Tihange auch eine Gefahr für das Trinkwasser Übach Palenbergs

Von: Jan Mönch
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Die Dreilägerbachtalsperre in der Eifel, aus der auch Übach-Palenbergs Wasser erhält, bietet dem Auge ein schönes Idyll. Es sollte bloß nirgendwo in der Nähe ein Kernkraftwerk explodieren. Foto: Heiner Schepp

Übach-Palenberg. Wäre die Versorgung Übach-Palenbergs mit Trinkwasser bei einem Atomunfall in Tihange zu gewährleisten? Diese Frage hatte jetzt der Arzt Dr. Wilfried Schulte-Sperlich aufgeworfen. Gemeinsam mit mehr als 20 weiteren Ärzten appellierte er an den Kreis Heinsberg, eine weitere Versorgung der Stadt durch Enwor, wie der Rat sie im Oktober beschlossen hat, zu unterbinden.

Denn Enwor liefert Oberflächenwasser, und anders als Grundwasser würde dieses im Katastrophenfall erheblicher radioaktiver Belastung ausgesetzt.

Übach-Palenberger Sonderrolle

Die Konzessionsvergabe an Enwor ist bis auf Weiteres ohnehin gestoppt, dafür hat das Landgericht Köln per einstweiliger Verfügung gesorgt. Der Aspekt einer möglichen Atomkatastrophe hatte damit aber nichts zu tun, die Beweggründe für die Entscheidung des Gerichts lagen allein im Vergabeverfahren begründet.

Während kaum eine rechtliche Handhabe dazu bestehen dürfte, dem Appell der Ärzte an den Kreis Heinsberg nachzukommen, hat Schulte-Sperlich nichtsdestoweniger den Finger offenbar recht treffsicher in die Wunde gelegt. Die Sonderrolle Übach-Palenbergs, das als einzige Kommune im Kreis Heinsberg nicht mit Grundwasser versorgt wird, war auch Teil einer Übung an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz in Bad Neuenahr-Ahrweiler, an der Führungskräfte der Kreisbehörde kürzlich teilnahmen und über die Landrat Stephan Pusch am Dienstag im Kreisausschuss berichtete.

Teil des Szenarios für die Übung, das von der Bezirksregierung vorgegeben worden sei, sei eine Teil-Evakuierung Übach-Palenbergs gewesen. Und zwar wegen des gemäß Szenario radioaktiv belasteten Oberflächenwassers. Die übrigen Kommunen mussten nicht evakuiert werden.

Wilfried Schulte-Sperlich hat im Zuge der Neuvergabe der Wasserkonzessionen eine „einmalige Chance“ gesehen, Übach-Palenberg für den Falle eines Falles zu wappnen. Ungeachtet dessen wollen die meisten Bürger, dass die Stadt weiter mit Enwor zusammenarbeitet, man ist offenbar zufrieden mit dem Service durch den langjährigen Stammversorger.

Der Aspekt der radioaktiven Belastung des Wassers durch einen möglichen Atomunfall wurde allerdings auch nie ernsthaft erörtert. Schulte-Sperlich behauptet, Stadt und Politik in den vergangenen Jahren gebetsmühlenartig auf das Thema aufmerksam gemacht zu haben, doch sei er nicht ernstgenommen worden. In der Politik herrscht in der Tat die Meinung vor, bei einem Atomunfall ohnehin gravierendere Probleme zu haben.

Jedenfalls kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Stadt das Thema aus der Öffentlichkeit halten will. Sie braucht geschlagene drei Wochen, um auf die Bitte unserer Zeitung um eine Stellungnahme zu reagieren. Erst auf die dritte Nachfrage hin wird mitgeteilt, dass im Katastrophenfall der Krisenstab beim Kreis Heinsberg informiert würde. „Dieser wird entsprechende Maßnahmen beschließen und so beispielsweise auch eine Notwasserversorgung für die Übach-Palenberger Bürgerinnen und Bürger gewährleisten können“, sagt Sprecher Thomas de Jong.

Wieso es drei Wochen in Anspruch nimmt, schlicht auf eine andere Behörde zu verweisen, muss an dieser Stelle offen bleiben. Problematischer ist aber, dass die Aussage schlicht falsch ist. Richtig muss es heißen: Der Kreis Heinsberg könnte eine Notwasserversorgung unter gar keinen Umständen gewährleisten. Dies bestätigt Landrat Stephan Pusch. „Wie sollen wir das machen? Dazu existieren überhaupt keine Leitungen.“ Und auch eine Notversorgung mit Lastwagen sei schlicht nicht umsetzbar. „Es gibt keine Leitungen, und es gibt keine Lkw“, sagt Pusch.

Auskunft erst auf langes Drängen

Auch Enwor selbst möchte über das Thema am liebsten nicht sprechen. Erst auf mehrfache Nachfrage hin wird mitgeteilt, dass man auf Grundwasseraufbereitungsanlagen in Stolberg-Binsfeldhammer und Eschweiler-Hastenrath zurückgreifen könne. Hier stünden jährlich 5,5 Millionen Kubikmeter Wasser zur Verfügung (die natürlich auch für alle anderen von Enwor belieferten Kommunen reichen müssten). Wieso Enwor diese Auskunft erst auf langes Drängen hin erteilt, bleibt ebenfalls unklar.

Im Sinne aller Beteiligten wäre es natürlich, die Protestbewegung gegen Tihange hätte Erfolg und das Kraftwerk würde abgeschaltet. Dann hätte sich auch die Frage nach der Notwasserversorgung erledigt. Seite 16

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