauer-Straße sagt sie: „Da ist Musik drin. Wenn es gelingt, die Lebendigkeit zu erhalten, dann fühlen sich die Menschen angesprochen, sich zu engagieren.”

Abschlussfeier und Erfahrungsaustausch

Weitere Auskünfte gibt Gemeindesozialarbeiterin Nicole Abels-Schell unter der Rufnummer 02451/4820889.

Alle Interessierten, Projektträger und solche, die es werden wollen, sind für Dienstag, 11. Dezember, 18 Uhr, zu einer Jahresabschlussfeier mit Erfahrungsaustausch in den Bürgertreff eingeladen.

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